21. November 2022 / 13:27 Uhr

Ursprung, Bedeutung, Reaktionen und Co.: Fragen und Antworten zum Verbot der One-Love-Kapitänsbinde

Ursprung, Bedeutung, Reaktionen und Co.: Fragen und Antworten zum Verbot der One-Love-Kapitänsbinde

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Die One Love-Kapitänsbinde wird in Katar nicht zu sehen sein.
Die One Love-Kapitänsbinde wird in Katar nicht zu sehen sein. © IMAGO/Pro Shots
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Die FIFA sorgt mit dem Verbot der One-Love-Kapitänsbinde bei der WM in Katar für Ärger. Wegen angedrohter Sanktionen verzichten die beteiligten Länder auf die Botschaft am Arm. Doch was steckt eigentlich hinter der Aktion und wer reagiert nun wie? Der SPORTBUZZER beantwortet die Fragen zur One-Love-Kapitänsbinde.

Das Verbot der One-Love-Kapitänsbinde bestimmt am zweiten Turnier-Tag die Schlagzeilen bei der Weltmeisterschaft in Katar. Lange Zeit hielten die WM-Teilnehmer Deutschland, England und Co. an ihrem Plan fest, mit dem Accessoire für Diversität und Tolerenz zu werben - doch nach der umstrittenen Entscheidung der FIFA gab es den Rückzug. In Katar wird die One-Love-Kapitänsbinde nicht zu sehen sein. Doch woher stammt diese Kampagne eigentlich? Welche Botschaft sollte damit gesendet werden? Und wie fallen die Reaktionen auf den FIFA-Entschluss aus? Der SPORTBUZZER, das Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland, stellt beantwortet die wichtigsten Fragen.

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One-Love-Binde: Was ist das?

Die Botschaft der One-Love-Kapitänsbinde richtet sich gegen jede Form von Diskriminierung. Sie wendet sich gegen die Ausgrenzung von LGBTQ+* Menschen, aber auch gegen Rassismus und Antisemitismus. Die Farbgebung symbolisiert dies. Rot, Schwarz und Grün finden sich in der Panafrikanischen Flagge - Pink, Gelb und Blau symbolisieren die Pansexual Flagge.

*LGBT ist die englische Abkürzung für lesbisch, schwul, bisexuell und Transgender. Oft werden zur Inklusion weiterer Geschlechtsidentitäten auch die Varianten LGBTQ, LGBTQI oder LGBTQIA+ verwendet. Jeder Buchstabe steht für die eigene Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung.

Welche Länder beteiligen sich an der Aktion?

Die "One Love"-Kampagne ist eine gemeinsame Aktion der Teams aus Deutschland, England, den Niederlanden, Belgien, Schweiz, Wales, Frankreich, Dänemark sowie Norwegen und Schweden, die beide nicht für die WM qualifiziert sind. In den Nations-League-Partien sowie Testspielen vor dem WM wurde die Kapitänsbinde bereits von den Nationen getragen. Die Idee dazu entstand innerhalb der UEFA Working Group.

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Warum tragen die Nationen die One-Love-Binde bei der WM nicht?

Aus Angst vor einer Strafe, die Auswirkungen auf das Turnier haben könnte. Die FIFA drohte den Verbänden damit, dass die Kapitäne beim Tragen der One-Love-Binde eine Gelbe Karte erhalten würden. Nach zwei Verwarnungen wäre man für ein Spiel gesperrt - erst nach dem Viertelfinale werden alle einzelnen Gelben Karten gestrichen. Der Grund hier: Spieler sollen wegen einer Gelb-Sperre das WM-Finale nicht verpassen.

Was sagt die FIFA zum Verbot der One-Love-Binde?

Der Weltverband FIFA hat das Verbot der One-Love-Kapitänsbinde mit den von allen Teilnehmern anerkannten WM-Regularien begründet. Explizit hob der Verband in einer Mitteilung vom Montag den Artikel 13.8.1 der Ausrüstungsregeln hervor: "Für FIFA-Finalwettbewerbe muss der Kapitän jeder Mannschaft eine von der FIFA gestellte Armbinde tragen." Die FIFA unterstütze Kampagnen wie "One Love", aber dies müsse im Rahmen der allen bekannten Regeln erfolgen.

Wie reagiert der DFB auf das Verbot der One-Love-Binde?

DFB-Präsident Bernd Neuendorf sprach von einem "beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte". Weiter sagte der 61 Jahre alte Funktionär: "Die von der FIFA herbeigeführte Konfrontation werden wir nicht auf dem Rücken von Manuel Neuer austragen."

