21. März 2020 / 17:46 Uhr

Opas Holstein-Blog: Feuchte (Alb)-Träume dank Neubarth und Jurgeleit

Opas Holstein-Blog: Feuchte (Alb)-Träume dank Neubarth und Jurgeleit

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Die Corona-Krise und ihre Folgen: Statt auf die Tabelle der Zweiten Fußball-Bundesliga und das Abschneiden Holsteins Kiels schauen wir morgen gebannt auf die Entscheidung von Politik und Gesundheitsbehörden: Ausgangssperre oder doch nicht?

Doch selbst die drastischste aller Maßnahmen werden wir ertragen. Spazieren gehen zu zweit, notfalls den Einkauf erledigen oder der zwingend erforderliche Arztbesuch, das soll – Stand jetzt – weiter erlaubt sein. Also, Visier runterklappen, Augen zu und durch.

Collage der Denkedrans.
Collage der Denkedrans. ©

Unsere Kult-Rockband „Denkedrans“ geht mit gutem Beispiel voran und hat ihre angesetzte Probe auf unbestimmte Zeit verschoben. Stattdessen haben sie eigens für diesen Blog eine coole Schwarz-Weiß-Collage erstellt. „Keine andere Stadt, keine andere Liebe, kein anderer Verein …“

Auch im Sinne der „Denkedrans“ und ihrer Holstein-Hymne: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte auf ein Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine Rudelbildungen auf öffentlichen Plätzen, am Strand, den ohnehin gesperrten Spielplätzen oder auf Grünflächen - gesund bleiben!

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1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Feuchte (Alb)-Träume dank Neubarth und Jurgeleit

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2006 zurück. Genauer gesagt, auf den 2. Oktober 2006. Kein Redaktionsdienst für mich, weil die nächste Zeitung erst am folgenden „Tag der deutschen Einheit“ produziert wurde. Ich dachte an den Klassiker der Boomtown Rats („I don't like mondays“), als die bessere Hälfte des Hauses auf die grandiose Idee kam, ich könne mich an meinem freien Tag ja einmal dem Auswechseln des Wasserhahnes an der Küchenspüle widmen.

Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe für jemanden wie mich mit anderthalb linken Händen und einem nach Gefühl zusammen gestellten Werkzeugkasten. Trotzdem wagte ich mich am frühen Nachmittag an dieses Experiment. Schon nach kurzer Zeit und einer dauerhaften Schimpfkanonade schimmerte der Fußboden in meiner Umgebung verdächtig feucht. War vielleicht irgendeine Wasserzufuhr nicht korrekt abgedreht?

Egal! Denn in diesem Moment klingelte mein Handy. Ein netter Informant berichtete mir, Cheftrainer Frank Neubarth und der sportliche Leiter Daniel Jurgeleit seien soeben beim damaligen Fußball-Nord-Regionalligisten Holstein Kiel gefeuert worden.

Konnte das wahr sein? Ausgerechnet an dem Datum, an dem die beiden Leit-Störche Sven Boy und Andre Breitenreiter Geburtstag hatten? Ich musste in die Redaktion – Recherche. Noch schnell allen Leitungen komplett den Hahn abgedreht, ein kurzer Hinweis an die Gattin („du müsstest jetzt mal eben aufwischen, bin gleich wieder da“) und ab vom Hof.

Am Bürotisch angekommen, bestätigte sich die Information. Neubarth, seit 1. Juli 2004 im Amt, und Jurgeleit, seit 1. Januar 2003 Sportchef, waren plötzlich Störche-Geschichte. Ausgerechnet jenes Duo, unter dessen Leitung am Ende der Vorsaison der Sprung in die Zweite Liga so knapp verpasst worden war, obwohl er zu Weihnachten als Spitzenreiter mit vier Punkten Vorsprung auf einen Nicht-Aufstiegsplatz zum Greifen nahe schien.

Zwei aufeinander folgende Heimpleiten (0:4 gegen Union Berlin, 0:3 gegen Leverkusen II) und der Absturz auf Rang 13 der Tabelle hatten das Fass bei den Holstein-Verantwortlichen an diesem 2. Oktober offenkundig zum Überlaufen gebracht.

Frank Neubarth (re.) und Daniel Jurgeleit.
Frank Neubarth (re.) und Daniel Jurgeleit. ©

Es war der Anfang vom Ende. Denn trotz aller Anstrengungen des Interimscoaches Klaus Thomforde (zwei Spiele), dessen Nachfolgers Stefan Böger (25. Oktober 2006 bis 26. Februar 2007) sowie des reaktivierten Feuerwehrmannes auf der Trainerbank, Peter Vollmann (ab 26. Februar), holten die im Sinkflug befindlichen Störche zum Abschluss des Spieljahres nur einen Titel: mit 48 Zählern punktbester Absteiger aller Zeiten. Ganze fünf Tore Rückstand auf Borussia Dortmund II fehlten schlussendlich zum Klassenerhalt.

All' das aber ahnte ich an diesem Montag noch nicht. Telefonierte mir ein heißes Ohr, schrieb mir die Finger wund. Schon kurz nach 22 Uhr war ich wieder zu Hause. Und sah die Gattin den Kopf schütteln und zeitgleich milde lächeln. Ein handwerklich talentierterer Freund hatte das Küchen-Dilemma zwischenzeitlich behoben. Und zum Wohle der Kieler Störche hatte sie sich auch noch eingesetzt.

Als nämlich ein Trainer- und Spielerberater jener Zeit aus Berlin auf unserem damaligen Festnetzanschluss angerufen, sich nach dem Stand der Dinge bei Holstein erkundigt und trotz der Auskunft, der Reporter sei nicht zu Hause, satte 20 Minuten ein „Fachgespräch“ mit ihr geführt hatte. Zur Erklärung: Über Fußball-Wissen verfügte meine Frau schon damals. Nur ein Holstein-Spiel hatte sie noch nie live gesehen. Wir nannten diesen freiwilligen Entzug: berufliche Gewaltenteilung.

Die DENKEDRANS gehen mit gutem Beispiel voran