24. Juni 2020 / 09:39 Uhr

Bei Optik Rathenow versteht man die Welt nicht mehr: "Totaler Blödsinn"

Bei Optik Rathenow versteht man die Welt nicht mehr: "Totaler Blödsinn"

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
Kurios: Während der 29-jährige Marc Langner (l.) nicht mit Kontakt trainieren darf, wäre das für den 26-jährigen Caner Özcin möglich.
Kurios: Während der 29-jährige Marc Langner (l.) nicht mit Kontakt trainieren darf, wäre das für den 26-jährigen Caner Özcin möglich. © Christoph Laak
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Regionalliga Nordost: Neue Verordnung zum Training mit Kontakt sorgt bei den Rathenowern um Trainer Ingo Kahlisch für große Verwunderung.

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Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre dürfen sich in Brandenburg nach der Corona-Pause sportlich wieder austoben. Laut einer Mitteilung des Sportministeriums können ab dem 25. Juni alle Sportarten „in vollem Umfang wieder betrieben werden. Diese Nachricht sorgte am Montag bei vielen Vereinen für große Freude, doch auch für mächtig Verwunderung – dürften bei einer Männerfußballmannschaft Teile des Teams am „normalen“ Training teilnehmen, während Spieler über 27 Jahren weiterhin kontaktlos trainieren müssten.

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Auch beim FSV Optik Rathenow hat man diese neue Verordnung zur Kenntnis genommen, wirklich verstehen kann man sie aber nicht. „Das ist ja totaler Blödsinn. Ich frage mich manchmal ernsthaft, wofür unsere Politiker ihr Geld bekommen. Diese Verordnung ist überhaupt nicht durchdacht. Sie hätten ihren Kopf besser einschalten sollen. Ich habe ja viele Entscheidungen unserer Regierung für sinnvoll gehalten, aber das Maß ist jetzt irgendwann auch mal voll“, echauffiert sich Optik-Trainer Ingo Kahlisch.

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. April 2021.

<b>Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13.</b> Zur Galerie
Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

Eigentlich wollten die Rathenower in der kommenden Woche die Vorbereitung auf die neue Spielzeit aufnehmen, daraus wird nun allerdings nichts. „Wir haben ein Hygienekonzept erstellt und waren auch mit der Stadt im Austausch, wie wir das alles hingekriegt hätten. Aber jetzt verschieben wir den Start noch einmal um ein paar Tage und warten ab“, verrät Ingo Kahlisch.

Denn auch beim FSV Optik wäre unter den gegebenen Umständen an ein normales Mannschaftstraining nicht zu denken. Jerome Leroy, Leon Hellwig, Benjamin Wilcke, Marc Langner und Emre Turan haben bei den Rathenowern das 27. Lebensjahr bereits erreicht und müssten separat trainieren. „Es kribbelt langsam richtig in den Füßen. Wir wollen einfach mal wieder gegen einen Ball treten“, erzählt dann auch der von der Verordnung direkt betroffene Marc Langner.

Ingo Kahlisch geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass diese Verordnung noch einmal überdacht wird: „In Sachsen oder Thüringen wurde beschlossen, dass wieder gespielt wird. Aber bei uns soll das weiterhin nicht möglich sein? Woidkes Tropical Island ist wieder offen. Das ist ein geschlossenes Gebäude und es dürfen bis zu 3000 Besucher wieder rein. Aber wir dürfen mit 20 Spielern nicht über einen Fußballplatz rennen. Da fehlt mir jegliches Verständnis.“ Außerdem sieht der Rathenower Trainer auch die wirtschaftliche Seite.

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„Auch wir Fußballvereine sind ja kleine Wirtschaftsunternehmen. Uns wird da aktuell die Grundlage entzogen. Darüber sollte man nachdenken, zumal wir auch ein Werbeträger für das Land Brandenburg sind“, appelliert Ingo Kahlisch noch einmal an die Politik, die jetzt getroffene Entscheidung schnellstmöglich zu überdenken.

Die neue Regionalliga-Saison soll unterdessen wohl am 15. August starten, auch deshalb wird der Trainingsstart vorerst noch verschoben. „Neben den genannten blödsinnigen Entscheidungen macht es aber auch keinen Sinn, die Jungs über neun oder zehn Wochen in der Vorbereitung trainieren zu lassen, das wäre einfach zu viel des Guten“, erklärt Ingo Kahlisch. Eine neue Verordnung der Landesregierung – mit weiteren Lockerungen – wurde zumindest schon einmal diskutiert.