01. Juni 2021 / 15:06 Uhr

Opa - Der Holstein-Blog: Werners Wort wegweisend

Opa - Der Holstein-Blog: Werners Wort wegweisend

Andreas Geidel
Wohin geht der Blick von KSV-Chefcoach Ole Werner?
Wohin geht der Blick von KSV-Chefcoach Ole Werner? © Uwe Paesler
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Trauer muss die Förde tragen! Fußball-Zweitligist Holstein Kiel hat den Aufstieg in die Erste Liga in der Relegation verpasst. Wie schon 2018. Und wie vor drei Jahren verlassen Eckpfeiler das Nest der Störche. Ein Vergleich zweier aktuell dennoch ungleicher Situationen

Als im Mai 2018 die Tränen nach der 0:1-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im Relegations-Rückspiel getrocknet waren, wartete auf die KSV Holstein vor dem zweiten Jahr in Liga zwei eine echte Herkulesaufgabe: Der damals gefeierte Erfolgstrainer Markus Anfang wechselte zum 1. FC Köln, Sportchef Ralf Becker zum HSV. Abwehrchef Rafael Czichos und der zum besten Mittelfeldspieler der Saison gekürte Dominick Drexler (über den Umweg Midtjylland) folgten ihrem Coach an den Rhein. Das Quartett bescherte den Kielern Ablöse-Erträge in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro. Top-Torjäger Marvin Ducksch hinterließ derweil nicht nur sportlich ein Riesenloch. Sein Wechsel nach Düsseldorf brachte den Störchen auch keinen Ertrag, Ducksch war von St. Pauli nur ausgeliehen.Die neu verpflichteten Fabian Wohlgemuth (Sportchef) und Tim Walter (Cheftrainer) reinvestierten in den personellen Neuaufbau: unter anderem in Hauke Wahl (400.000 Euro/FC Ingolstadt), Janni Serra (300.000 Euro/Borussia Dortmund II) und Benjam Girth (SV Meppen/400.000 Euro). Spieler wie Stefan Thesker und Jannik Dehm kamen ablösefrei oder wurden wie Masaya Okugawa, Mathias Honsak (beide RB Salzburg) und später Laszlo Benes (Gladbach) ausgeliehen.

Den größten Coup indes machte das Duo Walter/Wohlgemuth erst eine Woche vor dem Punktspielstart beim HSV perfekt. Mittelfeld-Taktgeber Jonas Meffert kam ablösefrei aus Freiburg und der südkoreanische WM-Teilnehmer und Deutschland-Bezwinger Jae-Sung Lee für eine knappe Million Euro von Jeonbuk Hyuandai – ein bundesweit beachteter Sensations-Transfer. Am Ende des Spieljahres stand eine sorgenfreie Serie und Platz sechs.

Eine Platzierung, die die aktuellen Holstein-Verantwortlichen für das Finale der kommenden Saison in der stärksten Zweiten Liga aller Zeiten sofort unterschreiben würden. Und das, obwohl die Voraussetzungen auf den ersten Blick besser sind als im Sommer vor drei Jahren. Mit Serra (Bielefeld) und Lee, der zurzeit bei der südkoreanischen Nationalmannschaft weilt und sich laut eigener Aussage in den nächsten Juni-Tagen für ein Team aus der Bundesliga oder Premier League entscheiden will, verlassen „nur“ zwei absolute Top-Asse die Kieler Förde. Der Verlust von Rechtsverteidiger Jannik Dehm (wahrscheinlich zum neuen Tim-Walter-Klub Hamburger SV) scheint kompensierbar. Der Unterschied zu 2018: das Trio geht nach Vertragsende ebenso ablösefrei wie auch Benjamin Girth (1. FC Magdeburg?), Dominik Reimann (1. FC Magdeburg) und die Kölner Leihkraft Niklas Hauptmann.

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Die Fragezeichen hinter dem Verbleib/der Vertragsverlängerung von Chefcoach Ole Werner (Kontrakt bis 2022) dürften in den kommenden 48 Stunden unzweifelhaften Fakten weichen. Ende gut, alles gut? Die Hoffnung auf einen für Holstein positiven Ausgang der Gespräche mit dem 33-Jährigen scheint berechtigt.

Wenn denn Uwe Stöver (Geschäftsführer Sport) und Wolfgang Schwenke (kaufmännischer Geschäftsführer) ihrem Aushängeschild auf der Trainerbank die entsprechenden Signale senden. Ein weiteres Abspecken des Etats für die Lizenzspielermannschaft in Höhe von 11,3 Millionen Euro vor Beginn dieser Saison wäre trotz der wirtschaftlichen Einbußen durch die Folgen von Corona und des knapper bemessenen TV-Geldes in diesem Zusammenhang wenig förderlich.

Um adäquaten Ersatz für Serra und Lee an die Förde zu lotsen, bedarf es reichlich Fantasie und auch einer Stange Geld. Dass die wirtschaftlichen Bedingungen im Rahmen eines Plan B für den Fall des Nicht-Aufstiegs für die fünfte Zweitliga-Serie in Folge zumindest offiziell noch nicht abgesteckt sind, lässt die Kieler Macher dabei nicht eben im planerischen Rampenlicht erstrahlen.


Stützen kann sich Stöver immerhin auf ein 26-köpfiges Aufgebot, von dem elf Akteure laut transfermarkt.de bis zum 30. Juni 2022 gebunden sind. Ob die zu diesem Kreis zählenden Ioannis Gelios, Meffert und Phil Neumann möglicherweise in den Fokus zahlungskräftiger Klubs geraten sind, bleibt abzuwarten.

Das aktuelle Gerüst ermöglicht es Stöver und Co., den Markt ohne Aktionismus zu sondieren. Zur Erinnerung: Auch Lee und Meffert kamen 2018 erst acht Tage vor dem triumphalen 3:0 beim Hamburger SV an Spieltag eins. Der Trainingsauftakt der Störche 21/22 ist für die Woche ab dem 21. Juni terminiert, der Saison-Opener für den 23. Juli.

Das aktuelle Holstein-Aufgebot:

Vertrag bis 2022: Gelios, Neumann, van den Bergh, Bartels, Meffert, Sterner, sowie die Leih-Rückkehrer Sander, Baku, Lauberbach, Hanslik und Atanga.

Vertrag bis 2023: Wahl, Dähne, Mühling, Thesker, Komenda, Lorenz, Kirkeskov, Ignjovski, Porath, Reese, Awuku, Weiner.

Vertrag bis 2024: Mees, Arslan, Benger (Neuzugang von Gladbach II).

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