19. März 2020 / 16:39 Uhr

Opas Holstein-Blog: Wandergesellen an der Thülsfelder Talsperre

Opas Holstein-Blog: Wandergesellen an der Thülsfelder Talsperre

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Dieses Zeichen der Solidarität einiger Fan-Gruppierungen des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel verdient echte Anerkennung. Der „Block 501“ will aus eigenen Reihen einen Einkaufservice für „ältere, erkrankte, zur Risikogruppe gehörende und unter Quarantäne stehende Personen“ einrichten. Und stellt dazu gleich noch klar, dass es in diesem Zusammenhang keine Hamsterkäufe geben werde. Chapeau!

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Die Welle der Hilfsbereitschaft aus der Kieler Fußball-Familie rollt. Auch die SV Friedrichsort hat angekündigt, eine Hotline zwecks Unterstützung des von der Corona-Krise besonders betroffenen Personenkreises einrichten zu wollen. Bravo, weiter so!

Schickt auch ihr uns eure Tipps zur Bewältigung des so ernsten, in weiten Teilen fast surrealen Alltags. Was macht ihr gegen aufkommende Panik oder Langeweile? Wir freuen uns über Texte, Sprachnachrichten, kurze Video-Clips und Fotos. Adresse: KN Sportbuzzer-Facebook-Postfach. Oder setzt eure Beiträge direkt unter den Post.  

Und an alle Hirnlosen, die immer noch glauben, private Corona-Partys oder Rudelbildungen am Strand, auf gesperrten Spielpätzen, öffentlichen Grünflächen oder sonstwo seien cool: Ihr seid die reale Gefahr für die Gesellschaft. Sollte es, was keiner hofft, tatsächlich noch zu einer allgemeinen Ausgangssperre kommen, dürft ihr euch gegenseitig bewundern und Beifall klatschen: Jawoll, wir haben maßgeblich dazu beigetragen, dass jetzt alle noch mehr leiden müssen!“

In diesem Sinne: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte auf ein Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten - gesund bleiben!

Wandergesellen an der Thülsfelder Talsperre

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2003 zurück. Genauer gesagt, in den Januar 2003. Der Winter mit Schnee, Regen und Frost hatte die Trainingsplätze an der Förde arg in Mitleidenschaft gezogen. Holstein Kiels damaliger Chefcoach Hans-Werner Moors und dessen Assistent Bernd Heemsoth (heute Co-Trainer beim Pokal-Halbfinalisten 1. FC Saarbrücken) entschieden sich mit Blick auf die Rückrunde in der damals drittklassigen Regionalliga Nord kurzfristig für ein dreitägiges Lauf-Trainingslager. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Oldenburg/Niedersachsen und Cloppenburg sollten die Spieler auf Trab gebracht werden. Im Großraum Friesoythe nahe der Thülsfelder Talsperre.

Heemsoth hatte die Strecken durch den Wald abgesteckt und achtete mit eigener Laufaktivität auf die Disziplin der Akteure. Der heute 69-jährige Moors hingegen wollte als Fußgänger zu markanten Wendepunkten des Rundkurses stapfen, um dort seine Schäfchen zu kontrollieren.

Ex-KSV-Coach Hans-Werner Moors.
Ex-KSV-Coach Hans-Werner Moors. ©

Ein schöner Spaziergang – so dachte ich mir in meiner Funktion als medialer Berichterstatter. Und schloss mich Moors mit dessen freundlicher Genehmigung an. Treffpunkt war im Foyer des Teamhotels. An der großen Tafel, auf der in dicken Lettern der Ablaufplan des Tages mit genauen Essenszeiten, Besprechungen usw. zu lesen war. Bei Nichteinhaltung der vorgegebenen Uhrzeiten drohte eine Geldstrafe.

In der Idylle des dichten Waldes kamen der Trainer und der Journalist ins intensive Gespräch. Schon nach kurzer Zeit drehte sich nicht mehr alles um den Fußball. Privates, Familiäres – die Palette der Themen ist riesig, wenn zwischenmenschliche Sympathie wächst.

Spieler bei ihrer Arbeit sahen wir allerdings nicht, wir hatten uns trotz mitgeführter Landkarte der Region schlicht verlaufen. Eine Lichtung ähnelte der anderen. Komplette Orientierungslosigkeit. Auch die Oldschool-Handys von damals nutzten mangels verfügbarem Netz nichts. Der Blick auf die Uhr sorgte für zusätzliche Spannung, waren wir doch – ohne es zu merken – schon eine Spiellänge plus Verlängerung unterwegs.

Ich muss es zugeben, leichte Panik kam auf. Was nur tun? Da hinten, da schien der Wald endlich ein Ende zu nehmen. Und tatsächlich. Weite offene Ackerfläche. Am Horizont (gefühlt noch fünf Kilometer entfernt) ähnelte schemenhaft etwas einem Bauernhof.

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1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). Zur Galerie
1. Spieltag: Holstein Kiel spielt zu Hause gegen den SV Sandhausen 1:1-Unentschieden. Torschützen: 0:1 Behrens (4.), 1:1 Iyoha (54.). ©

Dort angekommen, folgte die nächste Mutprobe. Der keineswegs friedlich wirkende Hofhund witterte in uns eine Bedrohung. Vom wütenden Gebell seines wachsamen Vierbeiner aufgeschreckt, erschien der Hofbesitzer. Der konnte sich vor Lachen kaum halten, als er von unserer Odyssee hörte. Wies uns in sein Auto und fuhr zum Hotel. Die Fahrt dauerte „lediglich“ rund 20 Minuten.

Die Spruchkanonaden, die Hans-Werner Moors und ich in der Folge über uns ergehen lassen mussten, hatten es in sich. Kein Wunder, war doch der Zapfenstreich zum Mittagessen ausgerechnet vom Chef selbst nebst seinem unfreiwilligen Adjutanten um mehr als 90 Minuten überzogen. Die Höhe der Summe, die der ansonsten gestrenge Fußballlehrer als Sanktion in die Mannschaftskasse zahlen musste, ist nicht bekannt.

PS: Das erste Spiel der Rückrunde gewannen die Störche um Timo Schultz, Jens Dowe, Marek Trejgis und Lars Schiersand mit 2:1 gegen Dynamo Dresden. Am Ende der Saison landeten die Störche auf Rang zwölf.

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