07. Oktober 2019 / 21:24 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog: Vertrauen? Holstein Kiels Außendarstellung hat extrem gelitten

Opa - Der Holstein-Blog: Vertrauen? Holstein Kiels Außendarstellung hat extrem gelitten

Andreas Geidel
Kieler Nachrichten
Holstein-Experte Andreas Opa Geidel hat seine eigene Meinung zur Trennung von Fabian Wohlgemuth.
Holstein-Experte Andreas "Opa" Geidel hat seine eigene Meinung zur Trennung von Fabian Wohlgemuth. © Andrè Haase
Anzeige

Trennung von Sportchef Wohlgemuth wirft viele Fragen auf - Nachfolger Stöver vor schwieriger Mission 2.0

Anzeige
Anzeige

Willkommen zurück, Uwe Stöver! Seine Mission 2.0 als Sportchef des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel (erste Amtszeit von Dezember 2015 bis Mai 2016) ist von aufrichtig gemeinten guten Wünschen begleitet. Denn ein glückliches Händchen wird der 52-jährige Ex-Bundesliga-Profi neben seiner Fachkenntnis benötigen, um den Sinkflug der Störche zu korrigieren – um letztlich die Weichen auf Klassenerhalt zu stellen. In einem Klub, dessen Glaubwürdigkeit und Außendarstellung mit der Trennung von Fabian Wohlgemuth als Geschäftsführer Sport am Montagmittag extrem gelitten hat.

Noch vor drei Wochen hatte Dr. Stefan Tholund, Vorsitzender des für die Besetzung des Sportchef-Sessels zuständigen Aufsichtsrates, im Rahmen des Sportbuzzer-Video-Formates „Holstein-Talk bei Fritten-Andy“ öffentlich und vor laufender Kamera Wohlgemuth das volle Vertrauen ausgesprochen. Jetzt die komplette Kehrtwende, die dem Vernehmen nach selbst für den Großteil der eigenen Klub-Mitarbeiter überraschend kam.

Warum nur? Hat Tholund an jenem 16. September auf dem Kieler Blücherplatz die Öffentlichkeit getäuscht? Oder hat Wohlgemuth in den folgenden Tagen derartige Fehler gemacht, dass eine sportliche Scheidung unumgänglich wurde?

Wir wissen es nicht. Zu den Gründen mögen sich die Protagonisten weder offiziell noch inoffiziell äußern. Spekulationen sind damit Tür und Tor geöffnet. Zumindest scheint der Wechsel länger vorbereitet. Wie sonst ließe sich erklären, dass der Aufsichtsrat mit Stöver sofort einen Nachfolger präsentierte, der von Tholund in der offiziellen Pressemitteilung zudem als „Wunschkandidat“ beschrieben wird.

Erst Cheftrainer Andre Schubert, entlassen von Wohlgemuth nach Spieltag Nummer sechs. Jetzt Wohlgemuth selbst nach Spieltag Nummer neun. Plötzlich und unerwartet, ein heftiger Paukenschlag, wo doch ein Tabellen-16. nichts mehr als Ruhe braucht.

Muss jetzt sogar Interimstrainer Ole Werner, von Wohlgemuth noch am Sonntag nach der 1:2-Heimniederlage gegen Regensburg mit einer Job-Garantie „bis auf Weiteres“ bedacht, um seine Zukunft bangen? Zumindest dieses Fragezeichen muss so schnell wie möglich aus der Welt geschaffen werden. Und es darf nicht einmal ansatzweise der Verdacht entstehen, Werner könne in den kommenden vier Knallerpartien in Stuttgart, gegen Bochum, in Bielefeld und gegen den HSV lediglich als vereinsloyale Übergangslösung dienen. Um dann – bei zu geringer Punktausbeute – einem neuen externen Fußball-Lehrer weichen zu müssen.

