04. Juni 2020 / 16:18 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog: Andre Becker kein Thema mehr bei Holstein Kiel

Opa - Der Holstein-Blog: Andre Becker kein Thema mehr bei Holstein Kiel

Andreas Geidel
Holstein-Experte Andreas Geidel (li.) im Gespräch mit KSV-Sportchef Uwe Stöver.
Holstein-Experte Andreas Geidel (li.) im Gespräch mit KSV-Sportchef Uwe Stöver. © Andrè Haase
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Serra? Lee? Özcan? Iyoha? Lauberbach? Girth? Hanslik? Störche-Sportchef Uwe Stöver (53) spricht im KN-Sportbuzzer-Interview über die aktuellen Personalplanungen in der Corona-Krise beim Fußball-Zweitligisten.

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KN-Sportbuzzer: Herr Stöver, zu Beginn der Corona-Krise haben Sie gesagt, der Ball ruhe zwar, die Kaderplanung für die kommende Saison müsse aber weitergehen. Sie haben mittlerweile mit Johannes van den Bergh und Alexander Mühling die Verträge verlängert. Gibt es Neuigkeiten in Sachen externe Verpflichtungen? Zuletzt bereicherten die Namen des Torjägers Andre Becker vom Südwest-Regionalligisten FC Astoria Walldorf und des Abwehrspielers Marco Kommenda vom Drittligisten SV Meppen die Gerüchteküche.

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Uwe Stöver: Grundsätzlich kann ich sagen: Wir haben die Füße nicht stillgehalten, sondern waren und sind in der Personalplanung aktiv. Ja, es ist richtig, dass wir uns mit dem Spieler Andre Becker nicht nur intensiv beschäftigt haben, sondern grundsätzliches Interesse an einer Verpflichtung hatten. Aber am Ende waren unsere Vorstellungen und die des Spielers trotz guter Gespräche zu unterschiedlich. Ansonsten beziehen wir – wie üblich – zu Gerüchten keine Stellung. Wenn es etwas zu vermelden gibt, sind wir die ersten, die damit an die Öffentlichkeit gehen.

Was ist mit den an den VfL Osnabrück beziehungsweise an Hansa Rostock ausgeliehenen Stürmern Benjamin Girth und Daniel Hanslik?



Bei diesen beiden Personalien zählen für uns die Fakten. Stand heute stehen die beiden nach dem Ende der Ausleihe ab dem 1. Juli wieder in Diensten der KSV Holstein. Es sei denn, die Saison in der Zweiten oder Dritten Liga geht über den 30. Juni hinaus, dann verlängert sich die Leihe bis zum letzten auszutragenden Spieltag.

Holstein Kiel: Die Saison 2019/20 in Bildern

1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Kommen wir zum eigenen Personal zurück. Dominik Schmidts auslaufender Kontrakt wird nicht verlängert. Wie sieht es bei Young-Jae Seo aus? Angeblich liebäugelt der Linksverteidiger mit einer Rückkehr in seine südkoreanische Heimat. Auch, um dort seiner Militärdienst-Verpflichtung nachzukommen.

Wir haben Gespräche mit dem Spieler und dessen Berater geführt. Ob er auch in der nächsten Saison bei uns ist oder nicht, das gilt es zum jetzigen Zeitpunkt abzuwarten.

Wie steht es aktuell mit den Leihkräften? Spielen Salim Khelifi, FC Zürich, und Darko Todorovic, RB Salzburg, in den Planungen noch eine Rolle? Bestehen auf der Gegenseite realistische Chancen, die Leistungsträger Salih Özcan, dessen Rückkehr zum 1. FC Köln laut „kicker“ beschlossene Sache ist, und Emmanuel Iyoha, Fortuna Düsseldorf, weiter an die Störche zu binden?

Mit Salim Khelifi und Darko Todorovic haben wir gesprochen. Die Leihverträge laufen am 30. Juni aus und beide kehren zu ihren Stammvereinen zurück. Wir haben jedoch jeweils eine Anfrage gestartet für den Fall der Fälle, sollte die Saison über den 30. Juni hinaus gehen. Auch bei Salih Özcan und Emmanuel Iyoha, deren Verträge faktisch ebenfalls am 30. Juni enden, haben wir in alle Richtungen Gespräche geführt. Mehr gibt es da zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu sagen.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Torhüter Bernd Schipmann wechselte im Sommer 2015 von der U23-Mannschaft des FC Schalke 04 zu Holstein Kiel. 2018 verschlug es Schipmann dann in die Oberliga Westfalen zu Rot Weiss Ahlen, mit denen er in die Regionalliga West aufgestiegen ist. Zur Galerie
Torhüter Bernd Schipmann wechselte im Sommer 2015 von der U23-Mannschaft des FC Schalke 04 zu Holstein Kiel. 2018 verschlug es Schipmann dann in die Oberliga Westfalen zu Rot Weiss Ahlen, mit denen er in die Regionalliga West aufgestiegen ist. ©

Gleich zwölf Arbeitspapiere sind bis zum 30. Juni 2021 datiert. Darunter die der Top-Spieler Janni Serra und Jae-Sung Lee. Aber auch Stefan Thesker, Jannik Dehm und Finn Porath zählen zu dieser Gruppe. Wie ist die grundsätzliche Haltung des Klubs: Bei entsprechender Ablöse in der anstehenden Transferperiode verkaufen, um dadurch Einnahmen zu generieren? Oder gibt es Überlegungen, die Verträge vorzeitig zu verlängern – beziehungsweise auf Einhaltung der Kontrakte zu pochen und somit das wirtschaftliche Risiko einzugehen, am Ende der kommenden Spielzeit finanziell mit leeren Händen dazustehen?