Was schreibt die UEFA-Arbeitsgruppe zur FIFA-Entscheidung?

Die beteiligten Verbände der UEFA-Arbeitsgruppe gaben eine gemeinsame Stellungnahme ab. Darin heißt es unter anderem, dass man "unsere Spieler" nicht in eine Situation bringen wolle, in der sie "mit sportlichen Sanktionen, wozu auch Verwarnungen gehören, rechnen müssen". Man sei bereit gewesen, Geldstrafen für das Tragen der One-Love-Binde zu zahlen. Doch man wolle "unsere Spieler nicht in die Situation bringen, dass sie verwarnt oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen".

Die UEFA-Arbeitsgruppe zeigte sich in der Stellungnahme weiter "sehr frustriert" über die Entscheidung des Weltverbandes und meinte: "Wir haben die FIFA im September schriftlich über unseren Wunsch informiert, dass wir die One-Love-Armbinde tragen wollen, um die Inklusion im Fußball aktiv zu unterstützen, und haben keine Antwort erhalten. Unsere Spieler und Trainer sind enttäuscht, sie sind starke Befürworter von Inklusion und werden ihre Unterstützung auf andere Weise zeigen."

Was sagt Human Rights Watch?

Human Rights Watch hat mit klaren Worten auf den Druck des Weltverbands reagiert. "Dieser Fall macht doch deutlich, dass es der FIFA nicht um den Fußball und die Spieler geht. Das ist Verrat am Sport", sagt Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor der Menschenrechtsorganisation, dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Das zeigt, wie die Nationalmannschaften vor der Allmacht der FIFA einknicken und alle Werte über Bord werfen müssen – es sei denn, sie nutzen nun noch andere Mittel des Protests", sagt Michalski und fügt an: "Die FIFA kann machen, was sie möchte. Gianni Infantino kann unwidersprochen tun, was er will. Das hat nichts mit Meinungsvielfalt und anderen Werten zu tun."


Wie fällt die Reaktion der Fan-Organisation aus?

Die Fan-Organisation Football Supporters' Association (FSA) hat die FIFA im Streit um die One-Love-Kapitänsbinde scharf kritisiert. "Heute werden sich LGBT+-Fußballfans und ihre Verbündeten wütend fühlen. Heute fühlen wir uns verraten", schrieb die FSA in einem Statement, das am Montag auf Twitter gestellt wurde: "Heute empfinden wir Verachtung für eine Organisation, die ihre wahren Werte unter Beweis gestellt hat, indem sie den Spielern die gelbe Karte und der Toleranz die rote Karte gezeigt hat."

Welche Kapitänsbinde tragen Neuer und Co. jetzt?

Als Folge des One-Love-Verbots könnten die Spielführer um Deutschlands Kapitän Manuel Neuer und Co. nun mit vom Weltverband bereitgestellten Armbinden auflaufen. Diese sollen an jedem Spieltag eine andere Antidiskriminierungs-Botschaft verbreiten. Der erste Spieltag steht unter dem Motto "Fußball verbindet die Welt". Die FIFA habe dafür extra die No-Discrimination-Kampagne vom geplanten Viertelfinale vorgezogen, "damit alle 32 Spielführer die Möglichkeit haben, diese Armbinde während der WM zu tragen". Die FIFA stellte am Samstag mehrere eigene Optionen für Spielführerbinden vor, zum Beispiel mit Slogans wie „#SaveThePlanet“ oder #NoDiscrimination“.

Frankreichs Kapitän und Torhüter Hugo Lloris wollte zuletzt in der Diskussion um seinen Verzicht auf das Tragen der "One-Love“-Kapitänsbinde offenbar für keinen weiteren Eskalationsstoff sorgen. Nachdem er seinen Verzicht auf die mehrfarbige Binde schon vor dem offiziellen Rückzug aller Konkurrenten öffentlich gemacht hatte, wich Lloris am Montag einer Nachfrage danach aus. "Die FIFA organisiert den Wettbewerb, definiert einen Rahmen und Regeln. Wir Spieler sind gefordert, Fußball zu spielen und unsere Länder so gut wie möglich zu vertreten, sagte der 35-Jährige nur. Grundsätzlich erklärte der Torhüter von Tottenham Hotspur, es gebe "verschiedene gute Zwecke, die es verdienen, unterstützt zu werden. Aber ich ziehe es vor, mich auf meinen Rahmen als Spieler zu beschränken."

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