30. September 2019 / 18:04 Uhr

Was läuft schief? Olympique Lyon vor dem Königsklassen-Auftritt bei RB Leipzig in der Krise

Was läuft schief? Olympique Lyon vor dem Königsklassen-Auftritt bei RB Leipzig in der Krise

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nicht nur Houssem Aouar (re.) gerät ins Straucheln: Für Olympique Lyon läuft es in dieser Saison alles andere als rund.
Nicht nur Houssem Aouar (re.) gerät ins Straucheln: Für Olympique Lyon läuft es in dieser Saison alles andere als rund. © dpa
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Seit 1995 ist Olympique Lyon permanent in europäischen Wettbewerben zu finden. Doch in dieser Saison droht RB Leipzigs Champions-League-Gegner das schlechteste Ergebnis seit 20 Jahren.

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Lyon. Nein, es kann weder an der Zeit noch an der Stunde gelegen haben, dass Olympique Lyon am Samstag um 13.30 Uhr am 8. Spieltag der ersten französischen Liga zum siebten Mal in Folge ein Pflichtspiel ohne Sieg beendete. Nein, es ging nicht darum, dem Champions-League-Teilnehmer vor dem Mittwoch-Spiel in Leipzig (21 Uhr) ein paar Stunden Verschnaufpause mehr zu gewähren (die „regulären“ Samstagspiele begannen um 20 Uhr). Nein, es ging darum, den chinesischen Markt mit einer Live-Übertragung zur Prime-Time in Asien zu erobern.

Dieses Vorhaben ist mit dem 0:1 gegen Nantes gründlich gescheitert. Zudem protestierten die Fans und provozierten den chinesischen Markt mit Tibet-Plakaten. Der letztjährige Vizemeister – derzeit nur Platz elf mit neun Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Paris Saint Germain – ist gewaltig ins Straucheln geraten. Und muss sich fragen, ob er derzeit nicht nur nicht auf dem asiatischen Markt besteht, sondern die Gruppenphase in Europa übersteht. Eine Niederlage bei RB ist für Lyon im Prinzip verboten.

Im Europapokal ist der 1950 gegründete Dauermeister des ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends (2002 bis 2008) seit 1995 permanent vertreten. Jean Michel Aulas (70), Präsident seit 1987, ist des vielen Redens und Kämpfens gegen die wechselseitig übermächtigen Gegner Girondins Bordeaux, Olympique Marseille und aktuell Paris St. Germain eigentlich müde. Aber jetzt muss er angesichts der Krise noch einmal ran.

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„Wo soll ich mich hinstellen?“

Aulas hat das Schicksal des Vereins in die Hände von zwei Brasilianern gelegt. Er hat den Brasilianer Juninho (44), der auch die französische Staatsangehörigkeit besitzt, zur Begeisterung der Fans zum Sportdirektor gemacht. Juninho hat von 2001 bis 2009 für Lyon exakt 100 Tore geschossen, war der Freistoßkönig par excellence – und traf nun auf seinen Landsmann Sylvinho. Der 45-Jährige wurde Ende Mai verpflichtet.

Beide sollten ein perfektes südamerikanisches Doppel in Frankreich werden, durch Beliebtheit und Erfahrung ein Gegengewicht zum Geld aus Katar (und damit dem übermächtigen Paris St. Germain) bilden. Aber Beliebtheit ist nicht alles. Im Fußball zählt immer noch auf dem Platz. Im Moment geht das Kalkül des sehr redseligen Patrons Aulas, der sich eigentlich zurückziehen und schweigen wollte, nicht auf.

Jetzt muss der eigentlich sehr, sehr schweigsame Juninho Rede und Antwort stehen. Wie schwer dies dem Sportdirektor fällt, ließ sich trefflich nach der Pleite gegen Nantes beobachten. Als er die Mixed Zone betrat – da, wo sich Bosse und Spieler einerseits und Journalisten andererseits, getrennt von Gittern, begegnen – fragte der Schweigende angesichts des Walds von Mikrofonen: „Wo soll ich mich hinstellen?“ In die Mitte natürlich, auch wenn ihm das sichtlich missfiel. Dann sagte er: „Ja, ich habe den Trainer ausgesucht. Aber das heißt nicht, dass ich mein Schicksal zu 100 Prozent mit ihm verbinde. Doch selbstverständlich stehe ich zu meiner Verantwortung.“ Kritiker legen ihm den Auftritt als maulfaul aus. Wirklich ganz das Gegenteil der erklärenden, referierenden, teils ironisch scherzenden Hasenhüttl, Rangnick und Nagelsmann, die für RB auf europäischer Bühne in den vergangenen Jahren eine gute Figur abgaben.

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„Philosophie dringt nicht zu 100 Prozent durch“

Geht es mit mehr oder weniger 100 Prozent noch rätselhafter? Schon gibt es Unkenrufe – zum Beispiel in der Sport-Tageszeitung L’Equipe – Aulas müsse zurück ans Ruder, weil er sich mit dem südamerikanischen Duo vergriffen habe und so das sinkende Schiff nicht verlassen dürfe. Immerhin endete Lyon in den letzten 20 Jahren am Saisonende nie schlechter als auf dem fünften Platz. Und jetzt? Das Ziel ist bedroht.

Im Moment tanzt der Trainer auf einem Drahtseil. Nach Leipzig steht am Sonntag das Derby mit dem Lokalrivalen St. Etienne (Abstiegsplatz, 50 Kilometer Luftlinie) auf dem Programm. Und dann? Wird der Verein erstmals in seiner Geschichte einen Trainer, der im Sommer verpflichtet wurde, noch während der laufenden Saison, wenn im Herbst die Blätter fallen, feuern? Eher unvorstellbar für einen Klub, der als einziger an der Börse notiert ist, der als einziger ein eigenes Stadion besitzt und der als einziger über eine äußerst erfolgreiche Frauen- und Jugendabteilung verfügt. Und dann sollen ausgerechnet die Männer versagen?

Unvorstellbar für Juninho: „Unsere Philosophie dringt nicht zu 100 Prozent durch. Aber das heißt nicht, dass ich hundert Prozent verändern werde.“ Ein (Achtungs-)Erfolg in Leipzig würde da schon einige Prozente CO2 verpuffen lassen – wohin auch immer.  Rainer Kalb

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