01. Mai 2019 / 17:37 Uhr

Optik-II-Trainer Timm Wardecki: "Fast jede Woche Rassismus"

Optik-II-Trainer Timm Wardecki: "Fast jede Woche Rassismus"

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Timm Wardecki trainiert die Optik-Mannschaft seit 2015 und sieht die Unparteiischen in der Pflicht. 
Timm Wardecki trainiert die Optik-Mannschaft seit 2015 und sieht die Unparteiischen in der Pflicht.  © Christoph Laak
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Kreisliga A Havelland: Der Trainer von Kreisligist Optik Rathenow II, bei dem fast die Hälfte der Spieler einen Migrationshintergrund haben, beklagt die rassistischen Äußerungen, die gegenüber seinen Spielern fast wöchentlichen vorkommen.

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Die Reserve von Optik Rathenow spielt in der Kreisliga A des Fußballkreises Havelland. Trainer Timm Wardecki wird regelmäßig mit rassistischen Äußerungen gegen seine Spieler konfrontiert. Der 24 Jahre alte Berliner Polizist möchte sich das nicht mehr gefallen lassen.

Kürzlich gab es in der Kreisliga B Havelland einen rassistischen Vorfall, der vom Schiedsrichter im Spielbericht vermerkt wurde. Laut Kreisverband war dies der erste aktenkundige rassistische Vorfall seit Ewigkeiten. Was sagen Sie dazu?

Timm Wardecki: Wir erleben bei fast jedem Spiel irgendeinen rassistischen Kommentar gegen irgendeinen unserer Spieler.

Warum ist Ihre Mannschaft so häufig betroffen?

Wir haben 26 Spieler in unserem Kader, davon hat rund die Hälfte einen Migrationshintergrund. Die Jungs kommen beispielsweise aus Somalia, Kamerun oder Syrien. Einige von ihnen sind aber schon hier aufgewachsen. Woher sie kommen, ist aber auch egal. Wichtig ist, dass auf dem Platz alle an einem Strang ziehen.

Was müssen sich die Jungs anhören?

,Der blöde Schwarze foult nur.’ ,Haut ihn um, die haben genug Flüchtlinge.’ Und so weiter. Sprüche sind okay, wenn es sich auf Fußball bezieht. Aber bei Rassismus und beim Aufruf, Spieler zu verletzen, ist eine Grenze überschritten. Aufforderungen, meine Spieler zu verletzen, werden häufiger. Es wird immer unangenehmer und schwerer, einfach nur Fußball zu spielen.

Kommen die Verbalattacken vom Gegner oder von draußen?

Der Impuls kommt meist von außen. Aber die Spieler lassen sich anstacheln, man sieht es daran, wie sie nach solchen Kommentaren in die Zweikämpfe gegen uns gehen.

Wie reagieren Ihre Spieler?

Manche kennen es aus dem Alltag. Manche verlieren im Spiel den Faden und die Konzentration. Sie wollen nicht verletzt werden oder lassen sich auch mal provozieren und spielen härter. Die Jungs merken aber auch, dass sie von unserer Mannschaft Zuspruch bekommen.

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Wie äußert sich das?

Zunächst muss man sagen, dass es die deutschen Spieler genau so trifft wie die anderen, sie stehen für die Mannschaft ein. Ich bin stolz, wenn sie zum Schiedsrichter gehen und Konsequenzen fordern.

Aber?

Wir haben die Schiedsrichter schon oft aufgefordert, Rassismus im Spielbericht zu vermerken.

Warum passiert nichts?

Ihre Ausrede ist, dass sie dann einen Sonderbericht schreiben müssten. Darauf haben sie keine Lust. Bei einem Spiel drohte unser Kapitän mit Spielabbruch, wenn nichts gegen den Rassismus unternommen wird. Er bekam die Gelbe-Rote Karte, das war ganz schwach vom Schiedsrichtergespann. Wir wollen sportlich auffallen, nicht durch Sonderberichte. Aber ich sehe die Unparteiischen mehr in der Pflicht. Das Thema wird von vielen immer wieder abgetan. Wir wollen im Endeffekt einfach fair behandelt werden.

Und die Gegner?

Gegnerische Teams, die die Rufe tolerieren, finde ich genauso schlimm wie die Rufer. Wir bekommen aber auch Zuspruch von Vereinen wie Borussia Brandenburg. Die haben auch Ausländer und sind sensibilisiert. Bei uns gibt es aber mehr Vorfälle, weil wir mehr Migranten haben. Bei manchen Vereinen gibt es sogar Sprüche gegen eigene Spieler mit Migrationshintergrund.

Sie trainieren die Mannschaft seit 2015, spüren Sie eine Entwicklung?

Nach dem Abstieg aus der Kreisoberliga mussten wir fast bei null anfangen. Zuerst hat man uns nicht so ernst genommen. Aber als wir spielerisch besser wurden, wurde es schlimmer. Die Leute haben uns immer mehr als Konkurrenz gesehen.

Wie gehen Sie persönlich damit um?

Manchmal ist es auch für mich schwer, mich zusammenzureißen. Deshalb hatte ich schon ein Gespräch mit dem Staffelleiter. Er sieht es ähnlich, dass es so nicht weitergeht. Je mehr wir uns gefallen lassen, umso schlimmer wird es. Die Jungs sind aus ihrer Heimat geflüchtet, weil sie ein friedliches Leben wollen. Aber sie merken, dass viele Deutsche ungerecht sind. Ich will einfach sensibilisieren, dass Rassismus nicht mehr salonfähig ist und den Fokus auf Fußball legen, nicht auf Nationalität oder Glauben.

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