10. März 2022 / 16:23 Uhr

Olympia-Zweite John sucht neue Herausforderung im Tennis

Olympia-Zweite John sucht neue Herausforderung im Tennis

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Früher Siebenkämpferin, heute Tennisspielerin: Sabine John will sich bei den Deutschen Meisterschaften neu beweisen.
Früher Siebenkämpferin, heute Tennisspielerin: Sabine John erreichte bei den Deutschen Hallenmeisterschaften das Achtelfinale. © Foto: Gert Nitzsche
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Sabine John gehörte einst zu den besten Siebenkämpferinnen der Welt. Die in Zinnowitz lebende Silbermedaillengewinnerin von Seoul hat den Tennissport für sich entdeckt. Bei ihrer Meisterschafts-Premiere in Essen erreichte sie das Achtelfinale.

Ihre Olympia-Medaille stellt Sabine John weder in einer Vitrine zur Schau noch hängt sie dekorativ an der Wand ihres Wohnzimmers. „Ich habe sie irgendwo in einem Karton verstaut“, erzählt die in Zinnowitz lebende ehemalige Weltklasse-Mehrkämpferin. Nur auf Bitten ihrer Besucher holt sie die silberfarben glänzende Plakette hervor. „Ich zeige sie schon mit Stolz.“

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Bei Gold wäre die Euphorie ungleich größer. Doch der Traum vom Olympiasieg blieb unerfüllt.

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1980 verpasst Sabine John als Vierte die Qualifikation für die Sommerspiele. Christine Laser gehört zu jenem Trio, das sich für Moskau qualifiziert. Sie verletzt sich bei einem Vorbereitungswettkampf. Doch anstatt Sabine John den Startplatz zu überlassen, fliegt sie zu den Spielen und steigt nach der dritten Disziplin aus. Vier Jahre später stellt Sabine John einen Weltrekord auf, darf aber durch den Olympia-Boykott der DDR nicht in Los Angeles dabei sein. 1988 in Seoul wird die im sächsischen Döbeln geborene Sportlerin Zweite hinter Jacky Joyner-Kersee.

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Jahre später berichtet der einstige Doping-Papst Victor Conte, dass die Amerikanerin bei den Spielen positiv getestet, der Vorfall aber vertuscht worden sei. „Ich wurde betrogen“, sagt Sabine John, die als Achtjährige bei der BSG Motor Hartha mit der Leichtathletik begann.

Im September kehrt sie an die Wiege ihrer sportlichen Erfolge zurück. In Hartha wird eine Tartanbahn eingeweiht. Sabine John ist eingeladen. Sie wird einen Scheck für die Nachwuchsarbeit übergeben.

Ihre größten Erfolge feiert die 1,78 Meter große Athletin im Trikot des SC DHfK Leipzig. Bei der EM 1982 und ein Jahr später bei der WM muss sich Sabine John lediglich Ramona Neubert geschlagen geben. „Sie war einfach besser“, anerkennt die Europacup-Siegerin von 1985.

Nach ihrer aktiven Laufbahn gibt sie in Magdeburg ihre Erfahrungen als Trainerin weiter. 2001 zieht sie nach Zinnowitz. Die Diplom-Sportlehrerin arbeitet als Personaltrainerin und Maklerin.

„Leichtathletik war mein Leben“, sagt Sabine, die durch ihren Ex-Mann Andreas John – ehemaliger Top-Tennisspieler der DDR – einen neuen Sport für sich entdeckt hat. Tennis. „Ich habe mich beim ersten Mal gar nicht so dumm angestellt“, erzählt die inzwischen 64 Jahre alte Spielerin des TV Zinnowitz, die in ihrer Altersklasse auf Position 51 der deutschen Rangliste geführt wird.

Mitte März nimmt die Mutter einer erwachsenen Tochter und stolze Oma von zwei Enkelkindern zum ersten Mal an den Deutschen Hallenmeisterschaften in Essen teil. Dem 6:0, 6:4-Auftakterfolg über Sigrid Lohr (Lohausener Sport-Verein 1920) folgt eine 3:6, 6:1, 4:6-Niederlage gegen Jutta Brandtmann (TC Herford).

„Ein irres Spiel“, sagt die Usedomerin. Natürlich habe sie sich im ersten Moment geärgert, „weil ich dran war. Aber mir ist so viel gelungen und ich habe sehr viel positives Feedback erhalten. Das war eine tolle Erfahrung“, schwärmt sie. Die leidenschaftliche Doppelspielerin tritt zum Abschluss an der Seite von Monika Emmrich (TC Germania 1926) an. „Wir haben viel gelacht und Spaß gehabt“, berichtet Sabine John.

Ihre Fitness kommt Sabine John auf dem Tennisplatz zugute. „Aber Muskulatur und Knochen sind nicht mehr wie früher“, sagt sie. Ihr unbändiger Ehrgeiz ist geblieben.

Als Athletin habe sie sich öfter mit ihrem ehemaligen Trainer Jörg Graf hinsichtlich der Trainingsinhalte gestritten, erzählt Sabine John. Als sich die beiden unlängst wiedertrafen, habe ihr Coach von seinen Memoiren erzählt. Darin steht: „Wenn Sabine nicht diese ,kleine Zicke‘ gewesen wäre und hätte sie nicht permanent die Trainingsinhalte hinterfragt und diskutiert, wäre sie nie so erfolgreich gewesen.“

Der Leistungssport hat Sabine John geprägt. Sie ist kameradschaftlich, zuverlässig und hat gelernt, sich durchzusetzen. „Wenn du nicht alles gibst, kannst du nichts erreichen“, sagt die Frau, die sogar bei Olympischen Spielen den Sprung aufs Siegertreppchen geschafft hat.