23. März 2020 / 17:08 Uhr

Opas Holstein-Blog: Wojciks Wünsche wurden wahr

Opas Holstein-Blog: Wojciks Wünsche wurden wahr

Andreas Geidel
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News.
Opas Holstein-Blog - Anekdoten und News. © Andrè Haase
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Wir wollen an dieser Stelle in den Tagen der wirklich großen Sorgen weiter täglich ein wenig Ablenkung schaffen. Mit persönlichen Anekdoten aus der Historie der KSV Holstein, mit Neuigkeiten aus dem Nest der Störche, mit Videos und Bilderstrecken.

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Noch immer befinden sich die Profis des Fußball-Zweitligisten Holstein Kiel in Quarantäne. Immerhin aber schien zu Beginn dieser Woche die Sonne. Von frühlingshafter Aufbruchstimmung oder zumindest Ansätzen von Normalität konnte natürlich aufgrund der weltweiten Corona-Krise und ihrer weitreichenden Folgen deshalb keine Rede sein. Die Menschen halten sich bis auf wenige Ausnahmen an die Vorschriften zum Schutz aller. Doch die Gefahr lauert im Zeitfenster. Deshalb: Nicht einen Millimeter im solidarischen Kampf gegen das Virus nachlassen! So schwer es auch fällt, so groß die Versuchung auch ist, die auferlegten Ketten ein wenig in seinem eigenen Interesse zu lockern.Wir werden uns an dieser Stelle auch weiterhin bemühen, etwas Abwechslung in den surreal dahin wabernden Alltag zu bringen. Heute unter anderem mit einem Video mit Holstein-Stürmer Fabian Reese. Und morgen erwarten euch weitere Überraschungen.

In diesem Sinne: keine Hamsterkäufe, direkte Sozialkontakte auf ein absolutes Minimum beschränken, Hände waschen, Abstand halten, keine (ohnehin verbotenen) Rudelbildungen, weder zu Hause noch in der Öffentlichkeit - gesund bleiben!

Video mit freundlicher Unterstützung von Holstein Kiel

Videochat mit Fabian Reese

Wojciks Wünsche wurden wahr

Beamen wir uns einmal ins Jahr 2003 zurück. Genauer gesagt, auf den 24. Oktober 2003. Ein trister Freitagabend mit einem ebenso mausgrauen 1:1 des Fußball-Regionalligisten Holstein Kiel gegen den heutigen Bundesligisten SC Paderborn – live im Holsteinstadion beobachtet von 1730 Zuschauern.

Es war die Zeit, als zumindest bei drittklassigen Klubs wie den Kieler Störchen noch nicht jedes Zitat aus einem Gespräch zwischen Journalisten und Trainern, Spielern oder Funktionären von Vereinsseite autorisiert werden musste. Ein Prozedere, das im modernen Profifußball seit Jahren undenkbar ist. Und es war zugleich die Zeit, als Spielerberater ihre Klienten noch nicht vollständig entmündigt hatten. Und der eine oder andere Berufsfußballer sich seine eigenen Gedanken abseits der vorgegebenen Floskeln machte und diese auch in Worte fasste.

Wie beispielsweise Sebastian Wojcik. Das Offensivtalent, das in der Jugend die damals renommierte Nachwuchsakademie des SV Werder durchlaufen hatte, war im Sommer 2002 von RW Essen an die Förde gewechselt. Für einen Stammplatz hatte es im ersten Jahr bei den Störchen aber weder unter Interimscoach Daniel Jurgeleit noch unter dessen Nachfolger Hans-Werner Moors nicht gereicht. Anderthalb Monate vor diesem Abend hatte Gerd-Volker Schock die Amtsgeschäfte von Moors übernommen.

Sebastian Wojcik (li.) stellte die Weichen per Doppelpack auf Holsteins Heimsieg. Hier erzielt der ehemalige Essener den 1:1-Ausgleich. BVB-Keeper Matthias Kleinsteiber blieb keine Abwehrchance.
Sebastian Wojcik (li.) stellte die Weichen per Doppelpack auf Holsteins Heimsieg. Hier erzielt der ehemalige Essener den 1:1-Ausgleich. BVB-Keeper Matthias Kleinsteiber blieb keine Abwehrchance. © Uwe Paesler
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Für Wojcik indes blieb alles beim alten. Auch gegen Paderborn war er wieder erst sechs Minuten vor dem Abpfiff für den Brasilianer Daniel Teixeira eingewechselt worden. Beim Gang von der leeren Tribüne kam der damals 24-Jährige unerwartet auf mich zu, sprach mich an. Dass er mit seinen Einsatzzeiten unzufrieden sei, dass er im Training Vollgas gebe – und dennoch nicht in die Startformation käme. Dass er sich aber qualitativ deutlich besser einstufe. Ob ich diesen Zustand aus seiner Sicht in Form eines Zeitungsartikels öffentlich machen könnte?

Natürlich konnte ich. Denn auch mein Hinweis, dem schleswig-holsteinischen Grantler Schock könnten derartige Verbal-Soli schwer auf den Magen schlagen, änderte nichts an Wojciks Wunsch. Er wolle sich dadurch bewusst unter Druck setzen, lautete die von Angriffslust geprägte Antwort des Stürmers.

Schock zitierte nach dem entsprechenden Artikel zuerst mich zu sich, dann Wojcik. Während ich halbwegs unbeschadet aus Schocks Dunstkreis entfleuchen konnte, bekam Wojcik einen gehörigen Einlauf. Doch die erhoffte Wirkung blieb zunächst aus. Im folgenden Spiel bei Schalke 04 II (1:1) durfte der Aufmüpfige in eigener Sache nur noch fünf Minuten mitkicken.

Aber dann. Im Vorfeld der nächsten Heimpartie gegen Dortmund II nahm Schock seinen Angreifer zur Seite, raunzte ihn an, jetzt bekomme er die Chance, seinen großspurigen Sprüchen Taten folgen lassen – und wehe nicht! Wojcik kam erstmals in die Anfangself, sah und siegte. Mit einem Doppelpack zum 3:1-Erfolg. Fortan genoss der sich schon damals selbst der Handy-Sucht bezichtigende Spaßvogel den Status Stammkraft, erzielte in dieser Saison insgesamt elf Treffer - und wanderte im folgenden Sommer für zwei Jahre mit einem lukrativen Vertrag in der Tasche zum Hamburger Millerntor ab.

Diese Spieler haben Holstein Kiel in der Vergangenheit geprägt:

Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). Zur Galerie
Zu Saisonbeginn 2015/16 verpflichtete Drittligist Holstein Kiel Steven Lewerenz, der dort mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet wurde. 2017 stieg er dann mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga auf. In der Zweitligasaion 2017/18 absolvierte Lewerenz 30 Zweitligapartien für die Kieler und trug mit acht Saisontoren maßgeblich zum Erreichen des dritten Tabellenplatzes bei. Am 5. Januar 2019 schloss er sich bis zum Saisonende dem Zweitligisten 1. FC Magdeburg an. Seine Bilanz im Trikot der Störche: 110 Partien (30 Tore). ©
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