24. März 2020 / 17:25 Uhr

Kommentar zur Olympia-Verschiebung: Richtiger Schritt mit peinlichem Anlauf

Kommentar zur Olympia-Verschiebung: Richtiger Schritt mit peinlichem Anlauf

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Olympischen Spiele abzusagen ist richtig – nur leider kam der Schritt viel zu spät, mein <b>SPORT</b>BUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.
Die Olympischen Spiele abzusagen ist richtig – nur leider kam der Schritt viel zu spät, mein SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt. © Carl Court/Getty Images
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Das IOC hat sein Zeitspiel beendet und die Olympischen Spiele in Tokio aufgrund der Corona-Pandemie verschoben. Aber: Selten fiel Lob für eine richtige Entscheidung so schwer, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

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Endlich. Nach zahlreichen anderen Verbänden und Institutionen haben sich auch die Veranstalter der Olympischen Spiele in Tokio zum in diesen Tagen Alternativlosen durchgerungen. Die vom 24. Juli bis zum 9. August geplanten Wettkämpfe werden verlegt. Trotz dieser richtigen Entscheidung fällt es schwer, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und dessen Chef Thomas Bach für diesen Schritt zu loben. Zu lange wurde taktiert, auf Zeit gespielt und das Setzen des richtigen Zeichens verpasst.

Fast flapsig hatte Bach zwischenzeitlich erklärt, dass man die Sommerspiele "nicht wie ein Fußballspiel am Samstag" verschieben könne. Allein mit dieser Aussage hatte der IOC-Präsident bewiesen, dass ihm Augenmaß und Relationen abhandengekommen waren. Schließlich hatte die Uefa ihr organisatorisch kaum minder anspruchsvolles Vorzeige-Event zuvor bereits in den kommenden Sommer verlegt. Die Europameisterschaft wird in zwölf Städten ausgetragen. Der Verband verliert eigenen Angaben zufolge "Hunderte Millionen Euro".

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Auch am Sonntag verstanden sich IOC und Bach in der derzeit wegen der Corona-Pandemie lahmgelegten Sportwelt offenbar noch in einer Sonderrolle. Vier Wochen Zeit erbat man sich von der Öffentlichkeit, um über die Sommerspiele zu entscheiden – dabei verwies man auf all die Konsequenzen, die eine Absage nach sich ziehen würde. Auch, dass Sponsoren und TV-Partner in derartige Prozesse involviert seien, wurde explizit erwähnt. In einer Zeit, in der fast überall über weitaus grundsätzlichere Sorgen debattiert wird, wirkte ein derartiger Hinweis mindestens ungeschickt.

Olympischer Gedanke als moralische Stütze erst einmal untauglich

Am Dienstag kehrte nun Vernunft ein. Erst mal kein Olympia. Richtig so. In einer neuerlichen Erklärung hieß es auch, dass die "Olympischen Spiele von Tokio in diesen schwierigen Zeiten ein Leuchtfeuer der Hoffnung" sein sollen. Das olympische Feuer könne für die Welt "das Licht am Ende des Tunnels sein". Sehr viel Pathos, das man in schwierigen Zeiten trotzdem fast zu gern hinnehmen würde. Aber: Das lange Zögern von Bach und Co. haben den olympischen Gedanken als moralische Stütze erst einmal untauglich gemacht.

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