26. Juni 2020 / 15:33 Uhr

Osetkowski hat die Saison für die BG Göttingen zum Besseren verändert

Osetkowski hat die Saison für die BG Göttingen zum Besseren verändert

Kathrin Lienig
Göttinger Tageblatt
24 Punkte und elf Rebounds – wieder mal ein Double-Double. Dylan Osetkowski schreit nach dem knappen 72:71-Heimsieg gegen Alba Berlin seine Freude heraus.
24 Punkte und elf Rebounds – wieder mal ein Double-Double. Dylan Osetkowski schreit nach dem knappen 72:71-Heimsieg gegen Alba Berlin seine Freude heraus. © Harald Kuhl
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Wer regelmäßig mit Johan Roijakkers zu tun hat, lernt seine zwei Gesichter kennen. Während der Basketball-Saison ist der Trainer der BG Göttingen fokussiert, zurückhaltend mit Informationen. Nach dem Ende, wenn der Druck abgefallen ist, ist der 39-Jährige offen, erzählt viel über das Team und seine Spieler.

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Mit dem siebten Platz haben die Bundesliga-Basketballer der BG Göttingen die Saison 2019/20 abgeschlossen. Es war für Headcoach Johan Roijakkers eine Spielzeit, die wahrscheinlich immer in Erinnerung bleiben wird – hat doch die coronabedingte Pause nicht nur für eine lange, komplette Unterbrechung gesorgt. Sie ist auch mit einem bislang einmaligen Final-Turnier zu Ende gegangen. Wie in den Jahren zuvor, hat der Niederländer nach dem Viertelfinal-Aus in München auf die Saison und die Entwicklung der einzelnen Spieler zurückgeblickt.

Dominic Lockhart: „Er hat sich weiterentwickelt, war schon immer ein guter Verteidiger, hat inzwischen aber auch Vertrauen in seinen Wurf bekommen. Jetzt ist er ein guter Distanzwerfer und Verteidiger und hat in dieser Saison einen großen Schritt nach vorn gemacht. Ich würde ihn gern auch für die kommende Saison verpflichten.

Dominic Lockhart
Dominic Lockhart ©
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Kyan Anderson: „Er war nach der Operation zum Ende der Vorsaison in Bayreuth außer Form, als er in Göttingen angekommen ist, aber er war immer positiv und bereit sich reinzukämpfen. Wir haben ihm Perspektive geboten, was er machen musste, um zu spielen. Wenn er dann einmal losgelassen wird, gehört er zu den besten Guards der Liga. Und dann hatten wir plötzlich nicht nur einen , sondern zwei gute Guards. Das war für uns super. Die Entscheidung, die BG zu verlassen und zu einem ungarischen Verein zu wechseln, hat mich nicht überrascht, weil der Trainer mich angerufen hat. Sein neuer Agent hat noch niemals einen Spieler gehabt, der in Deutschland unterschrieben hat. Als er zu diesem Agenten gewechselt ist, wusste ich schon, dass er nicht zurückkehrt.“

Auf die Göttinger Fans lässt Kyan Anderson nichts kommen. Er freut sich auf deren Unterstützung in Hamburg.
Kyan Anderson © Swen Pförtner

Elias Lasisi: „Er hatte Höhen und Tiefen – ein gutes und dann wieder drei schwache Spiele. Dazu kam die Krankheit, als er Probleme mit der Lunge hatte, das hat ihn zurückgeworfen. Am Ende hat er in Braunschweig und gegen Hamburg zwei Spiele konstant gut gespielt, an beiden Seiten des Spielfeldes – und dann kam Corona. In der Pause hat er sich wohl nicht gut genug fit gehalten, als es in die Vorbereitung auf das Turnier in München ging, war er verletzt. Das war für uns ein Zeichen, ihn keinen neuen Vertrag unterschreiben zu lassen. Einen verletzten Spieler kann man nicht zum Turnier mitnehmen, das kostet nur Geld. Man hat das bei anderen Mannschaften gesehen, die haben verletzte Spieler mitgenommen. Das ist aber nur Geld wegschmeißen. Das machen wir nicht.“

Elias Lasisi beim Korbleger im Spiel bei s.Oliver Würzburg.
Elias Lasisi © Becker

Alex Ruoff: „Er hat uns im Training gleich geholfen, es war schnell zu sehen, dass andere Spieler durch ihn besser geworden sind. Bei der knappen Niederlage in München, als Alex nicht gespielt hat, war sein Anteil an dem guten Spiel doch sehr groß. Weil wir in der Woche richtig gut trainiert haben. Das war vielleicht sogar die beste Trainingswoche in meinen acht Jahren in Göttingen. Als er unterschrieben hatte, hat er uns sehr gut geholfen. Wir hatten eigentlich zwei Stars mit Kyan und Dylan, aber Alex hat dann noch einen Extra-Push gegeben. Am Ende kamen dann aber die Verletzungen. Er ist fit, aber sein Körper ist eigentlich alt. Man hat das im Turnier gesehen. Eine Sache passiert und er ist wieder raus. Da war er nicht der Alex, wie wir ihn kennen. Da hatte er einfach nicht das Niveau.“

