05. August 2021 / 15:22 Uhr

"Inneres Blumenpflücken": Freude nach Olympia-Silber bei Hoff/Schopf 

"Inneres Blumenpflücken": Freude nach Olympia-Silber bei Hoff/Schopf 

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Jacob Schopf (r.) vom KC Potsdam im OSC jubelt mit seinem Kanukollegen Max Hoff aus Essen über Silber im Kajak-Zweier über 1000 Meter.
Jacob Schopf (r.) vom KC Potsdam im OSC jubelt mit seinem Kanukollegen Max Hoff aus Essen über Silber im Kajak-Zweier über 1000 Meter. © Jan Woitas/dpa
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Dass es für sie nicht zur erhofften Goldmedaille reichte, trübte die Stimmung des deutschen Kajak-Zweiers nicht. Dem Potsdamer Jungstar Schopf gehört die Zukunft - und er es glücklich, seinem "Mentor" zu einem glänzenden Karriereabschluss geholfen zu haben. 

Auf der Strecke hatten sie sich ein packendes Kopf-an-Kopf-Duell geliefert. Nach der Zieldurchfahrt hingen die deutschen und australischen Kajakfahrer dann im Boot sitzend Seite an Seite, Arm in Arm. Um nur 0,304 Sekunden hatten Max Hoff/Jacob Schopf am Donnerstag im Zweier über 1000 Meter die erhoffte Goldmedaille bei den Olympischen Spiele in Tokio hinter Jean van der Westhuyzen/Thomas Green verpasst. Von Enttäuschung war bei den amtierenden Weltmeistern dennoch keine Spur.

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Gemeinsamer Ritt von "Vater und Sohn"

„Ich freue mich tierisch über Silber. Wir haben alles rausgefeuert“, sagte der Essener Kanute Hoff im ZDF. Er halte nichts von der häufig verbreiteten Einstellung, dass nur Gold eine Leistung von Champions sei und Silber eine Form des Verlierens. Zumal die Australier einfach besser gewesen seien, was man respektvoll anerkennen müsse. Auch sein Partner vom KC Potsdam im OSC zeigte sich zufrieden. „Das war ein inneres Blumenpflücken”, sagte Schopf. Es war der vierte Brandenburger Medaillengewinn in Tokio.

In Bildern: Diese Aktiven aus Brandenburg gewannen bei den auf 2021 verschobenen Sommerspielen Edelmetall.

Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. Zur Galerie
Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. ©

Nachdem er zwei Tage zuvor als Vierter hauchdünn im K1 an Edelmetall vorbeigeschrammt war, klappte es für den Olympia-Debütanten nun im Duo. Gemeinsam erfolgreich zu sein, sei schöner als alleine, meinte Schopf. Für ihn war es das sechste 1000-Meter-Rennen in Tokio binnen vier Tagen, dabei werden Halbfinale und Endlauf in einem neuen Wettkampfschema mit nur rund zwei Stunden Abstand gefahren. „Es ist ein Riesenenergieakt hier”, sagte er. Hoff freute sich derweil bei der vierten Teilnahme an Sommerspielen über die Komplettierung seines Medaillensatzes: Nach Gold im Vierer 2016 und Bronze im Einer 2012 wurde es dieses Mal Silber im Zweier – beim letzten großen Rennen seiner Karriere.

Es war also der glänzende Abschluss eines Projekts, das gerne als „Generationenboot” bezeichnet wurde. Seit 2019 bildeten Schopf, heute 22 Jahre alt, unbekümmert und wild, ein Gespann mit Hoff, fast 39, routiniert und ruhiger. Der Jungstar, der Anfang vorigen Jahres aus Berlin nach Potsdam gewechselt war, nutzte in sozialen Medien für sie auch oft den Hashtag-Vermerk „father and son”, Vater und Sohn. „Ich durfte ihn auf seinem letzten Ritt begleiten. Es war ein harter, ein geiler Weg“, sagte der Wahl-Brandenburger Schopf und rührte seinen Kollegen damit zu Tränen.

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Hoff dankbar für "Glücksgriff" mit Schopf

Es war nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass „Wassermaxe”, wie er auf Facebook heißt, zeigte, nah am Wasser gebaut zu sein. Nach der Olympia-Verschiebung hatte Hoff den angedachten, sicheren Start ins Berufsleben aufgegeben und noch mal auf den Leistungssport gesetzt. In nationalen Sichtungen schwächelte er jedoch im Einer, bei manch einem kamen Zweifel auf. Nur nicht bei Bundestrainer Arndt Hanisch aus Potsdam und Schopf, die an der K2-Konstellation festhielten. Beim Weltcup in Ungarn lösten beide unter großem Druck gemeinsam das Tokio-Ticket und Hoff war von seinen Emotionen der Erleichterung sowie Dankbarkeit völlig überwältigt. Für ihn sei es „ein Glücksgriff” gewesen, mit Schopf zusammenfahren zu können, sagte der Mann aus dem Ruhrpott nun.

Der „Vater” konnte dem „Sohn” viele Erfahrungswerte mit auf den Weg geben, andersherum habe er von der Frische seines Partners profitiert. Dieser hat noch viel vor sich. Er könne nicht versprechen, so lange durchzuhalten wie sein „Mentor” Hoff. „Doch ich habe hier gerade den Spaß meines Lebens. Der beflügelt mich mehr als jedes andere. Ich kann zeigen, wer und was ich bin”, sagte Schopf. In der Gegenwart schon von Weltklasse-Format gehört ihm die Kanu-Zukunft. Das erhoffte Olympiagold kann er sich noch pflücken.

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