25. März 2020 / 12:40 Uhr

Opas Holstein-Blog: Schneewalzer bei Holsteins Europacup-Premiere

Opas Holstein-Blog: Schneewalzer bei Holsteins Europacup-Premiere

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Die Profis des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel befinden sich auf der Zielgeraden ihrer Corona-Quarantäne. Ob und wie es danach weiter geht, weiß indes zurzeit niemand. Auch Stürmer Fabian Reese nicht, der per Audio-Sprachnachricht seinen Isolations-Alltag beschreibt.

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KSV-Angreifer Fabian Reese zu seinem Tagesablauf

Auch in seinem Sinne gilt: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte den Vorschriften gemäß auf ein absolutes Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine (ohnehin verbotenen) Rudelbildungen, weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit - gesund bleiben!

Zur Aufmunterung und im Kontrast zum fast frühlingshaften Sonnenschein an der Förde hier ein Rückblick in den Winter 2010.

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Schneewalzer bei Holsteins Europacup-Premiere

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2010 zurück. Genauer gesagt, auf den 10. Februar 2010. Ein Mittwoch, der mit einem echten Schock-Erlebnis begann. Denn beim Öffnen der Haustür versperrte eine Schneewehe in stattlicher Höhe eines halben Meters den Weg. Der Winter hatte knallhart zugeschlagen.


Ausgerechnet an diesem Tag sollte das bereits zuvor im Dezember ausgefallene Drittliga-Spiel der Kieler Störche im über 900 Kilometer entfernten Burghausen angepfiffen werden. Ein Ding der Unmöglichkeit angesichts der weitesten Distanz im deutschen Profifußball? Mitnichten! Vor Ort an der Grenze zu Österreich sei alles gut, hieß es auf Anfrage von der Geschäftsstelle des Gegners.

Doch schon die gut zweieinhalbstündige Fahrt zum Hamburger Airport erwies sich auf der verwaisten Autobahn als echte Abenteuer-Tour. Den regulären Starttermin hätten mein Weggefährte, Holstein-Mitarbeiter Patrick Nawe, und ich verpasst. Aufgrund der Witterung hatten sich die Flugpläne aber zu unseren Gunsten verändert.

In München gelandet, bot sich tatsächlich ein Bild von grünen Wiesen. Weiter ging's mit dem Leihwagen ins 106 Kilometer entfernte Burghausen. Die meiste Zeit davon über Land- und Kreisstraßen. Doch exakt mit dem Passieren des Ortsschildes gut drei Stunden vor dem geplanten Anpfiff (19 Uhr) öffnete der Himmel auch hier seine Schleusen. Und wie!

Als Schiedsrichter Florian Steinberg mit seinen Assistenten gegen 18 Uhr den Rasen des Wacker-Stadions begutachten wollten, stapften sie über eine 15 bis 20 Zentimeter dicke Neuschnee-Schicht. Verzweifelt mühten die die Burghausener Organisatoren um Räumung der weißen Pracht. Eine „Mission impossible“.

Trotz der irregulären Bedingungen und des Protestes von Störche-Cheftrainer Christian Wück bat der Unparteiische die Spieler zum abendlichen Winter-Ballett namens „Fußball ad absurdum“. Dass unter den 2500 Zuschauern mitten in der Woche nicht nur sieben akkreditierte Journalisten aus Kiel, sondern auch gut 50 Schlachtenbummler aus dem Norden waren, gehörte zu den Besonderheiten dieses in meiner Erinnerung kuriosesten Auswärtsspiels mit Holstein-Beteiligung. „Europapokal“, skandierten die Fans und hielten ein Transparent mit gleichem Schriftzug in die bitterkalte Bergluft.

Ex-Holstein-Trainer Christian Wück wartet wegen der schlechten Platzverhältnisse auf den Anpfiff.
Ex-Holstein-Trainer Christian Wück wartet wegen der schlechten Platzverhältnisse auf den Anpfiff. © Nawe

Die Störche, damals übrigens mit dem heutigen Hertha-Coach Alexander Nouri als Joker, rutschten beim verordneten Schneewalzer in entscheidenden Momenten etwas weniger als die bajuwarischen Kontrahenten und gewannen nach Toren von Massimo Cannizarro, „Dimi“ Guscinas und Benjamin Schüßler mit 3:0. Ein vom Ergebnis her perfekter Einstieg ins Punktspieljahr. Und doch nur einer von insgesamt drei Siegen in den 18 Partien bis zum Saisonende, der die Störche per Abstieg in Liga vier stürzte.

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Daran indes dachte an diesem Abend niemand. Und schon gar nicht die Reporter-Crew von der Förde. Ein netter Umtrunk mit Spezialitäten aus der Region in der einzigen, auf sanften Druck der Gäste seine Türen öffnenden Lokalität im beschaulichen Burghausen rundete den Abend ab. Niemand notierte mit Sorge, dass es immer weiter schneite.

Ein Zustand, der sich am nächsten Morgen ändern sollte. Nur dank einer schweißtreibenden Vormittagseinheit konnte das zunächst als gestohlen geglaubte Auto auf dem Hotel-Parkplatz von den Schneemassen befreit werden. Der Trip nach München? Eine lediglich mit viel Glück unbeschadet überstandene Schlitterpartie. Die Flüge nach Hamburg waren natürlich auch samt und sonders gestrichen.

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1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Die Konsequenzen des Wetter-Chaos': 90 Minuten Anstehen in der Schlange, dann am Schalter der Fluggesellschaft das Ticket kostenlos gegen eine Zugkarte eintauschen, 40 Minuten mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof München, Zweikampfstärke an den überfüllten Bahnsteigen beweisen und auch ohne mögliche Reservierung einen Sitzplatz für die lange Fahrt gen Heimat ergattern. Gegen 2 Uhr morgens, mittlerweile war es Freitag, der 12. Februar, stand ich wieder vor der Haustür. Die Schneewehe hatte sich verflüchtigt. Immerhin.