07. April 2021 / 23:21 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog: Hat sich Holstein Kiel im Sturm „verspart“?

Opa - Der Holstein-Blog: Hat sich Holstein Kiel im Sturm „verspart“?

Andreas Geidel
Musste zuletzt zwei empfindliche Niederlagen hinnehmen: KSV-Chefcoach Ole Werner.
Musste zuletzt zwei empfindliche Niederlagen hinnehmen: KSV-Chefcoach Ole Werner. © © Revierfoto
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Fußball-Zweitligist Holstein Kiel befindet sich in einer veritablen Ergebniskrise. Drei Spiele ohne Sieg, erstmals in dieser Saison gab's zwei Niederlagen am Stück – der Trend lässt die Hoffnungen für den Endspurt des Bundesliga-Aufstiegsrennen sinken. Ein maßgeblicher Grund: die derzeit schwächelnde Offensive.

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Nach dem 1:2 beim Spitzenreiter VfL Bochum und dem 0:1 in Heidenheim nur drei Tage später am Dienstagabend formieren sich die Kritiker. Auf der schwäbischen Ostalb blieben die Störche erst zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem 0:0 von Braunschweig am zweiten Spieltag ohne eigenen Treffer.

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In den jüngsten sechs Partien gab's nur fünf Kieler Tore. Drei durch jeweils von Alexander Mühling verwandelte Elfmeter und eines beim 1:1 gegen den HSV durch einen Kopfball von Jae-Sung Lee nach Eckball. Lediglich der Führungstreffer von Joshua Mees beim 1:2 in Fürth entsprang einer Kombination aus dem Spiel heraus.

Auch in Heidenheim ließen die Nordlichter die letzte Konsequenz vor dem gegnerischen Gehäuse vermissen, fehlte die absolute Tor-Gier, die finale Präzision beim Zuspiel, beim Torschuss oder bei den Flanken. Lag's wirklich nur daran, dass der etatmäßige Mittelstürmer Janni Serra aufgrund einer Kniereizung (so die offizielle Diagnose des Klubs) zum Zuschauen verurteilt war?

Die Antwort lautet Jein! Denn schon vor der 26-tägigen Corona- und Länderspielpause hakte es in der Kieler Offensive - und das mit dem 23-jährigen Klassestürmer auf dem Feld. An der Qualität Serras als vorderster Anläufer, als zentrale Anspielstation und als Vollender bestehen zwar keine Zweifel. Doch er alleine kann es auch nicht richten.

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Auch deshalb ist die in den Foren in den Raum gestellte Vermutung, die KSV Holstein habe sich in der Winter-Transferperiode „verspart“, weil sie keinen adäquaten Ersatz für den Fall des Serra-Ausfalls verpflichtet habe, unzulässig. Sportchef Uwe Stöver als federführender Personalplaner ist vielmehr schon vor dieser Saison ins wirtschaftliche Risiko gegangen.

Wegen fehlender Zuschauereinnahmen in Corona-Zeiten und zeitgleich steigender Kosten durch immer intensivere Hygiene-Maßnahmen musste der Etat um zwei Millionen Euro abgespeckt werden. Dennoch verzichteten die Störche zwecks Sicherung der sportlichen Perspektive auf den millionenträchtigen Verkauf von Unterschiedspieler Jae-Sung Lee, der nun nach dem 30. Juni ablösefrei den Verein wechseln kann.

Anders die Situation beispielsweise in Heidenheim. Dort wurden der Top-Knipser und Holstein-Bezwinger Tim Kleindienst (25) im vergangenen Sommer wie auch Mittelfeld-Motor Niklas Dorsch (23) für jeweils 3,5 Millionen Euro zum KAA Gent transferiert. Um dann im Winter den in Belgien eher erfolglosen Kleindienst per Leihgeschäft zurückzuholen. Ein Klasse-Deal: acht Tore in acht Spielen im Trikot des FCH sprechen für sich.

In Kiel – wie übrigens auch in Heidenheim – bestimmt wirtschaftliche Vernunft das Handeln. Und noch hat der KSV-Kader – ob nun mit oder ohne Serra – bei noch acht ausstehenden Partien die Möglichkeit, bis zum Ende des Spieljahres um die Aufstiegsplätze mitzumischen. Wenn die Störche denn zu alter Form und Torgefahr zurückfinden.

Akteure aus der zweiten Reihe wie Benjamin Girth oder auch Ahmet Arslan und Eigengewächs Noah Awuku, der in Heidenheim erstmals nach seinem Achillessehnenriss auf der Bank saß, müssen in die Bresche springen, wenn sich vermeintliche Stammkräfte in einem Leistungstief befinden.

Sie können ohne Druck ihr Können beweisen. Denn ein Zwang zum Erstliga-Aufstieg bestand im Nest der Störche zu keinem Zeitpunkt – und besteht auch heute nicht.

Vielleicht aber genügt die Qualität des Personals im Gesamtpaket einfach auch nicht den Anforderungen im Aufstiegskampf. Diese Erkenntnis final konstatieren zu müssen, wäre nach dem bislang so formidablen Spieljahr inklusive des Erreichens des DFB-Pokal-Halbfinales und des Jahrhundert-Triumphes gegen den FC Bayern ärgerlich, aber beileibe kein Weltuntergang.

Und wer weiß, möglicherweise greift ja sogar der HSV den Störchen in der kommenden Transferperiode finanziell unter die Arme. Laut einer Meldung von sport.de müssen die Rothosen im Sommer bei einer Rückkehr in Liga eins 500.000 Euro an Holstein Kiel überweisen. Eine Summe, die beim Abgang von Ex-Störche-Sportchef Ralf Becker in Richtung Volkspark im Sommer 2018 als Teil der Ablöse für den Fall des Bundesliga-Comebacks im Rahmen dessen Vertragslaufzeit vereinbart worden sei, so das Internetportal. Becker wurde zwar zwölf Monate später in Hamburg trotz eines Kontraktes bis Juni 2021 gefeuert, die Prämien-Regelung habe aber noch Bestand.

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Auf Nachfrage antworteten die Kieler Verantwortlichen, zu Vertragsdetails äußere man sich grundsätzlich nicht.

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