20. März 2020 / 16:52 Uhr

Opas Holstein-Blog: Funkstille mit Falko Götz

Opas Holstein-Blog: Funkstille mit Falko Götz

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Ole Werner vom Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel ist zum „Trainer des Jahres 2019“ in Schleswig-Holstein gewählt worden. Ein echter Senkrechtstart des 31-Jährigen, der mit dem Regionalligateam als Aufsteiger die Saison 2018/19 mit dem respektablen Platz zehn abschloss. Um in diesem Spieljahr nach dem sechsten Spieltag Andre Schubert als Chefcoach des Zweitliga-Teams zu beerben. Zunächst als Interimslösung, kurze Zeit später mit einem auch finanziell angepassten Vertrag bis 2022. Von Rang 16 nach sechs Spieltagen führte der angehende Fußball-Lehrer die Störche bis zum Winter dank der 18 Punkte in zwölf Partien unter seiner Regie auf Rang zehn. In 2020 kamen bislang elf Zähler in sieben Begegnungen dazu. Mit insgesamt 34 Punkten liegt die KSV Holstein bekanntlich auf Rang sieben.

Starke Zahlen für einen Zweitliga-Novizen. Zahlen, die sich ein anderer Promi-Trainer aus der Kieler Vergangenheit sicher auch gewünscht hätte …

In diesem Sinne (auch zur Erinnerung für die letzten geistigen Einzeller): keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte auf ein Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine Rudelbildungen auf öffentlichen Plätzen, am Strand, den ohnehin gesperrten Spielplätzen oder auf Grünflächen - gesund bleiben!

Holstein Kiel: Die Saison 2019/20 in Bildern

1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Funkstille mit Falko Götz

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2009 zurück. Genauer gesagt, auf den 1. September 2009. Ein herrlicher Spätsommertag, die Maschine landete bei strahlendem Sonnenschein und an die 30 Grad Wärme am frühen Nachmittag auf dem Flughafen München. Eine Dienstreise. Schließlich stand am Abend das Drittliga-Spiel zwischen der Spielvereinigung Unterhaching und Holstein Kiel an. Taxi zum Hotel, Einchecken, Kaffee bestellen und örtliche Presse studieren – journalistische Auswärtsroutine.

Nun waren die wackeren Hachinger zu jener Zeit nur die Nummer drei an der Isar. Folgerichtig gehörten natürlich dem FC Bayern, aber eben auch 1860 München die größeren Schlagzeilen. Allerdings hielt die Abendzeitung jenes Tages einen besonderen Clou bereit.

Auf der Titelseite ihres gesonderten Sportteils wies ein kleines Foto oben links auf die kurze Vorschau auf der Folgeseite hin. Allerdings, ohne die Namen der beteiligten Klubs zu nennen, Zu sehen waren lediglich nur ein dichter Männer-Haarschopf und ein Fön. Die dazugehörige Beschreibung lautete schlicht: „Die Fönwelle ist zurück.“

Gemeint war damit der damalige Störche-Cheftrainer Falko Götz. Der Promi-Coach, der im Dezember 2008 völlig überraschend von den Kieler Klub-Oberen als Nachfolger von Peter Vollmann als große Lösung auf der Bank mit bundesweitem Echo („Little Hoffenheim“) präsentiert worden war. Und der gemeinsam mit Assistent Andreas Thom erst am letzten Spieltag der Vorsaison den Aufstieg in Liga drei bewerkstelligt hatte.

Falko Götz (li.) bei der KSV Holstein.
Falko Götz (li.) bei der KSV Holstein. ©
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Auch wir Nordlichter hatten Götz (Monatssalär in der Vierten Liga: 35.000 Euro) in diesem Jahr als polarisierenden Vertreter seiner Zunft kennengelernt. An der Isar hingegen herrschte gar fast ausnahmslos kollektive Ablehnung. Götz wurde in der Öffentlichkeit als Wegbereiter des sportlichen Niedergangs der Münchner Löwen gebrandmarkt. Der hatte im Frühjahr 2004 mit dem Bundesliga-Abstieg der Sechziger seinen Anfang genommen. Götz war fünf Spieltag vor Saisonende am 17. April unter dubiosen Umständen und nach nur 13-monatiger Tätigkeit an der Grünwalder Straße rausgeschmissen worden.

Große Worte waren Götz – unabhängig von den folgen Taten – noch nie schwer gefallen. Eine echte „Berliner Schnauze“ halt.

Doch wem in dieser Branche der Erfolg fehlt, dem fallen auch andere Dinge vor die Füße. Im Fall Götz sollen dies laut Münchner Gerüchten unter anderem sein mitunter etwas ausschweifender Lebenswandel mit Jet-Set-Gehabe in Nobel-Clubs wie dem „P1“ gewesen sein. Ganz sicher aber stieß vielen Weggefährten Götz' Eitelkeit auf. Als Symbol dafür stand die schwarze, locker in die Stirn fallende Haarpracht – die „Fönwelle“.

Doch zurück zum Abendspiel in Unterhaching. 35 Minuten hatte Holstein groß aufgespielt, war gar mit 1:0 in Führung gegangen. Weshalb ich „unseren“ Trainer medial rächen wollte und sinngemäß zu Papier brachte, die Störche hätten auf dem Rasen die passende Antwort auf die ironische Attacke der Abendzeitung gegeben. Natürlich fiel in diesem Zusammenhang das Wort „Fönwelle“.

Dummerweise endete die Partie aus Kieler Sicht mit 1:3. Und direkt nach der Rückkehr am folgenden Tag klingelte in Kiel mein Handy. Der leider schon verstorbene Ex-Präsident Roland Reime erklärte mir mit seinem tiefem Bedauern und einer großen Portion Unverständnis in seiner markanten Stimmlage, Herr Götz ließe ausrichten, er werde künftig nicht mehr mit mir sprechen. Hauptgrund: die Beschreibung „Fönwelle“.

Falko Götz engagiert am Spielfeldrand.
Falko Götz engagiert am Spielfeldrand. ©

Ich musste mich deshalb nicht lange grämen. 16 Tage später wurde Götz von Holstein unter kuriosen Umständen fristlos entlassen. Die Störche stiegen am Ende jener Serie im Frühjahr 2010 ab. Eine schwere Zeit brach danach an. Bis zum Wiederaufstieg dauerte es drei Jahre. Heute bestreitet die KSV Holstein ihre bereits dritte Saison in Folge in Liga zwei. Und wir sagen im Nachklapp: Danke, Falko Götz, Wegbereiter des großen Aufbruchs – wenn auch wider Willen!

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