10. Juni 2021 / 12:30 Uhr

Tokio fest im Blick: Hannovers Judo-Ass Scoccimarro muss bei WM in Budapest liefern

Tokio fest im Blick: Hannovers Judo-Ass Scoccimarro muss bei WM in Budapest liefern

Alexander Flohr und Maik Schulze
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Kämpft um Olympia: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro aus Hannover.
Kämpft um Olympia: Judo-Ass Giovanna Scoccimarro aus Hannover. © IJF
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Schon am 23. Juli starten die Olympischen Spiele in Tokio. Welche Athletin für den Deutschen Judo-Bund ins Rennen geschickt wird, ist aber noch offen. Die Hannoveranerin Giovanna Scoccimarro hat gute Karten, muss sich aber bei der WM in Budapest noch einmal zeigen. Die Hinhaltetaktik des Verbands stört sie.

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Giovanna Scoccimarro ist angespannt. Ab Donnerstag entscheidet sich für die Hannoveranerin, die für den MTV Vorsfelde an den Start geht, ob ihr persönliches Sportjahr in einem Drama endet oder nicht. Bei der Judo-WM in Budapest muss sie möglichst gut abliefern. Sonst könnte sie ohne Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio bleiben.

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Denn ihr sitzt Konkurrentin Miriam Butkereit aus Glinde im Nacken. Nur eine der beiden deutschen Athletinnen erhält das Ticket für die Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm in Tokio. So sind die Regeln. Der Deutsche Judo-Bund lässt die beiden Sportlerinnen noch im Unklaren. Die WM ist die letzte Möglichkeit im Qualifikationszeitraum. Im Anschluss soll eine Entscheidung über die Olympianominierung fallen. Es wird Zeit. Denn schon am 23. Juli startet das Megaevent in Japan.

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Scoccimarro hat fast 1000 Punkte Vorsprung

Scoccimarro könnte eigentlich entspannt in das Turnier gehen. Das Judo-Ass gehört in Ungarn zum Kreis der Medaillenkandidatinnen, ist an Nummer fünf gesetzt. Es gibt reichlich Zähler zu holen, aber Scoccimarro geht mit fast 1000 Punkten Vorsprung ins Rennen. Ein dickes Polster. Konkurrentin Butkereit ist in der Weltrangliste sechs Plätze hinter der 23-Jährigen (Platz acht).

Zuletzt gewann sie zudem beim Grand Slam in Kazan (Russland) Silber, holte in diesem Jahr beim wichtigen Masters in Doha (Katar) Bronze. Alles dicke Ausrufezeichen im Hinblick auf Tokio. Trotzdem sagt Scoccimarro zum Thema erste Olympiateilnahme: „Ich warte lieber ab, bis es die Bestätigung vom Deutschen Judo-Bund gibt.“

Kritik an Hinhaltetaktik des Verbandes

Erst kürzlich hatte die Sportlerin das lange Hinhalten des Verbandes kritisiert. Es sei kräftezehrend, immer noch keine Klarheit in Bezug auf Olympia zu haben. Dabei hätte sie ihr Ticket für die Spiele in Tokio schon sicher gehabt, wenn sie wegen der Corona-Pandemie nicht um ein Jahr verschoben worden wären.

Frauen-Bundestrainer Claudiu Pusa betonte bereits im April, dass er jene Athletin nach Tokio schicken werde, „die die beste Chance auf eine Medaille hat“. Mit dem ordentlichen Vorsprung und einer guten Leistung bei der WM sollte Scoccimarro am Ende auch den Zuschlag bekommen.

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"Wenn ich noch mal Weltmeisterin werde, habe ich damit kein Problem"

Zunächst einmal sollen ihre Gedanken aber voll bei der WM sein. Auch da hat sie einiges vor. Zweimal war sie bisher dabei, beide Male erreichte sie das Achtelfinale. 2017 verabschiedete sie sich aus dem Juniorenbereich mit dem Weltmeister-Titel. „Dieser Erfolg steht in meiner persönlichen Rangliste weit oben“, sagt sie.

Diesmal könnte sie den Medaillenrängen ganz nahe kommen. In Pool B trifft sie am Donnerstag nach einem Freilos zunächst auf Gulnoza Matniyazova. Gegen die Usbekin hatte Scoccimarro im Februar beim Grand Slam in Tel Aviv souverän gewonnen. Natürlich liege der Fokus mehr auf Olympia, aber deshalb solle die WM nicht an Wert verlieren. „Und ich sage jetzt mal einfach, wenn ich noch mal Weltmeisterin werde, habe ich damit natürlich gar kein Problem“, so Scoccimarro mit einem Schmunzeln.

Und: Sie könnte noch einmal Punkte holen und ihren Setzplatz für Olympia festigen. Dann würde ihr Sportjahr im Juli einen persönlichen Höhepunkt finden und nicht in einem Drama enden.