26. Juli 2021 / 17:55 Uhr

Aufgewirbelt und abgeflaut: Gelbes Olympia-Erlebnis für Seglerin Weger

Aufgewirbelt und abgeflaut: Gelbes Olympia-Erlebnis für Seglerin Weger

Tobias Gutsche
Märkische Allgemeine Zeitung
Bei der dritten Wettfahrt am Montag fuhr die mittlerweile in Kiel lebende Svenja Weger mit dem gelben Trikot der Gesamtführenden. 
Bei der dritten Wettfahrt am Montag fuhr die mittlerweile in Kiel lebende Svenja Weger mit dem gelben Trikot der Gesamtführenden.  © Sailing Energy
Anzeige

Nach einem sensationellen Start in die Laser-Radial-Regatta ist die aus Brandenburg stammende Sportlerin aktuell Achte in der Gesamtwertung - zur Freude ihres Vereins, dessen Name irreführend ist.

Die bisher wichtigste Regatta für sie ist noch längst nicht beendet. Aber einen Höhepunkt in ihrer Karriere hat Svenja Weger bereits erreicht. Nach einem herausragenden Start bei den Olympischen Spielen am Sonntag war die Laser-Radial-Seglerin des Potsdamer Yacht Clubs tags darauf bei der dritten von zunächst zehn Wettfahrten als Spitzenreiterin im gelben Trikot angetreten. Ein Erlebnis, das ihr nie wieder jemand nehmen könne, wie Nadine Stegenwalner, die Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbands, betonte.

Anzeige

Potsdamer Yacht Club sitzt am Wannsee

Das kostbare Stück Stoff war sie dann doch aber recht schnell wieder los. Durch Rang 21 bei der dritten Fahrt fiel Weger im Gesamtklassement hinter die Norwegerin Line Flem Host zurück – und weil es bei der anschließenden Runde nur zum 29. Platz reichte, liegt die 27-Jährige jetzt vorerst auf Position acht. Also immer noch auf Kurs. Ein Top-10-Resultat hatte Weger im Vorfeld ihrer ersten Olympiateilnahme als Ziel formuliert.

Mehr zu Olympia in Tokio

Mit dem Dabei-sein allein sei jedoch schon ein Traum in Erfüllung gegangen, sagte die aus Brandenburg stammende Athletin. In Heidelberg geboren waren die Eltern mit ihr nach Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) gezogen, als sie fünf Jahre alt war. Schon ein Jahr danach wurde sie von einer Freundin zum Segeln beim Potsdamer Yacht Club animiert. Der Vereinsname zeugt aber mehr von den Wurzeln des Clubs statt seiner Triebe. 13 Jahre nach der Gründung 1891 zog der Verein auf der Suche nach einem eigenen Heimathafen an den Wannsee um, wo er bis heute beheimatet ist.

Überraschungscoup 2014 bei der EM

In Berlins „Badewanne” wurde Wegers Talent deutlich. „Sie ist sehr diszipliniert und fokussiert“, sagt PYC-Vorstandsmitglied Hartmut Papenthin. „Physisch gehört sie zu den absolut Besten.“ Seit 2012, nach dem erfolgreich abgelegten Abitur am Kleinmachnower Weinberg-Gymnasium, erhält sie den Schliff am Bundesstützpunkt in Kiel. Die Ein-Personen-Bootsklasse Laser Radial, eine 4,23 Meter lange Jolle mit 5,7 Quadratmetern Segelfläche, ist ihr Metier. 2013 holte die Sportsoldatin und Psychologiestudentin die Titel bei der Junioren-Welt- sowie -Europameisterschaft in Ungarn. Ihr bisher größter Erfolg gelang im Jahr darauf: Elite-EM-Gold in Kroatien.

Die Olympiaqualifikation für Rio 2016 verpasste sie allerdings. „Da war Svenja sehr niedergeschlagen, hatte viel infrage gestellt“, erinnert sich Papenthin. Doch der Verein glaubte an sein Eigengewächs. Wegen entstandener Förderlücken für sie sprang der Club bei der finanziellen Unterstützung ein. „Wir sind stolz, den Weg von Svenja von Anfang an mitgegangen zu sein.“ Bis jetzt, bis zum Status als Olympionikin. Auch wenn die Besuche der Wahl-Kielerin am Wannsee selten geworden sind, bestehe ein enger Kontakt, so das Vorstandsmitglied.

Es soll stürmischer werden

Schwierige Windverhältnisse mag Weger. Gerne rau, mit kräftigen Wellen – dabei kann sie ihre Physis ausspielen. Enoshima, rund 60 Kilometer südwestlich von Tokio gelegen, wo die Olympia-Regatta ausgetragen wird, ist für solche Bedingungen durchaus prädestiniert. Am Auftakttag war das aber kaum der Fall. „Svenja beherrscht jedoch auch den Leichtwind sehr gut“, sagt Papenthin. „Das hatte sie bei ihren Titelgewinnen 2013 und 2014 gezeigt und jetzt wieder bewiesen.“ Weger glänzte mit einem Sieg und einem fünften Platz. Durch clevere Renngestaltungen imponierte sie bei wechselhaften Windverhältnissen. Am Montag, es war böig und wieder drehend, kam sie hingegen nicht gut zurecht. Nach dem persönlich aufwirbelnden Start, der sie selbst „ein bisschen geschockt“ hatte, flaute das Hochgefühl etwas ab. „Es ging für sie sensationell los, dann durchwachsen weiter. Das macht bisher ein wirklich gutes Zwischenergebnis“, ordnet Papenthin ein. „Sie hat großes Potenzial.“


Diese Brandenburger holten Gold bei Olympia und Paralympics

Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  Zur Galerie
Krönung im Kajak-Vierer: Das deutsche Quartett mit Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke (v.l.) fuhr zum Olympiasieg.  ©

Für die 44 Laser-Radial-Boote stehen in der größten Segel-Flotte bei den Spielen in Japan am Dienstag, wenn es stürmischer zugehen soll, die nächsten beiden Wettfahrten auf dem Plan. Es folgen ein Ruhetag und nochmals vier Rennen an zwei Tagen. Die besten zehn Seglerinnen treten dann am Sonntag in der großen Medaillenentscheidung an. Svenja Weger möchte gerne dabei sein. Es wäre noch so ein unverkennbares Erlebnis für sie.