20. Juli 2021 / 10:34 Uhr

Glutofen schreckt ihn nicht: Schomburg will bei Olympia-Premiere in die Top 10

Glutofen schreckt ihn nicht: Schomburg will bei Olympia-Premiere in die Top 10

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Jonas Schomburg hat keine Angst vor der in Tokio zu erwartenden Hitze.
Jonas Schomburg hat keine Angst vor der in Tokio zu erwartenden Hitze. © IMAGO/AFLOSPORT
Anzeige

Bei seiner Premiere bei den Olympischen Spielen erwartet Jonas Schomburg ein Glutofen, auch beim Schwimmen im Hafenbecken kann der Triathlet mit 30 bis 31 Grad rechnen. Angst hat der 27-Jährige aber weder vor diesen Bedingungen, noch vor der Konkurrenz. Er nimmt die Top 10 ins Visier.

Anzeige

Schneller, höher, heißer: Jonas Schomburg hat zuletzt extra an der Costa Brava geübt. Ein Hitzetrainingslager. Der zu erwartende Glutofen in Tokio kann den Mann von Waspo 98 nicht schrecken. „Ich habe keine Angst vor der Hitze und keine Angst vor großen Namen“, sagt der Triathlet. Bei seinen ersten Olympischen Spielen ist ein Platz unter den besten zehn das Ziel. Und in der Mixed-Staffel ist die Chance auf eine Medaille realistisch, glaubt der 27-Jährige.

Anzeige

Recht hektisch war es zuletzt in der spanischen Stadt Girona. Es gab einige Probleme mit der Lackierung des Rennrades. Werbung ist nicht erlaubt, dafür musste noch der Name drauf. Gerade noch rechtzeitig schickte Schomburg das rund 10 000 Euro teure Gefährt nach Japan. „Alles hat gut geklappt im fast letzten Moment, ich konnte es sogar noch einmal fahren“, sagt der Sportsoldat.

Mehr Berichte aus der Region

Der ehemalige Bokeloher hat in Spanien trainiert, wenn die Sonne am stärksten brannte. 13 Uhr, 33 Grad. Normalen Sportlern wird empfohlen, auf die Abend- oder frühen Morgenstunden auszuweichen. Schomburg hat es Freude gemacht: „Ich bin nicht müde. Im Grunde ist die gesamte Vorbereitung trotz Corona gut gewesen.“

Auf die wenigen Wettkämpfe hat Schomburg sozusagen mit speziellen Trainingseinheiten reagiert. Geschwommen ist er beispielsweise mit Vereinskamerad Sven Schwartz. „Er hat mir einige Tipps gegeben. Dass er die Spiele verpasst, ist echt bitter“, sagt Schomburg.

Medaillenchance in der Mixed-Staffel

Auch wenn die Wasserballer von Meister Waspo übten, hatte Schomburg meist eine Bahn für sich. „Es gab immer Platz und Unterstützung für mich, dafür bin ich dankbar.“ Waspo-Präsident Bernd Seidensticker ist begeistert von dem Athleten, der sich vor dem Abflug noch bei ihm verabschiedete: „Es ist unvorstellbar, was Jonas für ein Pensum abreißt, einfach ein Wahnsinn. Wir sind unglaublich stolz und hoffen auf die allererste olympische Medaille für unseren Verein.“

Die könnte es tatsächlich geben, Schomburg sieht eine reelle Chance in der Mixed-Staffel (31. Juli) mit dem Lehrter Justus Nieschlag sowie Laura Lindemann (24 Jahre/Potsdam) und Anabel Knoll (25/Nürnberg). „Das ist ein echt starkes Team, wir können gut vorne mitspielen“, betont Schomburg, der ein umweltbewusster Mensch ist. Fleisch isst der Ausdauersportler nur noch selten. Und es kommt sogar schon mal vor, dass er eine Einheit „Plogging“ einstreut. So nennt sich das, wenn Läufer den Müll an der Strecke auflesen. Im Einzel am 26. Juli eine Medaille einzusammeln, das wird „super schwer. Aber es ist möglich, wie beim Testwettkampf in Tokio unter die besten zehn zu kommen“, sagt Schomburg.

Mehr Berichte aus der Region

Egal, wie es kommt, er wird attackieren, wenn es sich ergibt. „Ich plane die Angriffe nicht, aber ich ziehe es vor, das Rennen zu bestimmen“, sagt Schomburg. Erst geht es in die Badewanne von Tokio. Das Hafenbecken hat 30 bis 31 Grad. „Dafür ist die Wasserqualität sehr gut“, sagt Schomburg. Anschließend auf dem Rad ist er ohnehin stark, und das Laufen hat Schomburg deutlich verbessert. „Ich bin mit allen drei Dingen richtig happy.“

Glücklich ist der Weltranglistensiebte zudem mit der Französin Emilie Morier, sie ist U23-Weltmeisterin und startet ebenfalls in Tokio. Schomburg verbringt viel Zeit in Frankreich, wo er sich einer starken Trainingsgruppe angeschlossen hat. Beide sehen sich oft. In Tokio wird es wegen der strengen Corona-Regeln aber keinen Kontakt zu seiner Freundin geben. Auch das Feiern dürfte schwer werden.

Seidensticker verspricht Abhilfe: „Wenn Jonas tatsächlich mit einer Medaille zurückkehren sollte, dann zeigen wir ihm, wie bei Waspo Party gemacht wird. Dafür wird er dann all seine Kondition brauchen.“