27. März 2020 / 14:58 Uhr

Opas Holstein-Blog: Mathe-Nachhilfe von Fußball-Lehrer Schock

Opas Holstein-Blog: Mathe-Nachhilfe von Fußball-Lehrer Schock

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
Anzeige

Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

Anzeige

Noch zu Beginn der Corona-Krise hatte Uwe Stöver, Geschäftsführer Sport des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel, gesagt, das Berufsleben müsse weitergehen. Auch mit Blick auf anstehende Vertragsgespräche mit eigenen Spielern oder potenziellen Neuzugängen. Am Mittwoch nun ruderte der 53-Jährige dezent zurück. So herrsche „aus aktuellem Anlass“ unter anderem im Fall des Südkorea-Imports Jae-Sung Lee Ruhe an der Verhandlungsfront.

Das ist nachvollziehbar. Über welche Gagen, über welche Vertragslaufzeiten will man sich unterhalten? Seriös ist in diesem Zusammenhang allenfalls der Begriff „unter Vorbehalt“. Niemand weiß, ob und wenn ja, wann der Ball wieder halbwegs normal rollt. Um die Chancen auch für diesen gesellschaftlichen Sektor zu erhöhen, bleibt Vorsicht und Rücksichtnahme – ungeachtet aller möglichen Lagerkoller – oberste Gebot.

In diesem Sinne: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte den Vorschriften gemäß auf ein absolutes Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine (ohnehin verbotenen) Rudelbildungen, weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit - gesund bleiben!

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Dmitrijus Guscinas spielte zwar auch in Paderborn, Osnabrück, Koblenz und an der Seite von Mario Gomez bei VfB Stuttgart II, aber den nachhaltigsten Eindruck hat der Stürmer bei Holstein Kiel hinterlassen. Während seiner zwei Aufenthalte in Kiel (1999-2003 und 2007-2010) erzielte Guscinas 85 Tore in 210 Spielen. Zur Galerie
Dmitrijus Guscinas spielte zwar auch in Paderborn, Osnabrück, Koblenz und an der Seite von Mario Gomez bei VfB Stuttgart II, aber den nachhaltigsten Eindruck hat der Stürmer bei Holstein Kiel hinterlassen. Während seiner zwei Aufenthalte in Kiel (1999-2003 und 2007-2010) erzielte Guscinas 85 Tore in 210 Spielen. ©

Mathe-Nachhilfe von Fußball-Lehrer Schock

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2002 zurück. Genauer gesagt auf den 3. August 2002. Ein sonniger Sommer-Sonnabend, der den Fußball-Regionalligisten Holstein Kiel allerdings mit Brachialgewalt in den finsteren Tabellen-Keller stieß. 1787 Zuschauer hatten eine 1:2-Heimniederlage gegen den SC Paderborn erlebt.

Es war am zweiten Saisonspieltag die zweite Pleite nach dem Auftakt-0:2 in Uerdingen, das mir zu allem Überfluss in der Verlängerung wegen leicht überhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn-Rückfahrt einen vierwöchigen Führerschein-Entzug bescherte. Dabei regierte an der Förde vor Beginn des Spieljahres berechtigter Optimismus auf eine erfolgreiche Serie.

Vorzeichen, die es im Rahmen der Pressekonferenz nach der Paderborn-Partie unter journalistischen Gesichtspunkten zu berücksichtigen galt. Und zugegeben, die Aussicht, den in Medienkreisen als Dauer-Grantler bekannten Cheftrainer Gerd-Volker Schock ein wenig aus der Reserve locken zu können, besaß auch einen gewissen Reiz.

Gerd-Volker Schock im Jahre 2002 an der Seitenlinie der KSV-Holstein.
Gerd-Volker Schock im Jahre 2002 an der Seitenlinie der KSV-Holstein. © August

Das obligatorische Frage-und-Antwort-Spiel fand in großer Runde im „Blauen Salon“ des damals noch nicht umgebauten Holsteinstadions statt. An der Stirnseite der in Hufeisenform aufgebauten Tische hatte neben Schock der damalige Holstein-Präsident Dr. Sven Jakob als Konferenzleiter Platz genommen. In meinem Rücken saßen meine Kinder (13 und 11) und warteten mucksmäuschenstill, aber gespannt auf den Verlauf dieser Veranstaltung.

Ich wollte dann auch ziemlich zügig vom Störche-Coach wissen, ob er die Saisonziele trotz des noch sehr frühen Zeitpunktes korrigieren müsse. Schock setzte sich in Positur, schaute mich mit stechendem Blick an und antwortete mit einer Gegenfrage: „Welches Ziel meinen Sie denn?“ Mein Konter lautete: „Platz eins bis sechs.“ Schocks folgende Verbal-Grätsche brachte mich tatsächlich kurzzeitig aus dem Gleichgewicht: „Diese Zielsetzung habe ich nie genannt. Die stammt doch von den Journalisten. Ich habe gesagt, oberes Tabellendrittel!“

Weitere News aus der Region Kiel

Peinliche Stille. Gefühlt über Minuten. Mir lief der Schweiß, der Kopf ratterte. Jetzt bloß nicht blamieren. Schon gar nicht vor dem mittlerweile verhalten kichernden Nachwuchs. Zigfache geistige Überprüfungen bestätigten meinen mathematischen Anfangsverdacht: Jawoll, Platz eins bis sechs und oberes Tabellendrittel sind nach Adam Riese in einer 18er-Liga ein und dasselbe. Dieser Hinweis meinerseits an Schock sorgte für den abrupten Abbruch der Pressekonferenz.

Zwei Tage später verging mir das Lachen. Der gesundheitlich angeschlagene Schock hatte offensichtlich aufgrund des allgemeinen Stresses am Sonntag seinen fünften (oder war es gar schon der sechste?) Hörsturz erlitten und zwecks Genesung sein Traineramt abgegeben. Und ich hoffe noch heute, dass nicht die höhere Fußball-Mathematik daran Schuld war.