07. Mai 2021 / 19:57 Uhr

Tokio 2021: Potsdamer Kanutinnnen kämpfen um historischen Olympia-Start

Tokio 2021: Potsdamer Kanutinnnen kämpfen um historischen Olympia-Start

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Neues Zusammenkommen: Zuletzt waren Annika Loske (r.) und Ophelia Preller 2017 gemeinsam im Zweier international am Start. 
Neues Zusammenkommen: Zuletzt waren Annika Loske (r.) und Ophelia Preller 2017 gemeinsam im Zweier international am Start.  © Ute Freise
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Erstmalig werden Canadier-Fahrerinnen bei den Sommerspielen dabei sein. Annika Loske hat mehrere Chancen auf dem schwierigen Weg nach Tokio - auch zusammen mit Vereinskollegin Ophelia Preller.

Bei Annika Loske und Ophelia Preller dreht sich derzeit alles um den Sport. Mehr ist auch nicht möglich. Das kasernierte Leben im Leistungszentrum Kienbaum sind die beiden Kanutinnen des KC Potsdam im OSC schon gewohnt. Doch zu Corona-Zeiten sind die Maßnahmen in der brandenburgischen Einöde noch einmal verschärft: Einzelzimmer, kein Verlassen des Geländes, strenge Hygieneregeln. „Damit kommen wir klar“, sagt Preller während des laufenden Trainingslagers der deutschen Nationalmannschaft. „Der Fokus“, ergänzt Loske, „liegt voll auf dem Training und den Wettkämpfen.“

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Loske vertritt Deutschland in Nachqualifikation

Für Loske stehen jetzt gleich drei Wettkämpfe bevor. Bei allen kann sie sich ihren Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio ebnen. Dort werden erstmalig Canadier-Fahrerinnen unter den fünf Ringen dabei sein. Ein historischer Moment. „Ich habe viele Chancen, es dahin zu schaffen. Aber es sind schwierige Chancen“, sagt die demnächst 23-Jährige. Am Mittwoch und Donnerstag findet in Szeged die europäische Olympia-Nachqualifikation statt, noch restliche Quotenplätze für die Nationen werden vergeben. Die Potsdamer Sportsoldatin und Psychologiestudentin soll Deutschland im Canadier-Einer über 200 Meter das Ticket sichern. Zwei Plätze sind bei dem Event in Ungarn vakant. Geht Loske leer aus, kann sie beim Weltcup im russischen Barnaul vom 19. bis 23. Mai noch einmal bei der „global last chance“, der globalen letzten Qualifikationschance, zuschlagen, wo es nur noch eine Startberechtigung zu ergattern gibt. „Im Verhältnis von 200 zu 500 Meter bin ich eigentlich auf der längeren Distanz besser“, sagt die Athletin, die gar über 5000 Meter Vize-Weltmeisterin 2018 wurde. „Aber ich stelle mich jetzt gerne der Sprint-Aufgabe.“

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Zumal Loske auch auf den 500 Metern noch angreifen kann. Dann aber nicht im Solo, sondern Duett. Beim Weltcup am kommenden Wochenende, der sich in Szeged unmittelbar an die Nachqualifikation anschließt, geht sie zusammen mit ihrer Vereinskollegin Preller im C2 an den Start. Beim innerdeutschen Vergleich mit Lisa Jahn/Sophie Koch (Berlin/Karlsruhe) wird entschieden, wer in Tokio ran darf. „Wir werden unser Bestes geben und sehen, was rauskommt“, sagt Preller.

"Es fühlt sich nicht so schön an"

Das Potsdam-Gespann gilt nach den Sichtungen als Herausforderer. Jahn dominierte in der Rangliste klar, Koch war Dritte. Loske belegte Platz zwei. Weil sie jedoch wie Jahn Linkspaddlerin ist und im Canadier-Zweier eine beidseitige Verteilung vielversprechender ist, kommt es nicht zu einer Paarung der nominell Stärksten. Daher fährt sie zusammen mit der viertplatzierten Preller. Beide waren bereits im Nachwuchsbereich erfolgreich als Duo unterwegs. Jedoch fuhren sie zuletzt 2017 in dieser Konstellation international. Im Jahr darauf musste Sportsoldatin Preller, die Innenarchitektur studiert, wegen Schulterproblemen aussetzen, in der wegen Corona weitgehend ausgefallenen Saison 2020 war sie durch einen Fahrradsturz mit Gehirnerschütterung längere Zeit außer Gefecht gesetzt.

Dazwischen hatte sich Jahn/Preller als bester Zweier herauskristallisiert und durch einen starken vierten Rang bei der WM 2019 olympische Quotenplätze gesichert. „Es fühlt sich nicht so schön an, wenn man für Deutschland die Qualifikation sichert, aber jetzt bangen muss, dann auch wirklich dabei zu sein“, sagt die 22-Jährige. Für Loske sei es wiederum schwierig, „zu wissen, dass man Zweitbeste im Land ist und trotzdem am Ende außen vor sein könnte“, wie sie sagt. Doch betonen beide unisono, dass ihr Kampfgeist groß sei. Den Fokus haben sie in der Isolation in Kienbaum geschärft.