24. März 2020 / 15:55 Uhr

Opas Holstein-Blog: „Helgoländer“ Schock-Erlebnis

Opas Holstein-Blog: „Helgoländer“ Schock-Erlebnis

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Noch bis zum Wochenende befinden sich die Profis des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel in Corona-Quarantäne. Doch wie geht es danach weiter? Training in Mannschaftsstärke oder in Klein-Gruppen? Und überhaupt: Wird die Saison abgebrochen oder doch irgendwann wieder gespielt?

Niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt seriöse Antworten geben. Und es gibt angesichts der dramatischen gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie auch weitaus dringlichere Fragen zu klären. Und dennoch. Es ist zwar nicht existenziell, aber bitter allemal, dass die Olympia-Träume von Störche-Torjäger Janni Serra sowie dessen Mittelfeld-Kollegen Salih Özcan und „Rudi“ Baku durch die Verschiebung der Spiele von Tokio um ein Jahr vorerst geplatzt sein dürften.

In diesem Sinne: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte auf ein absolutes Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine (ohnehin verbotenen) Rudelbildungen, weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit - gesund bleiben!

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„Helgoländer“ Schock-Erlebnis

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2004 zurück. Genauer gesagt, in den Februar 2004. Wieder einmal waren die Kieler Störche vor dem nordischen Winter in Richtung Portugal geflohen. An der portugiesischen Algarve-Küste im „Alfamar Beach&Sport Resort“ sollte Cheftrainer Gerd-Volker Schock seine Schützlinge auf den Rest der Regionalliga-Saison vorbereiten. Es war ein, formulieren wir es mal so, insgesamt unrundes Trainingslager. Allerdings mit einem Finale, das an Dramaturgie nichts zu wünschen übrig ließ.

Aber der Reihe nach. Am vorletzten Abend war der Zapfenstreich für die Spieler auf 23 Uhr terminiert worden. Drei Profis, Betreuer Jochen Jung und ich trafen uns gegen 22 Uhr eher zufällig an der Hotel-Bar. Gesprächsthemen gab es natürlich viele. Der leidlich der deutschen Sprache mächtig Barkeeper wurde in bester Völkerverständigungs-Manier mit einbezogen.

Gerd-Volker Schock (li.) und Co.-Trainer Volker Manz.
Gerd-Volker Schock (li.) und Co.-Trainer Volker Manz. © Schwarz
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Bei Jungs Frage, ob er denn auch einen „Helgoländer“ im Sortiment habe, zuckte der Mann nur noch mit den Schultern. Für den ehemaligen Gaststättenbetreiber Jung kein Problem. Flugs eilte er hinter den Tresen und suchte zum Vergnügen aller Anwesenden nach den entsprechenden Zutaten.

„Grün ist das Land, rot ist die Kant, weiß ist der Strand – das sind die Farben von Helgoland“, erklärte der Fachmann und schichtete geschickt in Schnapsgläsern mit Hilfe eines Teelöffels die vorgegebene Farblehre: Sirup (Himbeer oder Kirsch), Pfefferminz-Likör und Korn. Und da es sich bekanntlich nicht auf einem Bein stehen lässte, kredenzte er noch einen zweiten Absacker.

Nun war auch das Interesse der anwesenden Spieler geweckt. Just in dem Moment, als sie ihr Glas an die Lippen legten, betrat Schock den Raum. Weniger der Alkoholkonsum ließ den Coach zürnen als vielmehr der Blick auf die Uhr, dessen Zeiger die knapp 20 Minuten nach elf stand. Nicht wegen des folgenden Mords-Theaters checkte ich am Tag darauf aus. Die Rückreise am Sonnabend einen Tag vor den den Störchen war aus organisatorischen Gründen bereits zuvor geplant.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). Zur Galerie
Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). ©

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In Kiel und anderenorts hatte derweil ein Tarifstreik die Redaktionsarbeit und damit auch den Informationsfluss weitestgehend lahm gelegt. Um so erstaunter war ich am folgenden Dienstag, als ein Kollege einer anderen Zeitung mich zu Hause anrief und nach Details in der Angelegenheit Gerd-Volker Schock fragte. Ich müsse die Gründe ja wissen, ich sei ja als einziger Journalist in Portugal gewesen.

Mir erging es in diesem Moment ähnlich wie dem Barkeeper an der Algarve. Schulterzucken, die pure Ahnungslosigkeit. Was war passiert? Zwei Tage nach der Rückkehr ins Nest der Störche hatte Schock am 25. Februar 2004 die Brocken aus freien Stücken und für alle Beteiligten überraschend hingeworfen. Ich aber wusste bis zum Zeitpunkt des erwähnten Telefonats aus oben genannten Gründen von alledem nichts (eine journalistische Peinlichkeit als Berichterstatter der Geschehnisse des Trainingslagers).

Und habe bis heute aus keiner seriösen Quelle handfeste Gründe für Schocks Ausstieg erfahren. Allenfalls Mutmaßungen. Lag's an der durch Hörstürze angeschlagenen Gesundheit des gestrengen Fußball-Lehrers? Oder hatte tatsächlich der „Helgoländer“ beim Weinliebhaber Schock das Fass zum Überlaufen gebracht?

PS: Ich habe seit dem Abend im Februar 2004 nie wieder einen „Helgoländer“ getrunken. Die Furcht vor den Folgen war schlicht zu groß.

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