17. Januar 2019 / 13:43 Uhr

Optische Täuschungen beim TSV Timke

Optische Täuschungen beim TSV Timke

Reiner Tienken
Weser-Kurier
Zwillinge
Gar nicht so einfach: Wenn sich Anna und Lisa Heins, Marina und Lorena Hastedt sowie Jule und Mascha Laucke (hinten von links) gemeinsam auf dem Platz befinden, wird es auch für die beiden Trainer Tobias Hecht und Jan Offermann etwas kompliziert. © Reiner Tienken
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Beim Frauen-Bezirksligisten TSV Timke spielen gleich drei Zwillingspaare

Stoff und Personal für eine Verwechslungskomödie bieten sich beim Frauenfußball-Bezirksligisten TSV Timke reichlich an. Der Verein aus den drei Timke-Dörfern, dessen Heimspielstätte in Kirchtimke liegt, bietet gleich ein Sextett an Zwillingen auf. Die Zwillinge Lorena und Marina Hastedt, Anna sowie Lisa Heins respektive Jule und Mascha Laucke eignen sich als Protagonisten mit hoher Verwechslungsgefahr auf und außerhalb des Rasenrechtecks.

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Mascha und Jule Laucke erblickten als eineiige Zwillinge das Licht der Welt. Jule Laucke ist 20 Minuten älter. Marina und Lorena Hastedt sowie Lisa und Anna Heins sind zweieiige Zwillinge. Marina Hastedt und Lisa Heins sind eine Minute länger auf der Welt als ihre Zwillingsschwestern. Fünf der sechs Zwillinge gehören fest zum Kader des Bezirksligisten. Lisa Heins läuft für den TSV Timke II in der Frauen-Kreisklasse Rotenburg auf. „Wir haben denselben Freundeskreis“, brechen die Hobby-Fußballerinnen eine Lanze für ihren Verein. Der TSV Timke ist bislang die einzige Fußball-Vereinsstation der Zwillingsschwestern. Mascha und Jule Laucke kommen als HSV-Fan daher. Lisa und Anna Heins sowie Lorena und Marina Hastedt sind Werder-Anhänger.

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Mehrere Zwillinge füllen auf dem Platz wichtige Positionen aus. Jule Laucke übernimmt als Libero Verantwortung. Marina Hastedt trägt als Akteurin im defensiven Mittelfeld zugleich die Kapitänsbinde. Der Trainer lässt bewusst noch mit einem Libero als Absicherung hinter der Abwehr spielen, um damit auch strittigen Abseitsentscheidungen mit einer Viererkette aus dem Weg zu gehen. „Die Schiedsrichter bewegen sich einfach nicht ausreichend“, kritisiert Tobias Hecht die Laufbereitschaft der Unparteiischen. Besonders auf Jule Laucke hält der Cheftrainer große Stücke: „Sie ist einer der besten Liberos im Kreis Rotenburg, superschnell und ruhig am Ball.“

Optimistisch in die Rückrunde

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Der TSV Timke ziert zur Winterpause allerdings dennoch das Tabellenende in der Bezirksliga West. Der Aufsteiger kämpfte mit Anpassungsprobleme. „Es ist schon ein deutlicher Unterschied zur Kreisliga Rotenburg. Es wird schneller und besser zusammengespielt“, bemerkt Lorena Hastedt. „Wir haben uns teilweise ziemlich blöd angestellt“, findet auch Kapitänin Marina Hastedt kritische Worte. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt haben die Timkerinnen nach der mauen Herbstserie aber längst noch nicht aufgegeben.

„Unsere Stärke war eigentlich immer, dass wir gut zusammenhalten“, lobt Lorena Hastedt den Teamgeist. Mehr Kaltschnäuzigkeit fordert hingegen der Trainer ein. „Wir spielen volle Pulle mit drei Stürmerinnen, müssen cleverer vor dem Tor werden“, sagt Tobias Hecht. Für die beiden Trainer ist es kein leichtes Unterfangen, die Zwillinge beim Training auseinanderzuhalten. Jan Offermann achtet bei Lorena und Marina Hastedt auf das Schuhwerk, um eine Verwechslung zu verhindern. „Marina hat gelbe Fußballschuhe, Lorena schwarze“, sagt der Co-Trainer. „Bei Jule und Mascha Laucke haben wir uns manchmal schwergetan, sie auseinanderzuhalten“, pflichtet Tobias Hecht bei, der sich diesen Umstand auch schon mal zum Vorteil macht und versucht, beim Gegner für Irritationen zu sorgen.

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„Ich schicke Jule mit nach vorne. Das verwirrt natürlich schon“, sagt Hecht schmunzelnd. Mascha und Jule Laucke stifteten so in vorderster Front bereits mehrfach Verwirrung. Verwechslungen unterlagen neben den Gegenspielerinnen auch den Schiedsrichtern auf dem Platz. Selbst der TSV Timke weiß ein Lied davon zu singen, dass es eine knifflige Aufgabe ist, die dreifache Ausfertigung der Zwillinge bildlich und namentlich richtig einzuordnen. Da wurden beispielsweise Fotos der Spielerinnenpässe von Vereinsseite irrtümlich verwechselt.

Mascha und Jule Laucke aus Westertimke begannen bereits mit sieben Jahren ihre Vereinslaufbahn. „Wir sind auf dem Sportplatz groß geworden“, bekräftigt Jule Laucke. Anna und Lisa Heins aus Ostereistedt starteten erst mit 18 Jahren ihr Fußball-Abenteuer. Marina und Lorena Hastedt aus Kirchtimke schnürten schon im Grundschulalter die Fußballschule für den TSV Timke. Dass die Zwillinge mitunter nicht gerade zimperlich miteinander umgehen, bekam Marina Hastedt nachhaltig zu spüren. Die Mannschaftsführerin des TSV Timke zog sich im Training bei einem unglücklichen Einsteigen ihrer Zwillingsschwester einen Bänderriss zu.

Die Zwillingspaare funken mit ihrem Coach auf einer Wellenlänge. „Tobias hat ganz großen Fußballverstand“, lobt Spielführerin Marina Hastedt. „Er motiviert die Leute“, urteilt Anna Heins. Artig gibt Tobas Hecht das Kompliment an die Spielführerin des TSV Timke zurück. „Marina Hastedt war vorher schon unser Kapitän. Sie kümmert sich richtig viel um die Mannschaft“, stellt der Trainer heraus. Ohnehin fühlt sich der Coach trotz des miserablen Tabellenplatzes noch pudelwohl beim Meister der Vorsaison. „Ich kenne keine Spielerin, die aus der Reihe tanzt. Der Respekt ist da“, deutet Tobias Hecht auf einen gesunden und vorbildlichen Teamgeist hin.

Der Co-Trainer Jan Offermann kommt bei den Timke-Zwillingen gleichfalls gut weg. „Jan ist eine liebe, nette Seele“, hebt Marina Hastedt hervor. Bei allem Ehrgeiz auf dem Platz verbindet die Spielerinnen ein großes Wir-Gefühl. „Wir sind alle auch Freundinnen geworden“, benennt Anna Heins eine positive Auswirkung, zu der die Leidenschaft für den Fußballsport im Frauenbereich beim TSV Timke führte.

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