29. Juli 2021 / 19:00 Uhr

Achter-Schlagmann Hannes Ocik über den Olympia-Druck, die Gold-Chance und Yoga

Achter-Schlagmann Hannes Ocik über den Olympia-Druck, die Gold-Chance und Yoga

Jens Kürbis
Lübecker Nachrichten
Der olympische Ruder-Achter mit Hannes Ocik gilt als Gold-Aspirant.
Der olympische Ruder-Achter mit Hannes Ocik gilt als Gold-Aspirant. © Getty Images
Anzeige

Am frühen Freitagmorgen deutscher Zeit geht der deutsche Ruder-Achter ins Wasser. Bei den Olympischen Spielen peilt die Gruppe um Schlagmann Hannes Ocik die Goldmedaille an. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über die Olympia-Vorbereitung, den eigenen Siegesdruck und die Ziellinie als "Erlösung".

Freitag, 3.25 Uhr, unserer Zeit im ZDF: Die olympische Ruderstrecke soll Schauplatz des goldenen Moments für den Deutschland-Achter werden. Der gebürtige Rostocker Hannes Ocik wird im Heck sitzen. Vor sich nur noch Steuermann Martin Sauer. Ocik, 30-jähriger Polizeimeister, gibt den Schlag vor. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), spricht er über die Gold-Chancen, Yoga und Olympia-Druck.

Anzeige

SPORTBUZZER: Herr Ocik, was macht Sie optimistisch, dass der Gold-Coup gelingt?

Hannes Ocik (30): Unsere gute Vorbereitung, gerade das Trainingslager in Österreich. 500 Kilometer in 16 Tagen auf dem Wasser, 25 Stunden Training die Woche, dazu haben wir im Kraftraum ordentlich Gewichte bewegt, plus Rennrad, Gymnastik und Yoga – alles bei hohen Temperaturen. Das war ein Trainingslager der Zerstörung, das uns gutgetan hat.

Yoga? Herabschauender Hund und Ruderrecken – wie passt das?

Das konnte sich bei uns anfangs auch keiner vorstellen. Doch Yoga fördert die Beweglichkeit, Regeneration und Entspannung, das sind wichtige Faktoren in der Olympiavorbereitung. Wir haben das ein- bis zweimal die Woche im Training eingebaut. Das hat auch echte Fortschritte auf dem Wasser gebracht.

Das Boot ist von außen eine gut geölte Maschine. Und von innen?


Ein organisches System, bei dem du alles spürst. Deshalb haben wir da mit Messtechnik durch das Berliner Institut FES vieles nachjustiert. Vor allem dahingehend, wie jeder Athlet im Boot sitzt, besonders im Winkel zum Wasser. Je geschlossener das System ist, um so mehr Ruhe ist im Boot.

Bei Olympia schaut ganz SportDeutschland auf den Achter. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Man verspürt schon, dass das mediale Interesse deutlich hochgefahren worden ist. Aber Druck machen wir uns selbst. Wenn du im Achter sitzt, hast du ihn automatisch. Du wächst damit am Stützpunkt in Dortmund auf. Da ist die „Wir-wollen-gewinnen-Mentalität“ gelebter Alltag.

Nehmen Sie uns mit auf die letzten Meter? Sind ihre Augen zu?

Nein, die Augen sind bei mir noch offen. Du spürst so eine Mischung aus Brennen und Taubheit. Man will jeden Schlag, jede Bewegung unterbrechen, dass es endlich aufhört. Die Ziellinie ist wie eine Erlösung. Ich hoffe, wir überqueren sie als Erste.