02. August 2021 / 20:31 Uhr

Olympia-Gold und Tränen bei Reiterin Julia Krajewski: "Für Papa, der von oben zuguckt"

Olympia-Gold und Tränen bei Reiterin Julia Krajewski: "Für Papa, der von oben zuguckt"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Julia Krajewski sicherte sich mit einem fehlerlosen Ritt im Springen die erste Goldmedaille einer Frau in der Vielseitigkeit. 
Julia Krajewski sicherte sich mit einem fehlerlosen Ritt im Springen die erste Goldmedaille einer Frau in der Vielseitigkeit.  © IMAGO/Stefan Lafrentz/Agencia EFE (Montage)
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Die beste deutsche Reiterin Julia Krajewski machte den Misserfolg im Teamwettbewerb bei der Vielseitigkeit wett und sicherte sich die Goldmedaille. Mit Tränen in den Augen und nach schwierigen Jahren dachte sie nach dem Olympiasieg an einen ganz besonderen Menschen. 

Die Tränen kullerten Julia Krajewski über die Wangen. Als die Anspannung nach dem Gold-Coup bei Olympia entwichen war und die Freude die Reiterin übermannte, gab es kein Halten mehr. Auf dem Abreiteplatz und auch später bei der Siegerehrung hatte die 32-Jährige aus Warendorf am Montag in Tokio feuchte Augen. Die Medaille sei "ganz besonders für meinen Papa, der von oben zuguckt", sagte die unerwartete Siegerin in einem emotionalen Interview. Anfang des Jahres war ihr Vater gestorben, "der sich unwahrscheinlich freuen würde, das hier zu sehen".

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Als letzte Starterin der Vielseitigkeits-Konkurrenz hatte Krajewski zuvor in den Parcours reiten müssen, durfte sich keinen Abwurf mit ihrer Stute Amande leisten - und sie hielt diesem Druck stand, blieb ohne fallende Stangen und durfte nun als erste Frau im Pferdesport-Dreikampf Olympia-Gold feiern. "Das wusste ich tatsächlich gar nicht", gab Krajewski zu: "Aber das passt ja vielleicht ganz gut in die Zeit. Ich denke, es wurde mal Zeit."

Krajewski mit großem Lob aus dem eigenen Team

Sie habe "immer daran geglaubt", sagte die Reiterin. Aber: "Dass das jetzt mit der Gold-Medaille belohnt wird, kann ich noch gar nicht fassen." Es komme ihr nun vor wie "ein Märchen, wie so ein Happy-End in einem schlechten Film".

Lob gab es von Bundestrainer Hans Melzer. "Sie ist wirklich eine ganz würdige Olympiasiegerin. Das war reiterisch vom allerfeinsten", sagte er und schwärmte: "Sie hat es verdient. Sie war in allen drei Teil-Disziplinen überragend." Auch ihr Vorgänger sprach von ihr in den höchsten Tönen. "Das war wirklich bilderbuchmäßig", sagte Michael Jung, der 2012 in London und 2016 in Rio jeweils Gold gewonnen hatte und in Tokio nur Achter wurde. "Das hat sie wunderbar gemacht. Das war ein verdienter Sieg auf jeden Fall!" Und Equipechef Dennis Peiler meinte: «Das war fantastisch. Dieser Wettbewerb war eine Achterbahn der Gefühle - und am Ende hat Julia bewiesen, dass sie absolute Weltklasse ist."

In allen Disziplinen makellos

Dieses Gold ist auch für die Reiterin selber ein "Stoff, aus dem Filme gemacht sind". Denn Krajewski hatte zuletzt einige Jahre "mit persönlichen, traurigen Momenten, alles, was man an Auf und Ab erleben kann". In Tokio ging es jetzt nicht abwärts, sondern auf das oberste Treppchen. Sie gewann nach einem unbedeutendem Zeitfehler mit nur 26 Strafpunkten vor dem Briten Tom McEwen mit Toledo (29,30) und dem Australier Andrew Hoy mit Vassily (29,60).

Krajewski krönte eine Aufholjagd nach Platz vier in der Dressur und einem makellosen Geländeritt mit zwei fehlerfreien Runden im Springen. Sie sicherte Deutschland das vierte Einzel-Gold in Serie nach Hinrich Romeike 2008 sowie Michael Jung 2012 und 2016.


Krajewski hatte in den vergangenen Jahren einiges zu verkraften. Doch Melzer hatte ihr immer wieder Mut zugesprochen, wie er verriet: "Das habe ich ihr auch gesagt, irgendwann kommt der Tag, da stehst du auf dem Treppchen nach dem vielen Hin und Her der letzten Jahre."

Perfekter Abschluss nach komplizierten Jahren

Die Reiterin hatte tatsächlich sportlich wie privat einige Schläge zu verkraften, nicht nur den Tod des Vaters. 2016 schied Krajewski in Rio nach drei Verweigerungen im Gelände mit Samourai aus. 2017 wurde bei ihrem Pferd die im Wettkampf verbotene Substanz Firocoxib gefunden und EM-Silber aberkannt. 2019 musste sie Chipmunk abgeben, das Pferd kam zu Jung, der es nun bei den Spielen in Tokio ritt. Da auch ihr Samourai für Tokio ausfiel, setzte Krajewski notgedrungen auf Amande. "Sie reitet nicht nur hervorragend", lobte Peiler, sondern könne Pferde "auch als Ausbilderin an die Weltspitze führen."

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Die Olympischen Spiele in Tokio sind eröffnet. Der SPORTBUZZER zeigt die Show in der Bildergalerie. ©

Zuvor hatte Krajewski am Montagnachmittag mit der Mannschaft eine Medaille verpasst. Im abschließenden Springen verbesserte sich das Team aber immerhin noch vom sechsten auf den vierten Platz. Eine bessere Platzierung hatten Krajewski, Sandra Auffarth aus Ganderkesee mit Viamant und Jung mit Chipmunk in der Dressur und vor allem beim Geländeritt vergeben.

Bundestrainer Melzer hört auf

Für Melzer blieb der Abschied von Olympia ohne Team-Medaille. Der 70-Jährige aus Salzhausen beendet nach der Saison seine Tätigkeit als Bundestrainer und hatte sich bei den vorherigen Großveranstaltungen den Ruf als "Goldschmied" erarbeitet. Mit Melzer als Coach gab es Doppel-Gold bei den Spielen 2008 in Hongkong und 2012 in London sowie bei der Weltmeisterschaft 2014. Zuletzt in Rio hatte das Team von Melzer Olympia-Silber gewonnen und Jung dazu Einzel-Gold. "Wir haben uns natürlich im Team mehr erhofft", sagte der Coach. Aber "einen versöhnlicheren Abschluss konnte es eigentlich nicht geben für uns."

Jung ging dieses Mal komplett leer aus, wurde am Ende Achter. Im Springen zeigte der dreimalige Olympiasieger zunächst eine fehlerlose Leistung, kassierte in der zweiten Runde im Einzel aber einen Abwurf. "Das ist sehr ärgerlich", kommentierte er. "Letztendlich bin ich natürlich enttäuscht", gab er zu. "Aber wir haben einen deutschen Sieg. Darüber können wir glücklich sein."