29. April 2020 / 10:35 Uhr

Opas Bergfest: Re-Start im Profifußball? Nur bei freiwilliger Quarantäne!

Opas Bergfest: Re-Start im Profifußball? Nur bei freiwilliger Quarantäne!

Andreas Geidel
Opas Bergfest heute mit dem Thema Relegation.
Opas "Bergfest" heute mit dem Thema Relegation. © Andrè Haase
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Die Vertreter der Ersten und Zweiten Bundesliga schauen gespannt auf morgen, den 30. April. Wenn die Kanzlerin nach ihren Gesprächen mit den Spitzen der Bundesländer möglicherweise die nächsten kleinen Lockerungen im Alltag für vertretbar verkündet. Ob der Re-Start der Bundesliga dann auch thematisiert wird?

Du wachst auf, trinkst Deinen Morgenkaffee, liest Zeitung, hörst Radio, stöberst im Netz – und benötigst danach schon zu früher Stunde einen kräftigen Schluck vom mentalen Zaubertrank, um die Flut an Informationen und Katastrophenmeldungen, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, zu verarbeiten. Die Zeiten sind hart. Und niemand weiß, wie lange es dauert, bis zumindest in Ansätzen wieder alte Normalität unser Leben bestimmt.

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Natürlich ruht auch der Profifußball. Training in Kleingruppen, eingebettet im Feintuning hygienischer Maßnahmen der besondern Art – immerhin. Letztlich aber ist auch das nicht mehr als eine Übergangslösung.

Die Vertreter der Ersten und Zweiten Bundesliga schauen gespannt auf morgen, den 30. April. Wenn die Kanzlerin nach ihren Gesprächen mit den Spitzen der Bundesländer möglicherweise die nächsten kleinen Lockerungen im Alltag für vertretbar verkündet. Ob der Re-Start der Bundesliga dann auch thematisiert wird?

Man möge es mir nachsehen, wenn ein Detail der bislang veröffentlichten Planspiele der Deutschen Fußball Liga (DFL) zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs an mir stumpf vorbeigerauscht ist. Aber von einer längeren Quarantäne, sagen wir acht bis zehn Wochen, in die sich die beteiligten Klubs nebst ihrer Trainer- und Betreuerstäbe begeben müssen, um ihre Saison zu Ende spielen zu können, habe ich noch nichts vernommen.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. Zur Galerie
Von 2018 bis 2021 stand Janni Serra bei Zweitligisten Holstein Kiel unter Vertrag. In dieser Zeit kam der Stürmer 91 Mal zum Einsatz und erzielte 35 Tore. Nach seinem Vertragsende bei Holstein Kiel wechselt Serra zur Saison 2021/22 in die Bundesliga zu Arminia Bielefeld. ©

Dabei wäre das aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, um das vor allem von wirtschaftlichen Nöten angedachte Treiben vor der Rest-Gesellschaft zu legitimieren. Alles verbunden mit noch extremeren logistischen Vorgaben als ohnehin schon. Die nötigsten Privat-Klamotten für ein paar Wochen packen, PS4 und Handys desinfizieren und ab vom Trainingsplatz in das Mannschafts-Hotel ohne Reinigungspersonal und mit einem externen Caterer zwecks Ernährung. Den Vereins-Staff auf das Virus testen und bei negativem Befund sofort mit dem vertrauten Mannschaftstraining inklusive der Zweikämpfe beginnen.

Die geplanten Geisterspiele unter den bereits bekannten Rahmenbedingungen austragen, Anreise zu Auswärtsspielen im Teambus oder Privatflieger – im Optimalfall ohne weitere Zwischen-Übernachtung in einem vorbestimmten Hotel. Dazu immer wieder Corona-Tests.


Das Wichtigste dabei: Der vielleicht 60 Tage währende Verzicht auf den direkten Kontakt zur Familie, zu den Kindern, Frauen, Freundinnen, Eltern, Kumpels oder zu irgendeinem anderen Menschen außerhalb der eigenen Trosses und den Gegnern, die unter gleichen Voraussetzungen antreten. Und eigentlich müsste das Gleiche auch für die Schiedsrichter gelten.

Holstein Kiel: Die Saison 2019/20 in Bildern

1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Ob das auch unter arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten realisierbar ist? Doch nur unter diesem freiwillig gewählten medizinischen Schutzschirm dürfte der professionell betriebene Kontaktsport Fußball den Wunsch formulieren, eine Sonderrolle für sich zu beantragen. Mehr noch. Durch die die Existenzen der Klubs vorerst sichernden Live-Übertragungen der TV-Sender könnte der Berufsfußball den Menschen im tristen, von wirtschaftlichen Nöten und Zukunftsängsten geprägten Alltag ein Stück Lebensqualität geben, Mut und Motivation durch Ablenkung vermitteln. Darf man in diesem Fall von Systemrelevanz sprechen?

Doch nicht nur die Sportler und deren Betreuer stehen in der Pflicht. Gleiches gilt für uns alle. Es steht zu befürchten, dass Teile der Anhängerscharen – wie leider gewohnt – ein Alleinvertretungsrecht für sich akklamieren. Soll heißen, Rudelbildungen zu Hunderten vor dem Stadion oder an anderen Plätzen. Vergehen dieser Art müssen unabdingbar und ohne argumentative Schlupflöcher zum sofortigen Abbruch des Spielbetriebes führen. Polizei und andere Sicherheitsorgane haben in diesen Tagen wichtigere Aufgaben zu erfüllen, als die Gesellschaft vor Schwachköpfen, die im Namen des Fußballs auf Renitenz setzen, zu bewahren.

Um das Gemeinschaftsgefühl eines Fußballspiels zu simulieren, gibt es im Rahmen der gültigen Kontaktbeschränkungen andere Möglichkeiten. Nach Torerfolgen das eigenen Klubs raus auf den Balkon, Fenster auf, ab in den Garten. Jubelschreie, Tröten-Signale, Fahne schwenken, tanzen, hüpfen – das befreit innerlich und steckt vielleicht sogar die Nachbarschaft zu angemessener Begeisterung an.

Und im Falle des Misserfolgs? Skypen mit Freunden, via Facetime analysieren, schimpfen, Trainer spielen. Dass der Bezahlsender Sky ernsthaft überlegt, den Kunden die restlichen Partien live für „kleines Geld“ zu offerieren oder teilweise in das für die Allgemeinheit empfangbare öffentlich-rechtliche Fernsehen auszulagern, sind Überlegungen in die exakt richtige Richtung. Denn merke: Fußball in größerer Runde mit Kaltgetränken und Chips – auch das ist kontraproduktiv beim Kampf zur Eindämmung der Virus-Verbreitung.

Morgen tritt Frau Merkel wieder vor die Kameras und spricht. Wir sind gespannt.