27. Juli 2021 / 11:07 Uhr

Verdrehte Welt im olympischen Schwimmbecken für Christian Diener

Verdrehte Welt im olympischen Schwimmbecken für Christian Diener

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Daumen hoch: Rückenschwimmer Christian Diener fühlt sich gut vorbereitet, um
 erneut das Olympiafinale über 200 Meter zu erreichen. 
Daumen hoch: Rückenschwimmer Christian Diener fühlt sich gut vorbereitet, um erneut das Olympiafinale über 200 Meter zu erreichen.  © imago images/camera4+
Anzeige

Aus Rücksicht auf das US-Fernsehen muss sich der Potsdamer Rückenspezialist an einen ungewohnten Ablauf anpassen. Angriffslustig geht er in sein 200-Meter-Rennen.

Macht und Geld diktieren Entscheidungen im Sport. Das gilt auch für die Olympischen Spiele. Und daher wird bei den derzeitigen Schwimmwettbewerben mal wieder das Programm so arrangiert, dass in den USA, wo einflussreiche Olympia-Financiers sitzen, die Medaillenrennen zur besten Fernsehsendezeit am Abend präsentiert werden können. Aufgrund der Zeitverschiebung bedeutet das einen ungewohnten Ablauf im Becken von Tokio: Die Vorläufe finden am Abend statt, die Finalblöcke am Vormittag, wenn der Körper laut Studien als noch nicht so leistungsfähig gilt. Christian Diener macht diese Verkehrung der Dinge zum ersten Mal mit. „Das wird sehr interessant”, sagt der Athlet des Potsdamer SV im OSC.

Anzeige

"Kann immer meine Leistung abrufen"

Am Mittwoch, 12.32 Uhr deutscher Zeit, tritt der 28-Jährige zu seinem Wettkampf an, den 200 Metern Rücken. Stufe eins erwartet er bereits enorm anspruchsvoll. „Im Vorlauf wurden hier abends bisher immer richtig schnelle Zeiten geschwommen, dafür am nächsten Morgen nicht so schnelle”, sagt Diener. Bis inklusive Dienstag waren tatsächlich 51 Prozent der Zeiten bei den Einzelrennen in den Vorläufen besser als dann in den Halbfinals beziehungsweise Finals. Im Vergleich zwischen Vorlauf und Halbfinale beziehungsweise Endlauf, wenn es keine Zwischenrunde gibt, liegt die Quote sogar bei 59 Prozent. Das Training an den veränderten Rhythmus angepasst hat Diener nicht, „weil ich immer meine Leistung abrufen kann”, wie er betont.

Mehr zu Olympia aus Brandenburger Sicht

Das hatte er 2016 in Rio bei seiner ersten Olympiateilnahme eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Damals steigerte der Brandenburger dreimal die persönliche Bestzeit. Am Ende gehörte er mit Platz sieben im Finale zu den wenigen Lichtblicken des deutschen Beckenschwimmteams. Und auch da hatte sich Diener an ungewöhnliche Wettkampfzeiten gewöhnen müssen, denn ebenfalls wegen des US-Fernsehens wurden die Vorläufe am Mittag und die Finals beziehungsweise Halbfinals erst nach 22 Uhr Ortszeit absolviert. Eine Nachtschicht im Wasser, die zuvor im Training testweise geübt worden war. 2008 in Peking wurden auch schon wie jetzt die Olympia-Endläufe in der Früh geschwommen. Diener nimmt es, wie es kommt.

Erneute Endlaufteilnahme als Ziel

Der elffache EM-Medaillengewinner sehnt seinem Rennen entgegen und fühlt sich sehr fit. Den letzten Feinschliff hatten sich Deutschlands Kachelzähler im japanischen Kumamoto, etwa 100 Flugminuten von Tokio entfernt, geholt. Dieners Heimtrainer Jörg Hoffmann war mit vor Ort. „Er hat mir Sicherheit und die beste Vorbereitung gegeben”, sagt der gebürtige Cottbuser. Vor den Weltmeisterschaften 2019 in Südkorea fand die unmittelbare Wettkampfvorbereitung auch in Kumamoto statt. Damals verzichtete Hoffmann auf die Begleitung und kündigte nach für Diener unbefriedigenden WM-Ergebnissen an, im Vorfeld der Spiele dann nicht von seiner Seite zu weichen.

Anzeige

Das sind Brandenburgs Olympia-Starter für Tokio 2021

27 Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sind für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Der SPORTBUZZER stellt sie alle vor. Zur Galerie
27 Sportlerinnen und Sportler aus Brandenburg sind für die Olympischen Spiele in Tokio nominiert. Der SPORTBUZZER stellt sie alle vor. ©

„Aber jetzt”, betont Diener, „liegt alles an mir.” Nach fünf Jahren soll endlich die Bestzeit aus dem Rio-Endlauf fallen. Schneller als jene 1:56,27 Minute wird es wohl sein müssen, um erst einmal die nächste Runde zu erreichen. Doch auch das Halbfinale soll nur eine Zwischenstation sein, Dieners erklärtes Ziel ist die erneute Endlaufteilnahme. Schafft er das, würde er durch den verdrehten Ablauf noch ein persönliches Novum erleben: Dann hätte sich der Wettkampf für ihn auf einer Strecke erstmalig über drei Kalendertage gezogen.

[Anzeige] Erlebe das Deutschland-Spiel gegen Costa Rica live und exklusiv bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.