06. November 2020 / 11:03 Uhr

Oschatz-Trainer Wiesner fordert: „Müssen schnell lernen“

Oschatz-Trainer Wiesner fordert: „Müssen schnell lernen“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Trainer Steffen Wiesner vom FSV Oschatz.
Steffen Wiesner ist genervt von der erneuten Zwangspause. © Gerhard Schlechte
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Der FSV Oschatz muss nach den positiven Corona-Tests nun mit der langen Zwangspause klarkommen. Durch die hohe Anzahl an Nachholespielen gibt es Überlegungen dazu, die Rückrunde wegzulassen. Das würde für die Oschatzer bedeuten, dass sie in den wenigen übrigen Spielen ihre Chancen nutzen müssen, um einen Abstieg zu verhindern.

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Oschatz. Nein, so richtig glücklich klingt Steffen Wiesner in diesen Tagen nicht. Der Trainer des FSV Oschatz ist nach seiner Corona-Erkrankung zwar wieder gesund, aber auch frustriert. „Die erneute Zwangspause macht mich fertig, wir wollen weiter Fußball spielen. Aber das ist alles nur noch Krampf“, sagt der 39-Jährige angesichts der Tatsache, dass seine Mannschaft im November nicht mehr trainieren und wohl in diesem Jahr auch keine Spiele mehr bestreiten wird – und niemand weiß, wie es weitergeht. „Irgendwann im Winter fangen wir vielleicht wieder bei Null an, das macht keinen Spaß mehr.“

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Zwischen dem ersten Lockdown im März und dem jetzigen zweiten lagen für den FSV verrückte siebeneinhalb Monate – mit einem Aufstieg am grünen Tisch, den ersten vier Begegnungen in der Fußball-Nordsachsenliga mit drei Niederlagen, mit vielen Verletzungen, zwei positiven Corona-Tests nebst Quarantäne und zuletzt drei Spielabsagen. Ja, Spaß ist etwas anderes.

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Am 3. Oktober absolvierte das Team sein letztes Punktspiel, eine Woche später erwischte das Virus Wiesner. Daraufhin mussten zehn Kicker und der Mannschaftsleiter, die engeren Kontakt zum Trainer hatten, in Quarantäne und sich ebenfalls testen lassen. Allesamt negativ, doch an Training war nicht zu denken und die Spiele gegen Schildau und bei Krostitz II wurden abgesagt.

Doberschütz-Spielabsage hatte etwas Positives

Am Dienstag vergangener Woche durfte die Mannschaft erstmals wieder zum Üben auf den Platz. Doch auch die für Sonnabend angesetzte Heim-Partie gegen Doberschütz-Mockrehna fiel der Pandemie zum Opfer. Grund: Einer der Stammspieler hatte sich schon Anfang der Woche schlecht gefühlt und sich vorsichtshalber testen lassen. Am Donnerstagabend kam das positive Ergebnis (er hatte sich bei seiner Freundin angesteckt), und weil es im Umfeld des Teams weitere Verdachtsfälle gab, setzte der Verband auch diese Begegnung ab. Danach galt ohnehin der Lockdown.

Für Steffen Wiesner hatte die Absage des Kellerduells gegen Doberschütz zumindest aus sportlicher Sicht etwas Positives: „Es war ein wichtiges Spiel, der Gegner stand voll im Saft, während wir zwei Wochen nicht trainieren durften. Außerdem hätten uns mehrere Stammkräfte verletzt gefehlt.“

Wiesner: „Chancenverwertung ist das A und O“

Wie schon oft in der bisherigen Mini-Saison. Demba Mbye und Oliver Erdmann haben noch keine Minute gespielt, zudem zierten Nico Födisch, Jan Röhner und Jason Siegel die Ausfall-Liste, zeitweise auch Spielmacher und Torjäger Johannes Runge. „Insofern bin ich mit unseren Auftritten nicht gänzlich unzufrieden. Wir haben bewiesen, dass wir mithalten können, auch wenn wir uns mehr Punkte erhofft hatten“, sagt Wiesner.

Drei sind es bisher, resultierend aus dem einzigen Sieg, dem deutlichen Heim-3:0 über die Delitzscher Reserve. Zum Start hatte es ein bitteres 0:1 auf eigenem Platz gegen Belgern gegeben, danach ein umkämpftes 2:4 beim SV Mügeln-Ablaß. „Da waren wir jeweils auf Augenhöhe, aber vor allem im Abschluss nicht clever genug“, meint der Trainer, „die Chancenverwertung ist das A und O, und da haben wir bisher große Schwächen gezeigt.“

Gewiss nicht auf Augenhöhe präsentierte sich seine Mannschaft bei der 0:5-Klatsche in Schenkenberg, und deshalb war Steffen Wiesner überrascht, als Concordia-Coach Sven Roos anschließend sagte, dass ihm die offensive Spielweise der Oschatzer imponiert habe und sich diese bald auch bezahlt machen werde. „Das klang ein bisschen wie Hohn in meinen Ohren“, berichtet Wiesner, „Zählbares wäre mir lieber gewesen als Lob für Kombinationsfußball nach einer klaren Niederlage. Aber ganz unrecht hat der Kollege ja nicht. Wir werden unserem offensiven Stil treu bleiben und weiterhin nach spielerischen Lösungen suchen.“

Gibt Überlegungen auf die Rückrunde zu verzichten

Doch Coolness im Abschluss ist eben nicht das einzige FSV-Problem. „Wir haben Schwierigkeiten mit robust verteidigenden Gegnern und lassen uns oft den Schneid abkaufen“, weiß der Oschatzer Trainer, „der jungen Mannschaft fehlt noch die Erfahrung, sie muss in den Zweikämpfen widerstandsfähiger werden und insgesamt effektiver. Das ist ein Lernprozess, und wir müssen schnell lernen.“

Möglicherweise bleibt nicht viel Zeit dazu. Angesichts der Pandemie und der jetzt schon hohen Zahl an Nachholspielen gibt es Überlegungen, die Saison nur in einer einfachen Serie zu bestreiten und auf die Rückrunde zu verzichten. Die durch den Oschatzer Aufstieg vom Verband aufgestockte Liga wird wieder auf 14 Teams reduziert, und falls aus der Landesklasse mehrere nordsächsische Teams runterkommen, könnte das statt wie geplant drei Absteigern sogar vier bedeuten.

Da sollte sich der FSV bald aus der Gefahrenzone begeben – wenn denn irgendwann wieder gespielt wird. „Nichts anderes als der Klassenerhalt ist das Ziel“, versichert Wiesner, „und ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir das Potenzial dafür haben, da bleibe ich Optimist.“ Derzeit rangiert sein Team als Zwölfter knapp vor den Abstiegsplätzen, hat aber drei Begegnungen weniger ausgetragen als die vor den Oschatzern liegende Konkurrenz aus Bad Düben und Süptitz.