09. Oktober 2021 / 18:11 Uhr

Optik Rathenow scheitert nach großem Kampf gegen Energie Cottbus erst in der Verlängerung

Optik Rathenow scheitert nach großem Kampf gegen Energie Cottbus erst in der Verlängerung

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Lucas Will (l.) traf für den FSV Optik Rathenow gegen Energie Cottbus zum zwischenzeitlichen 2:2.
Lucas Will (l.) traf für den FSV Optik Rathenow gegen Energie Cottbus zum zwischenzeitlichen 2:2. © Nico Roesenberger
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AOK-Landespokal: Im Duell der beiden Regionalliga-Konkurrenten setzt sich der Favorit aus Cottbus mit 4:3 in der Verlängerung durch, bis kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit hatten die Rathenower den Gegner am Rande einer Niederlage.

Nach dem Schlusspfiff lief Ingo Kahlisch applaudierend aufs Feld. Er war zufrieden, und das trotz der 3:4-Niederlage nach Verlängerung. Seine Mannschaft, der FSV Optik Rathenow, hatte im Achtelfinale des AOK-Landespokals gegen den favorisierten Regionalliga-Konkurrenten FC Energie Cottbus einen großen Kampf geliefert und bis kurz vor dem Ende der regulären 90 Minuten noch mit 3:2 geführt. "Das war ein Riesenevent für den FSV Optik Rathenow, eine geile Kulisse", sagte Kahlisch nach der Partie vor 656 Zuschauern im Stadion Vogelgesang.

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Gäste-Trainer Claus-Dieter Wollitz bilanzierte nach der Partie: "Wenn man in der zweiten Halbzeit der Verlängerung so ein Tor erzielt und gewinnt, ist das sicherlich glücklich." Er zählte allerdings in der ersten Hälfte der Verlängerung drei hundertprozentige Chancen, weshalb der Erfolg am Ende verdient gewesen sei. Zudem verwies er auf das Pensum der letzten acht Tage, in denen es das dritte Spiel für seine Mannschaft war. Das wollte Kahlisch allerdings so nicht stehen lassen, "ein Vollprofihaufen wie der von Pele Wollitz muss nicht heulen, wenn man alle drei Tage spielen muss", sagte er bei der Pressekonferenz, nach der sich die beiden Trainertypen noch einen kleinen Disput lieferten.

Nach Verlängerung: Optik Rathenow unterliegt Energie Cottbus.

Nach packenden 120 Minuten musste sich der FSV Optik Rathenow (rote Trikots) dem Regionalliga-Rivalen FC Energie Cottbus im Landespokal-Achtelfinale knapp mit 3:4 geschlagen geben. Zur Galerie
Nach packenden 120 Minuten musste sich der FSV Optik Rathenow (rote Trikots) dem Regionalliga-Rivalen FC Energie Cottbus im Landespokal-Achtelfinale knapp mit 3:4 geschlagen geben. © Nico Roesenberger

Auch in den 120 Minuten davor war ordentlich Feuer drin, es war ein echter Pokalfight, den sich die beiden Teams lieferten. Im Vergleich zum Ligaspiel beim BFC Dynamo (1:1) vor gut einer Woche brachte Ingo Kahlisch drei Neue. Vassilios Polichronakis, Emir Sejdovic und Pokal-Torwart Direnc Güven, der auch schon beim 3:0 über Union Fürstenwalde in der Runde zuvor im Kasten stand, begannen gegen die Cottbuser, die am Mittwoch in der Regionalliga noch 2:2 bei TeBe Berlin gespielt hatten.

Kahlisch: "Wir haben zweieinhalb sehr gute Torhüter"

Optik legte bei schönstem Fußballwetter den perfekten Start hin: Nach gut zwei Minuten schickte Angreifer Lucas Will Linksaußen Jonathan Muiomo und der blieb frei vor Energie-Torwart Toni Stahl eiskalt und erzielte das frühe 1:0. In der 7. Minuten kamen die Gäste erstmals gefährlich vor das Optik-Tor, nach einer Flanke von rechts kam Maximilian Pronichev völlig frei zum Kopfball, den er aber knapp über das Tor ging. Doch zwei Minuten später lag der Ball hinter Güven, Tobias Eisenhuth hatte ihn mit einem Kopfball überwunden. Zwei Minuten später das selbe Bild, wieder flankte Cottbus einen Ball von rechts, dieses Mal war Jonas Hildebrandt der Abnehmer, der zum 2:1 einköpfte. "Nach dem 1:0 haben wir uns zu früh nach hinten zurückgezogen. Für uns ging das Spiel erst nach dem 1:2 so richtig los", meinte Muiomo. Kahlisch ärgerte sich über die einmal mehr "einfachen Gegentor", die Rathenow in dieser Saison schon zu häufig kassierte.

Nach 15 Minuten feuerte Niclas Erlbeck einen schönen Distanzschuss ab, den Güven sehenswert parierte. Acht Minuten später musste er sich noch mehr strecken, einen Linksschuss von Ex-Herthaner Nikos Zografakis lenkte er mit den Fingerspitzen noch an den Pfosten zur Ecke. "Wir haben zweieinhalb sehr gute Torhüter", sagte Kahlisch, Lucas Hiemann habe vor der Saison aber die Nase vorne gehabt.

