12. Juli 2021 / 21:42 Uhr

„LE in Tokio“: Schwimmerin Marie Pietruschka – Eine sichere Bank für die Freistilstaffeln

„LE in Tokio“: Schwimmerin Marie Pietruschka – Eine sichere Bank für die Freistilstaffeln

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Das ist die deutsche 4x200-m-Freistilstaffel nach ihrem Vorlauf bei den Weltmeisterschaften 2019 im südkoreanischen Gwangju: Isabel Gose, Marie Pietruschka (2. von links), Annika Bruhn und Reva Foos.
Das ist die deutsche 4x200-m-Freistilstaffel nach ihrem Vorlauf bei den Weltmeisterschaften 2019 im südkoreanischen Gwangju: Isabel Gose, Marie Pietruschka (2. von links), Annika Bruhn und Reva Foos. © Bernd Thissen/dpa
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Vor fünf Jahren war Marie Pietruschka von einer Olympiateilnahme in Rio noch meilenweit weg. Doch die Schwimmerin vom Post SV Leipzig hat sich inzwischen in die nationale Spitze katapultiert. Die 26-Jährige ist eine sehr schnelle und zuverlässige Staffelschwimmerin geworden.

Leipzig. Als 2016 die Sommerspiele in Rio über die Bühne gingen, war Marie Pietruschka bereits 21 Jahre alt – von einer Olympiateilnahme aber meilenweit entfernt. Wer in dem Alter im Schwimmen den Durchbruch nicht geschafft hat, sollte nach Meinung vieler Experten ernsthaft über ein Karriereende nachdenken.

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Gut Ding braucht manchmal Weile

Zum Glück entschied sich die Leipziger SSG-Schwimmerin vom Post SV gegen den pauschalen Rat von Experten. „Ich war damals sehr verzweifelt und habe am Telefon viel geheult, wenn ich mit meinen Eltern gesprochen habe“, erzählt die aus Neubrandenburg stammende angehende Psychologin im Podcast ihrer Startgemeinschaft „SSGeht nach Tokio“.

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Was sie damals zum Weitermachen bewegte? „Vor allem das Gefühl, dass ich mehr kann als ich bislang gezeigt habe.“ Gut Ding braucht manchmal Weile. Mit Coach Frank Embacher und Trainingspartnern, die er von der Saale mit an die Pleiße brachte, kam 2017/18 der späte Durchbruch der früheren Brustspezialistin, die inzwischen ihre Liebe für die 200 m Freistil entdeckt hatte. EM 2018 in Glasgow, WM 2019 in Südkorea, dazu die Kurzbahn-WM in China – es scheint, als gehöre Marie Pietruschka ganz selbstverständlich zur DSV-Auswahl. Zumal sie sich bei allen Einsätzen als zuverlässige Staffelschwimmerin einen Namen gemacht hat.

Dennoch: Knapp war es immer, von einem Selbstläufer im Kampf um die Staffelplätze konnte nie die Rede sein. Die Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr setzte der Leipzigerin zu, hatte sie doch berufliche und private Pläne für die Zeit ab Herbst 2020. Doch sie blieb dem Wasser treu, biss die Zähne zusammen.

Marie will am Wettkampftag topfit sein

2021 glänzt die 26-Jährige mit noch mehr Qualität: Neben ihrer Schokoladendisziplin 200 Meter schaffte sie auch auf der halben Distanz den Sprung in die Olympiastaffel. Die Steigerung ist auf einen erneuten Tapetenwechsel zurückzuführen. Im Herbst 2020 verließ Marie Pietruschka Leipzig und ging zu Trainer Matthew Magee nach Neckarsulm. Ein schwerer Schlag auch für Frank Embacher, der die nicht immer pflegeleichte, aber stets top motivierte Athletin ja in die Spitze geführt hatte. Inzwischen haben alle Beteiligten ihren Frieden geschlossen, zumal Marie Pietruschka ihr Versprechen einhielt: Sie startet nach wie vor für die SSG Leipzig.

Eines stimmt sie für die Tokio-Staffeln besonders optimistisch: Die nervenaufreibenden internen Extra-Ausscheide von 2018/19 für die Staffel unter dem damaligen Bundestrainer Henning Lambertz gehören der Geschichte an. „Das war eine riesige psychische Belastung und hat die Stimmung im Team kaputtgemacht“, sagt Marie, die sich nun darauf konzentrieren kann, wirklich am Wettkampftag und nicht schon eine Woche vorher fit zu sein.


4x100 m Freistil: 24. Juli (14 Uhr/MESZ),
Finale 25. Juli (4.45 Uhr)

4x200 m Freistil: 28. Juli (14 Uhr),
Finale 29. Juli (5.30 Uhr)