Was ist Wohlgemuth faktisch vorzuwerfen? Die Nacht- und Nebelverpflichtung Schuberts nach zuvor wochenlang ergebnislos verlaufender Trainersuche war sicher ein ebenso teures wie sportlich mit nachhaltigen negativen Konsequenzen begleitetes Missverständnis.

Die Kaderzusammenstellung war im Rückblick – bei dem alle Kritiker schlauer sind – zu naiv. Es fehlen bei allem Talent im Aufgebot die Leit-Störche, die in Krisenmomenten voran gehen. Die Abgänge von Eckpfeilern wie Kenneth Kronholm, David Kinsombi, Atakan Karazor oder Kingsley Schindler wurden nicht adäquat ersetzt. Anders als im Vorjahr, als auf den letzten Drücker Hochkaräter wie Jae-Sung Lee und Jonas Meffert verpflichtet sowie Masaya Okugawa aus Salzburg ausgeliehen wurden. Identifikationsfiguren wie Patrick Herrmann oder Dominic Peitz waren schon im Januar nach Darmstadt bzw. Mainz abgeschoben worden.

Dabei hätte ein Blick auf die Ausbeute der letzten elf Partien der Vorsaison zu denken geben müssen. Da waren es 0,9 Zähler pro Spiel, in dieser Serie sind es bislang 0,88 …

Ohne den nach Stuttgart gewechselten Chefcoach Tim Walter fehlte Wohlgemuth beim zweiten großen Personalumbruch binnen eines Jahres das entsprechende Pendant auf dem Rasen. Der unemotional agierende, in seinen strategischen Überlegungen dauernd wechselnde, bei seinen Spielern zunehmend auf Unverständnis stoßende Schubert konnte nie in die Walter-Rolle des Selbstvertrauen bis ins Mark abstrahlenden Front-Mannes schlüpfen.

Wohlgemuth fühlte sich fortan als Einzelkämpfer. Sah er in eigenen Reihen keine kompetenten Mitstreiter? Wurde ihm die Unterstützung verweigert? Sein gutes Netzwerk jedenfalls alleine reichte nicht mehr. Ausbleibende Erfolge auf dem Rasen verursachten bei dem nach außen hin souverän wirkenden Macher deutliche Spuren der Verunsicherung. Vergessen die Tatsache, dass er zu einem Symbol des auch vom Aufsichtsrat gewünschten und von der Restrepublik mit Anerkennung bedachten Kieler Wegs gereift war: Talente verpflichten, sie besser machen und dann teuer verkaufen.

Die erzielten Transfererlöse in Millionenhöhe lesen sich gut auf dem Konto. Ein Abstieg indes wäre immens kostspieliger.

Gut möglich, dass sich deshalb unter Stöver, dem der Ruf eines echten Teamplayers voraus eilt, die Marke Holstein Kiel leicht verändert: Mehr berechenbare Routine statt aufstrebender Nachwuchskräfte mit wenig kalkulierbaren Formschwankungen. Es wäre ein Etiketten-Wechsel der besonderen Art.

Der letzte Sportchef, der länger in Diensten der Störche stand, hieß Andreas Bornemann (Februar 2010 bis Juni 2014). Danach folgten das Doppel Karsten Neitzel/Wolfgang Schwenke, Ralf Heskamp, Stöver selbst, Ralf Becker und Wohlgemuth. Dass speziell auf dieser Position Kontinuität hilfreich ist, bezweifelt ernsthaft niemand. Letztlich allerdings zählt nur ein Fakt in dieser Gnadenlos-Branche: das Ergebnis. Willkommen zurück, Uwe Stöver!

Opas Holstein-Talk bei Fritten-Andy: Stargast Holstein-Fan Dieter Maibaum

Weitere News aus der Region Kiel

Kader Holstein Kiel Saison 2019/20

Holstein Kiel Team Zur Galerie
Holstein Kiel Team ©
Anzeige

ANZEIGE: 50% auf dein Winter-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Kiel
Sport aus aller Welt