09. April 2020 / 08:55 Uhr

Olympia-Traum lebt: Eike Onnen wünscht sich versöhnlichen Karriereabschluss

Olympia-Traum lebt: Eike Onnen wünscht sich versöhnlichen Karriereabschluss

Carsten Schmidt
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Eike Onnen hofft, bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 noch einmal an den Start zu gehen.
Eike Onnen hofft, bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 noch einmal an den Start zu gehen. © Matthias Abromeit
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Natürlich stehen momentan andere Dinge im Vordergrund, Eike Onnen hat sich mit den Einschränkungen auch gut eingerichtet. Allerdings hat der 37-Jährige noch ein großes Ziel vor Augen: Der Hochspringer möchte 2021 bei Olympia in Tokio starten. Es wäre ein schöner Karriereabschluss.

Einen kleinen Wunsch hat Eike Onnen in Krisenzeiten. „Ich wünsche mir einen versöhnlichen Abschluss meiner Sportkarriere“, sagt der Hochspringer von Hannover 96. Onnen weiß natürlich, dass während der derzeitigen Covid-19-Pandemie andere Fragen im aktuellen Lebensfokus als der Leistungssport stehen. „Natürlich ist es wichtig, gesund zu bleiben. Ich mache mir auch Sorgen, mein Vater und meine Mutter sind schon älter als 60 Jahre und zählen damit auch zu der Gruppe, die eine Infektion besonders treffen kann“, erzählt er.

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Onnen gehört zu den Kaderathleten

Besuche im Elternhaus sind daher weitgehend tabu, auch wenn es von der eigenen Wohnung in der List nur ein Katzensprung bis nach Döhren ist. Immerhin: Mutter Astrid Fredebold-Onnen sieht er bei den eigenen Einheiten, sie ist seine Trainerin seit rund 20 Jahren.

Mit den Leistungssportlereinschränkungen hat sich der 37-Jährige, so gut es ging, eingerichtet. „Ich habe am Mittellandkanal trainiert oder in der Eilenriede“, sagt Onnen. Zu Hause machte er Kraftübungen ohne Hantel, seit Mittwoch darf er wieder den hannoverschen Olympiastützpunkt am Maschsee nutzen. Der Hochspringer gehört zu den neun niedersächsischen Bundeskader-Leichtathleten, die von der Lockerung profitieren, hilfreich ist das bei disziplinenspezifischen Übungen. „Ich habe seit zwei Monaten keine Hochsprungmatte mehr gesehen“, sagt Onnen.

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Nicht so wild? Wettkämpfe können nach Experteneinschätzung auch die Leichtathleten kaum Ende August bestreiten. In diesem Zeitraum (25. bis 30. August) läge die Europameisterschaft in Paris. „Ich hoffe, dass ich dabei bin, wenn der Wettkampf stattfindet“, sagt Onnen.

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Er braucht diesen Optimismus insbesondere für die eigene Zukunft. Sein Tokio-Traum lebt auch für 2021, es wäre der zweite Olympiastart nach Rio de Janeiro 2016. Es könnte ein emotionaler Höhepunkt werden, weil die jüngere Schwester Imke (25) ebenfalls eine heiße Olympiakandidatin ist – und er seine persönliche Fünf-Ringe-Story zum Happy End führen könnte, nachdem diese 2008 so unglücklich begonnen hatte: Onnen hatte sich im Jahr zuvor mit 2,34 Metern in die Weltspitze katapultiert und war mit Sprüngen über 2,30 Meter in Serie auf dem besten Weg zu einem starken Auftritt in Peking. Dann stoppte ihn einen Tag vor dem Abflug in den Fernen Osten eine Verletzung im Sprungfuß. „Vielleicht war ich zu ehrgeizig damals“, sagt er rückblickend.

 Eike Onnen und Aline Petry.
Eike Onnen und Aline Petry. © Tim Schaarschmidt

2,30 Meter sollen allerdings auch ein Dutzend Jahre später kein Hexenwerk für Onnen bleiben, der bei vier Welt-, drei Europameisterschaften und eben den Sommerspielen in Rio startete. „Meine Trainingswerte sind gut“, erzählt der EM-Dritte von 2016. Und selbst im Vorjahr war er noch zweitbester Deutscher, obwohl er nur einen Wettkampf bestritt und sich dann den Innenmeniskus riss. Deshalb blieb er zumindest für 2020 im Bundeskader und in der Sportförderung.

"Ich brauche Wettkämpfe"

Onnen weiß aber auch, dass Hochspringern mit Ende 30 nicht mehr allzu viel zugetraut wird. „Ich brauche in diesem Jahr Wettkämpfe, um zu zeigen, dass ich tatsächlich 2,30 Meter drauf habe.“ Anderenfalls wäre er den Kaderstatus los, ebenso die Sportförderung. Diese finanzielle Unterstützung ist aber für Topsportler wie Onnen unerlässlich, die einen professionellen Aufwand im Training betreiben, aber nicht den Lohn, die Prämien und Sponsoreneinnahmen wie die populären Fußballerkollegen erhalten. Auf dem Weg zum Happy End muss der Hochspringer noch diverse Hürden meistern.

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