23. Juli 2021 / 09:45 Uhr

Vier Hannover-Fäuste für Tokio: Kastening und Co. träumen von Medaillen

Vier Hannover-Fäuste für Tokio: Kastening und Co. träumen von Medaillen

Simon Lange und Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sind allesamt in Tokio mit dabei und haben Hannover-Hintergrund: Timo Kastening (links oben), Johan Hansen (rechts oben), Jonathan Edvardsson (links unten) und Marko Macan (rechts unten).
Sind allesamt in Tokio mit dabei und haben Hannover-Hintergrund: Timo Kastening (links oben), Johan Hansen (rechts oben), Jonathan Edvardsson (links unten) und Marko Macan (rechts unten). © IMAGO / Getty Images
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Olympia ist nah: Vom 23. Juli bis 8. August finden die Sommerspiele statt. Aus Hannover und der Region sind rund ein Dutzend Sportlerinnen und Sportler dabei. Wir stellen sie in einer Serie vor. Heute: die Mannschaftssportler Timo Kastening, Johan Hansen, Jonathan Edvardsson (alle Handball) und Marko Macan (Wasserball).

Dreimal Handball, einmal Wasserball: Neben den elf Einzelsportlern hat Hannover auch eine Menge Teamsportler zu bieten, die ab dem Wochenende in Japan um olympische Ehren und Medaillen kämpfen. Wir stellen das Quartett vor.

Timo Kastening: Für den Handballstar aus Hannover in Diensten der MT Melsungen ist die Teilnahme an seinen ersten Spielen „die Krönung“ seiner bisherigen Karriere. Der 26-Jährige gab im März 2019 sein Nationalmannschaftsdebüt, glänzte seitdem bei der EM 2020 und der WM 2021. Olympia „ist das größte Event der Welt, das bedeutet mir sehr viel, ich freue mich extrem darauf“, sagt Kastening, der heute mit dem DHB-Team das Trainingslager verlässt und ins olympische Dorf nach Tokio übersiedelt.

Das deutsche Team habe sich „viel vorgenommen, weil wir gefühlt den besten Kader haben, seitdem ich in der Nationalmannschaft bin“, sagt der langjährige Recke, der aus der Nähe von Bad Nenndorf stammt. „Trotzdem müssen wir nach den letzten Ergebnissen demütig bleiben und jedes Spiel so angehen, als wäre es das Letzte“, mahnt der Rechtsaußen. Der „Handballer des Jahres“ 2019 beschwört die „deutsche Mentalität, also eine harte Abwehr und gute Torhüter“, dann sei das Halbfinale „ein realistisches Ziel“. Los geht’s am Samstag gegen Europameister Spanien.

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Johan Hansen: Der mittlerweile eingebürgerte Däne träumte schon als kleines Kind auf den Färöer-Inseln von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen. „Aber es mit den kleinen Färöer zu schaffen, war ein unrealistische Traum“, sagt Hansen. „Jetzt habe ich die Chance mit Dänemark, das ist unglaublich.“ Der Rechtsaußen von den Recken steht im 14er-Kader, ist zweiter Mann hinter Lasse Svan von der SG Flensburg-Handewitt. 2022 wird Hansen in Flensburg Svan beerben. Jetzt wollen sie zusammen Gold gewinnen. Dänemark ist Titelverteidiger. Aber 2016 in Rio war Doppelweltmeister Hansen (27) noch nicht dabei.

Auch zuletzt bei der WM in Ägypten spielte er keine besondere Rolle, wurde für die K.-o.-Spiele sogar aussortiert. „Ich bin unglaublich stolz, dass ich jetzt dabei bin und auch die Chance habe zu spielen. Das habe ich nicht erwartet“, sagt Hansen, stockt – und fährt mit bewegter Stimme fort: „Ich bin wirklich berührt von der Situation.“ Mit seinem Team um Ex-Recken-Star Morten Olsen trifft Hansen am Samstag gleich auf Gastgeber Japan von Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Natürlich wollen wir wieder um Gold spielen, aber wir wissen auch: Ein schlechter Tag – und du bist raus“, sagt Hansen.

Jonathan Edvardsson: Vizeweltmeister Schweden ist bereits abgereist ins olympische Dorf. Der Recken-Neuzugang und Reservist Edvardsson bleibt im Trainingszentrum in Fukuoka, „das fühlt sich schon ein wenig speziell an, wenn du dich der Mannschaft nicht anschließt. Aber ich muss das Beste draus machen“, sagt der 23-jährige Spielmacher.


Und er ist ja nicht ganz allein: Tobias Thulin, neuer Torhüter des Bundesligisten TVB Stuttgart, leistet ihm Gesellschaft. Und hilft Edvardsson obendrein, sein schon ordentliches Deutsch noch zu verbessern. „Außerdem sind die Trainingsmöglichkeiten hier sehr gut“, sagt der Neu-Recke. Am 28. Juli reist er nach Tokio, wird in einem Hotel mit Thulin wohnen und sich bereithalten. Eines kann er in flüssigen Deutsch sagen: „Ich glaube an Schweden bei Olympia. Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen.“

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Marko Macan: Der Wasserballmeister von Waspo 98 ist einer der besten Verteidiger überhaupt. Weltmeister ist er obendrein mit den starken Kroaten, die in Japan als Goldaspirant gelten. In Rio gewann er Silber, der 27-Jährige ist in seiner Heimat ein Star. „Wir sind nicht der Topfavorit, aber eine Medaille wollen wir immer“, sagt Macan, der in Hannovers Nordstadt wohnt. Der Weg zu den Spielen war nicht leicht, und damit sind nicht die 28 Stunden Anreise gemeint.

Beim Qualifikationsturnier – die DSV-Auswahl verlor alle Partien – tat sich Kroatien schwer. Viel hätte nicht gefehlt, und Russland hätte die entscheidende Partie gewonnen. Erst in einem dramatischen Fünfmeterschießen setzte sich Kroatien durch – mit 14:13. Macan verwandelte ebenso zwei Versuche wie Waspos Ivan Nagaev für Russland. „Wir haben uns verbessert als Team, wir sind stärker als in den letzten Jahren, das macht Mut“, sagt Macan. Er hofft, die Spiele gehen gut über die Bühne und es „passiert mit Corona nichts Übles“. Dann ist Marko Macan zuversichtlich, „Waspo eine Medaille mitzubringen“.