Sie können davon ausgehen, dass wir die Vertragslaufzeiten sowie mögliche Anschlussverträge im Auge haben. Dass wir mit den Spielern, mit denen wir zufrieden sind, rechtzeitig sprechen werden, ist selbstredend. Zu welchem Ergebnis das im Einzelfall führt, gilt es abzuwarten.

Gehen wir in zwei Fällen ins Detail. Torjäger Janni Serra wird laut „Sport-Bild“ und „transfermarkt.de“ als potenzieller Nachfolger von Luca Waldschmidt beim SC Freiburg gehandelt. Jae-Sung Lee soll nach Informationen des „Sportbuzzer“ und des Internet-Portals „goal.com“ ein Angebot zur Vertragsverlängerung bei den Störchen ausgeschlagen haben und auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber sein. Was ist dran an diesen Gerüchten? Und wo liegt mit Blick auf die Höhe der Ablösesumme die Schmerzgrenze der KSV Holstein?

Dass Janni Serra und Jae-Sung Lee sportlich für Aufsehen gesorgt haben, ist unbestritten. Damit haben sie natürlich auch Begehrlichkeiten bei anderen Klubs geweckt. Ich bitte um Verständnis, aber auch hier zählen grundsätzlich immer nur die Fakten. Beide Spieler haben bei uns einen gültigen Arbeitsvertrag bis zum 30. Juni 2021. Ich habe bis jetzt weder für Serra noch für Lee eine Anfrage vorliegen. An den Spekulationen über die Höhe möglicher Ablösesummen möchte ich mich nicht beteiligen.

Gibt es einen neuen Stand zu den anhaltenden Spekulationen um einen Wechsel von Lion Lauberbach zum FC Bayern II? Ende April hatte die Münchner „tz“ gemeldet, der deutsche Rekordmeister bereite ein Angebot in Höhe von 1,5 bis zwei Millionen Euro vor, um den 22-jährigen Angreifer aus seinem bis 2022 datierten Kontrakt herauszukaufen.

Lion steht bei uns bis zum 30. Juni 2022 unter Vertrag. Wir sind mit seiner Entwicklung bei uns zufrieden und freuen uns, dass Lion bei seinen Kurzeinsätzen in den vergangenen Spielen ein Tor erzielen und einen Scorerpunkt verbuchen konnte. Ich habe – Stand heute – bezogen auf die anstehende Transferperiode weder mit einem anderen Klub gesprochen, noch liegt mir ein schriftliches Angebot vor.

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Noch einmal zurück zum groben Raster der Personalplanung. In den vergangenen beiden Jahren lag der Fokus speziell auf jungen, entwicklungsfähigen Spielern. Dazu hat sich Holstein einen guten Ruf in Liga eins erworben, Talente auf Leihbasis zu verpflichten, denen der Durchbruch in der Bundesliga aus verschiedenen Gründen noch nicht vollumfänglich gelungen war. Bleibt es bei dieser Personal-Politik?

Letztlich müssen wir immer die Situation und die Position des Spielers betrachten, die es zu ersetzen gilt. Geht es eher um eine Einwechsel- oder Stammkraft oder sogar einen potenziellen Leistungsträger? Dabei spielt das Alter keine entscheidende Rolle. Es wird auch künftig einen Mix aus allen Altersklassen geben, sofern es der Markt hergibt. Der Status, den sich Holstein erarbeitet hat, ist immer ein Argument in den Gesprächen mit Vereinen und Spielern. Alle wissen spätestens seit Benes, Okugawa oder auch Özcan, dass es hier bei uns möglich ist, das nächste Level zu erreichen. Deshalb wird es immer Bestandteil unserer Überlegungen sein, junge Spieler aus unteren Ligen zu verpflichten oder aus höheren Ligen gegebenenfalls auszuleihen. Wir müssen aber in der Corona-Zeit die unterschiedlichen Szenarien sportlich wie wirtschaftlich in unsere Planungen einfließen lassen: Geht die Saison wie geplant zu Ende? Spielen wir künftig vor Zuschauern? Wie entwickelt sich durch die Krise der Transfermarkt?

Inwieweit bestimmen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise die Handlungsfähigkeit der Störche auf dem Transfermarkt? Plakativ formuliert: defensiver Sparkurs, kontrollierte Offensive oder Vollgas-Angriff?

Wir werden uns in einem mir vorgegebenen Rahmen bewegen. Aber wenn es der Markt hergibt, sind wir bereit, bei Transfergeschäften in ein überschaubares Risiko zu gehen. Das Wichtigste aber ist zunächst einmal der Liga-Erhalt. Man sollte sich zu keinem Zeitpunkt zu sicher fühlen. Auch mit 38 Punkten nach 29 Spieltagen nicht. Erzgebirge Aue hatte in der Saison 2017/18 zum gleichen Zeitpunkt als Tabellenachter sogar noch einen Zähler mehr auf dem Konto und musste am Ende mit 40 Zählern in die Relegation. Und ich habe als Sportlicher Leiter beim FSV Frankfurt selbst erlebt, was für seltsame Dinge am Ende einer Saison passieren können. Der FSV hatte in der Saison 2014/15 am 26. Spieltag zwölf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Stürzte aber nach einer sportlichen Talfahrt genau auf diesen am vorletzten Spieltag ab. Und man konnte sich nur mit einem 3:2 in Düsseldorf am letzten Spieltag retten.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!