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Nach etwas Leerlauf wurde es in der 28. Minute strittig. Als Angreifer Lucas Will im Strafraum zu Fall kam, sprang die Optik-Bank kollektiv auf und forderte einen Strafstoß, doch die Pfeife von Schiedsrichter Tobias Hagemann blieb stumm. Optik-Co-Trainer Marcel Subke meinte zum verletzten Kapitän Jerome Leroy: "Und Benni kriegt dafür Rot" und spielte damit auf den Platzverweis von Ersatzkapitän Benjamin Wilcke beim Ligaspiel gegen den SV Babelsberg 03 an, der in einer ähnlichen Situation vom Platz musste.


Schon in der nächsten Szene gelang Muiomo fast der Ausgleich, sein schöner Volleyschuss aus 20 Metern strich aber nur wenige Zentimeter am linken Pfosten des Energie-Tores vorbei. Besser machte es dann Will in der 36. Minute. Robin Techie-Menson flankte von der rechten Seite, in der Mitte köpfte der Angreifer gegen die Laufrichtung von Energie-Keeper Stahl den 2:2-Ausgleich.

Doch es sollte noch nicht das Ende einer turbulenten ersten Hälfte sein. Will bekam auf der linken Seite den Ball zunächst in den Rücken gespielt, flankte anschließend in die Mitte, wo sich Muiomo gegen seinen Gegenspieler behauptete und zum 3:2 einschoss - Hagemann pfiff die Partie gar nicht mehr erst an und bat die Teams zur Pause.

Optik-Kicker Jonathan Muiomo (rotes Trikot, Nummer 10) erzielte gegen Energie einen Doppelpack.
Optik-Kicker Jonathan Muiomo (rotes Trikot, Nummer 10) erzielte gegen Energie einen Doppelpack. © Nico Roesenberger

Spektakulär ging es auch in der zweiten Hälfte, zu der Kahlisch Abdullah Dzafo und Kimbyze-Kimby Januario für Techie-Menson und Emil Gustavus brachte, los, als Emir Sejdovic einen Freitoß aus knapp 25 Minuten an das Außennetz setzte. Anschließend kam die Partie zumindest spielerisch etwas zur Ruhe, ein harmloser Freistoß von Energie-Kapitän Axel Borgmann über das Tor (61.) war noch die bemerkenswerteste Szene.

Kentu Malcolm Badu rettet Energie in die Verlängerung

In der 72. Minuten konnten sich die Optik-Feldspieler bei ihrem Keeper bedanken, als der gegen einen Schuss des eingewechselten Niklas Geisler aus kurzer Distanz einen bärenstarken Reflex auspackte und den Ball noch gegen den Pfosten lenkte. Vier Minuten später verlor er allerdings etwas die Orientierung im eigenen Strafraum und hatte Glück, dass Zografakis die Chance nicht nutzen konnte. Bei einem Schuss von Erik Engelhardt hatte der Optik-Keeper vier Minuten später dann allerdings keine Probleme.

Energie drückte nun auf den Ausgleich und schnürten die Rathenower in die eigene Hälfte, in der 82. Minute klärte Marc Langner einen Schuss auf der Linie. In der 85. Minute wurde der Druck allerdings zu groß, Kentu Malcolm Badu hatte frei vor Güven kein Problem, den Ausgleich zu erzielen. In der Nachspielzeit musste Güven nach einer Ecke noch zweimal zupacken und rettete die Optiker somit in die Verlängerung.

Physiotherapeut Robert Berlin sieht Rot

Auch dort waren vor allem die Cottbuser am Drücker, die größte Chance zum 4:3 hatte in der 105. Minute der eingewechselte Gian Luca Schulz, als er nach einer Parade von Güven den Nachschuss aus kurzer Distanz über das Tor drosch. In der 110. bot sich Rathenows Innenverteidiger Glodi Zingu die große Chance zum 4:3, doch sein Schuss ging links am Tor vorbei. Auf der anderen Seite passierte dies allerdings nicht, als Geisler eine zu kurze Kopfball-Abwehr vor seine Füße aus rund 18 Metern per Distanzschuss im Optik-Gehäuse unterbrachte (114.).

Der Frust bei den Rathenowern war groß, Physiotherapeut Robert Berlin sah kurz danach die Rote Karte von Hagemann, die Optik-Spieler legten sich mit der Energie-Bank an. Ein Schuss von Langner wurde in der 119. Minute noch abgeblockt, ein Kopfball in der Nachspielzeit von Stahl gehalten - es war die letzte Möglichkeit für die Hausherren, noch den Ausgleich zu erzielen. "Es ist bitter, so spät noch das Gegentor zu bekommen", sagte Doppeltorschütze Muiomo, der vor allem die starke Teamleistung von Optik herausstellte: "Wir sind als Mannschaft sehr geschlossen aufgetreten."

FSV Optik Rathenow: Güven - Polichronakis (84. Gröger), Wilcke, Zingu, Langner - Techie-Menson (46. Januario), Köhler, Gustavus (46. Dzafo), Muiomo (95. Kuffour) - Sejdovic, Will (79. Gündogdu).