19. Juli 2021 / 15:07 Uhr

Kommentar: Wie ein Autoriese den Olympischen Spielen die nächste Beule verpasst

Kommentar: Wie ein Autoriese den Olympischen Spielen die nächste Beule verpasst

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Toyota bringt die Organisatoren der Olympischen Spiele in weitere Erklärungsnot.
Toyota bringt die Organisatoren der Olympischen Spiele in weitere Erklärungsnot. © IMAGO/Montage
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Der Automobil-Hersteller Toyota distanziert sich von den Olympischen Spielen in Tokio und verzichtet auf Werbespots mit Bezug zu der Veranstaltung. Der Rückzug des Sponsors aus der Öffentlichkeit ist der nächste Kratzer auf dem olympischen Lack, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

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"Nichts ist unmöglich." Drei Worte, eine Verheißung. Die unbegrenzten Optionen, die Toyota seinen Kunden verspricht, macht der Autoriese nun auf ganz anderem Terrain wahr. Das Unternehmen geht als japanischer Top-Sponsor auf Distanz zu den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Bereits produzierte Werbespots mit Bezug zur Veranstaltung werden in der Schublade bleiben, die Teilnahme an der Eröffnungsfeier sagte die Konzernspitze ab. Man verzichtet auf den Gegenwert millionenschwerer Zahlungen. Offensichtlicher Hintergrund: Der Mobilitäts-Spezialist befürchtet, dass das Ringen um Medaillen vielerorts emotional eher regungslos konsumiert wird. Eine Vorstellung, die einst unmöglich erschien.

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Noch schlimmer: Die Mehrheit der japanischen Bevölkerung lehnt die Austragung der Spiele aufgrund der Furcht vor einer weiteren Corona-Welle ab. Zuschauer? Sind bei den Wettkämpfen wegen des Infektionsrisikos nicht zugelassen. Stimmung vor Ort? Kann somit nicht aufkommen. Für die Athleten wird es eine einsame Veranstaltung. Die olympische Idee war stets bunt, spektakulär, völkerverbindend und mitreißend - nun wird sie in ein sattes Grau getüncht und mit Begrifflichkeiten konnotiert, die das Gegenteil des ursprünglichen Gedankens verkörpern. Und mit denen Toyota offenbar nicht in Verbindung gebracht werden will.

Für das Internationale Olympische Komitee ist der Rückzug des Sponsors aus der Öffentlichkeit der nächste Schlag. Das von den Olympia-Machern verkaufte Produkt scheint einen guten Teil seines Glanzes verloren zu haben. Diesen aufzupolieren, dürfte schwierig werden. Die Veranstaltung hat in den vergangenen Monaten reichlich Beulen und Kratzer bekommen, auf die Bremse trat das zuweilen stur wirkende IOC bei seinen Planungen nie. Die Sportler sollen ab Freitag nun dafür sorgen, dass zumindest der Motor weiter läuft.