02. April 2020 / 13:05 Uhr

Opas Bergfest: Fußball-Wettkampf unter Quarantäne

Opas Bergfest: Fußball-Wettkampf unter Quarantäne

Andreas Geidel
Opas Bergfest heute mit dem Thema Relegation.
Opas "Bergfest" heute mit dem Thema Relegation. © Andrè Haase
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Holstein-Experte Andreas Geidel im Gedankenaustausch mit Ex-Coach Markus Anfang

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Ist es naiv? Oder angesichts des zigtausendfachen Leids vielleicht sogar zynisch? Andererseits: Wem oder was hilft es, sich dem nahezu totalen Stillstand zu beugen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie es weitergehen kann. Wenn der Motor der Gesellschaft trotz Corona-Pandemie auch im Profifußball wieder langsam anlaufen sollte? Wann auch immer dies geschehen mag – im Mai, eventuell auch erst im Juni.

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Anlass zum Individual-Brainstorming gab es längeres Telefonat mit Markus Anfang in den vergangenen Tagen. Mit jenem Fußballlehrer also, unter dessen Regie Holstein Kiel 2017 zunächst in die Zweite Liga aufstieg und als Unterhaus-Neuling ein Jahr später nur um Haaresbreite den Durchmarsch in die Bundesliga verpasste.

Über viele Themen habe ich mit dem 45-Jährigen, der nach seiner zumindest vom Zeitpunkt her bis heute wenig nachvollziehbaren Freistellung beim 1. FC Köln am 27. April 2019 noch immer ohne neuen Job ist, gesprochen. Über die aktuellen Probleme der Kinder-Betreuung im eigenen Haus, über die Engpässe mit Material und Personal im medizinischen Bereich – und eben auch über Fußball.

Ex-Coach Markus Anfang nach dem Relegationsspiel gegen den VfL Wolfsburg.
Ex-Coach Markus Anfang nach dem Relegationsspiel gegen den VfL Wolfsburg. © Uwe Paesler

Anfangs Idee zu einer möglichen Beendigung der Saison in Liga eins und zwei als Gegenentwurf zum vorzeitigen Abbruch des Spieljahres lautet im Grundsatz: Fußball unter Quarantäne. Ein Gedankenspiel, das auch mir nach längerer Überlegung im Homeoffice tatsächlich praktikabel erscheint. Zwei unabdingbare Voraussetzungen: Die Infektionskurve flacht durch die geltenden Ausgangsbeschränkungen signifikant ab. Und es gibt Coronar-Schnelltests in ausreichendem Maße.

Wie also wäre es dann, wenn die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Dachorganisation der 36 Erst- und Zweitligavereine nach regionalen Gesichtspunkten vier oder fünf zentrale Orte in der Republik festlegt, an denen die ausstehenden Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Turniermodus abgewickelt werden? Das Ganze live und in Zusammenfassungen durch Sky und Co. in die Wohnzimmer transportiert. Spielpläne könnten nach logistischen Gesichtspunkten umorganisiert werden. Wettbewerbsnachteile durch wegfallende Heimspiele? Der Begriff „Geisterspiel“ gibt die Antwort auf diese Frage.

Weitere Infos aus der Region Kiel

Wir stellen uns jetzt einmal aus Kieler Sicht vor, Hamburg wäre im Norden ein solcher Standort. Oder Hannover. Also, die infektionsfreien Störche steigen in Projensdorf nach Corona-Schnelltest-Check in den desinfizierten Mannschaftsbus. Und fahren dann zu einem in der Nähe des Standortes befindlichen und von der DFL vorgeschriebenen Hotel. Dort wird vor dem ersten Spieltag des Neu-Startes eine Woche lang in freiwilliger Isolation gearbeitet. Vor dem ersten Anpfiff wieder ein Test. So könnten beispielsweise der HSV, St. Pauli, Osnabrück, Hannover und auch Holstein ihre noch ausstehenden Partien im Rahmen englischer Wochen austragen. Um danach unter gleichen Voraussetzungen andere zentrale Standorte anzusteuern.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Verteidiger Henning Hardt kann eine beeindruckende Leistungsbilanz im Trikot der Störche vorweisen: 276 Spiele, sieben Tore. Zur Galerie
Verteidiger Henning Hardt kann eine beeindruckende Leistungsbilanz im Trikot der Störche vorweisen: 276 Spiele, sieben Tore. ©

Möglicherweise über mehrere Wochen dicht beieinander zu hocken, wäre sicher kein Zuckerschlecken für die Profis und ihren Tross. Aber alles ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht besser, als die Zwangspause nur einen Tag länger, als die Mediziner-Front es aus sehr realem Grund vorgibt, zu verlängern. Und wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch wieder ein Corona-Fall bei den Profis auftritt? Dann wird das Team zwecks Zwangs-Quarantäne vorübergehend aus dem Wettbewerb genommen und holt die ausgefallenen Spiele nach.

Natürlich gleicht die Logistik eines derart einmaligen Vorgehens einer Mammutaufgabe. Nur eines muss allen Beteiligten klar sein: Wer jetzt nicht in neuen Dimensionen denkt, hat sich dem Corona-Virus gebeugt. Und diese Erkenntnis gilt wahrlich nicht nur für den Fußball.