05. August 2021 / 16:12 Uhr

Nach nur vier Jahren als Leichtathlet: Jean Paul Bredau bei Olympia

Nach nur vier Jahren als Leichtathlet: Jean Paul Bredau bei Olympia

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Jean Paul Bredau ist der erste Brandenburger Leichtathletik-Sprinter bei Olympia seit 1988.
Jean Paul Bredau ist der erste Brandenburger Leichtathletik-Sprinter bei Olympia seit 1988. © imago images/Laci Perenyi
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Der 22 Jahre alte Potsdamer darf bei den Sommerspielen von Tokio mit der deutschen 4x400-Meter-Staffel starten. Er tritt in die historischen Fußstapfen seines Trainer - und hat das alles einem aufmerksamen Sportlehrer zu verdanken.

In den Sommerferien vor vier Jahren hatte Jean Paul Bredau noch keinen Gedanken an die Olympischen Spiele in Tokio. Warum auch? Volleyball spielte er, freizeitmäßig auch Fußball. „Aber das war weit entfernt vom Leistungssport”, sagt der 22-Jährige. „So etwas wie Olympia war nicht in meinem Kopf.” Inzwischen ist es nicht nur in seinem Kopf, sondern er sogar schon mittendrin bei den Sommerspielen. Am Freitag um 13.25 Uhr deutsche Zeit startet der Leichtathlet des SC Potsdam im Vorlauf mit der 4x400-Meter-Staffel der Männer. „Großartig“ sei es, dabei zu sein, sagt er.

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Auf dem Schulsportfest aufgefallen

Ein aufmerksamer Lehrer an seiner ehemaligen Potsdamer Gesamtschule hatte ihm den Weg zum Olympioniken geebnet. „Ich bin Herrn Krell sehr dankbar, dass er damals den Hinweis gab“, erzählt Bredau. Bei einem Sportfest beeindruckte er den Lehrer im Hochsprung. Und weil die Frau von Leichtathletik-Trainer Frank Möller eine Kollegin von Krell war, kam schnell der Kontakt zum Leistungsstützpunkt in der Brandenburger Hauptstadt zustande. „Hochsprung war doch nicht so sein Ding, aber der Sprint sah nicht so schlecht aus”, erinnert sich Möller an eine Sichtung in der letzten Sommerferienwoche 2017. Passenderweise wurde Bredaus Wechsel an die Sportschule im Eiltempo umgesetzt.

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27 Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sind für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Der SPORTBUZZER stellt sie alle vor. ©

Ebenso schnell habe er dann Fuß gefasst, sagt Möller, der den Neueinsteiger unter seine Fittiche nahm. Laut dem Coach vereinen sich viele positive Eigenschaften auf den 1,90 Meter großen und 82 Kilogramm schweren Bredau: fokussiert, ehrgeizig, fleißig, auf eine sehr gesunde Lebensweise bedacht, gut zu händeln, sehr belastbar. „400-Meter-Training ist mit das Härteste, was man machen kann. Weil er recht spät damit angefangen hatte, brachte er eine gute körperliche Frische dafür mit”, erklärt Möller.

Tokio-Teilnahme als "Initialzündung"

Mehrere nationale Nachwuchsmeistertitel holte Bredau in der Folge, schaffte es 2018 zu den U20-Weltmeisterschaften und bekam ein Jahr später als Vorlaufstarter Gold in der 400-Meter-Staffel bei den U23-Europameisterschaften. „Es gab eine Phase, da war Paul etwas stehen geblieben, hat stagniert”, sagt der 61 Jahre alte Trainer. „Aber dieses Jahr kam noch mal ein Sprung.” Im besten Moment. Das Mitglied der Brandenburger Polizei-Sportfördergruppe steigerte seine Bestzeit auf 46,10 Sekunden und spurtete so als drittschnellster Deutscher des Jahres in die olympische Staffel.

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Gleich doppelt war Brandenburg am Goldgewinn des deutschen Kajak-Vierers beteiligt. Die Potsdamer Ronald Rauhe (2.v.l.) und Max Lemke (r.) gehörten ebenso zur Crew wie Max Rendschmidt aus Essen (l.) und Tom Liebscher. Rauhe beendete mit diesem Triumph seine herausragende Karriere. ©

Bredau tritt damit ausgerechnet in Möllers Spuren. Als Aktiver war der heutige Coach 1988 bei den Sommerspielen in Seoul dabei, wurde Vierter mit dem DDR-Team über 4x400 Meter. Seitdem war kein Brandenburger Sprinter mehr bei Olympia – bis jetzt, bis Bredau in so kurzer Zeit durchstartete. Möller gehört auch zu der Crew, die seit 1985 den deutschen Rekord in der Langsprint-Staffel hält, zudem hatte er als Trainer Claudia Grunwald (geborene Hoffmann) zu Sommerspielen und einem EM-Medaillengewinn geführt.

Schwer werde es nun mit der Finalqualifikation für das deutsche Quartett, schätzt der erfahrene Coach ein. Unabhängig davon soll die Tokio-Teilnahme für seinen Sportler eine „Initialzündung” sein. „Dieses Erlebnis kann ihm einen weiteren Schub geben. Ich traue ihm zu, perspektivisch noch eine halbe Sekunde drauf zu packen. Dann wäre er im Bereich von europäischer Klasse.” Allein dass ihm das Potenzial für so etwas attestiert wird, hätte Bredau vor kaum allzu langer Zeit nicht gedacht.

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