Alex Ruoff
Alex Ruoff © Eibner-Pressefoto/Dimitri Drofitsch

Dennis Kramer: „Er hat sich nicht wirklich weiterentwickelt, das meine ich aber nicht negativ. Wir waren schon zufrieden mit Dennis. Für ihn war es gut, dass Darius Carter raus war. Beide haben sich auf der Centerposition mit ihrer Einsatzzeit komfortabel gefühlt. Als Dylan dann da war, hatte Dennis einen Big Man vor sich, der 30 Minuten spielen konnte. Das war gut für ihn. Er hatte einige Spiele, in denen er uns viel geholfen hat, aber auch viele Spiele, in denen er in Foul-Trouble geraten ist. Er kann keine ganz große Rolle spielen, weil er eben schnell mal fünf Fouls in 15 Minuten macht. Wir wollen ihn gern behalten. Wir schätzen, was wir an ihm haben und natürlich weiß auch die Familie, was sie an Göttingen hat.“

Dennis Kramer
Dennis Kramer © Eibner-Pressefoto /Markus Foerster

Marvin Omuvie: „Er ist eigentlich ein Spieler, mit dem wir in diesem Jahr noch nicht so gerechnet haben. Er hat einen Zwei-Jahres-Vertrag bekommen. Das erste Mal hat er mich überzeugt in den letzten zwei Minuten beim Heimsieg gegen Oldenburg. Das waren wichtige Minuten für ihn. Da habe ich mir schon gedacht, dass es möglich ist, ihn immer mal wieder in ein Spiel reinzuwerfen. Das Berlin-Spiel war das absolute Highlight. Da hat er für uns das Spiel gewonnen. Seine Rolle ist unkonstant, im Turnier hat er mehr gespielt. Das hat er auch verdient. Er soll nächste Saison mehr auf den Positionen vier und fünf spielen. Er hat sich gut entwickelt, ist ein harter Arbeiter.“

Göttingens Marvin Omuvwie bei der Humba gegen Alba Berlin.
Göttingens Marvin Omuvwie bei der Humba gegen Alba Berlin. © Swen Pförtner

Mihajlo Andric: „In dieser Saison hat Mihajlo eine ganz andere Position gespielt als in der Spielzeit zuvor. Er hat nicht so gut geworfen und hatte nicht so richtig gute Spiele, aber er macht auch viele Sachen, die in der Statistik nicht so auftauchen. Mihajlo hat ohne Probleme seine neue Rolle akzeptiert. Es war nicht einfach für ihn. Er kann nicht seinen eigenen Wurf kreieren, er ist abhängig von seinen Mitspielern. Wenn die anderen nicht gut sind, ist er auch nicht gut.“

Mihajlo Andric steht den BG-Fans beim SPORTBUZZER-Fan-Talk Rede und Antwort.
Mihajlo Andric © Pförtner

Mathis Mönninghoff: „Er arbeitet immer hart, ist ein guter Verteidiger, hat kein Entwicklungspotential mehr, ist aber für einen Trainer ein Spieler, den man sehr schätzt, weil er immer gut trainiert. Am Ende der normalen Saison war es ein Luxus für mich, dass ich ihn als zwölften Spieler auf der Bank hatte. Das möchte ich auch nächstes Jahr gern haben. Im Turnier hat er gute Spiele gemacht, ist einige Male in der Starting Five gewesen, weil er auch gute Dinge ohne Ball macht. Er wird nicht mehr besser, er ist, wie er ist. Das meine ich nicht negativ.“

Mathis Mönninghoff (r.) kennt die Löwen Braunschweig schon seit vielen Jahren.
Mathis Mönninghoff  © Swen Pförtner

Adam Waleskowski: „Er kam im Austausch mit Darius Carter aus Frankfurt und war ein Luxus für mich, weil er der dritte Big Man in meinem Team war und einen deutschen Pass hat. Zum Ende der Hauptrunde hat er uns gut geholfen, als Alex verletzt war und er auf der Position vier gespielt hat. Da sieht man, wie wichtig es ist, einen tief besetzten Kader zu haben.“

Adam Waleskowski
Adam Waleskowski © Swen Pförtner
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Dylan Osetkowski: „Dylan ist der einzige Grund, warum wir eine so gute Saison hatten – nicht Alex, nicht Kyan. Er hat alles verändert, sein erstes Heimspiel gegen Oldenburg haben wir mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Das war für mich das Signal, komplett auf Dylan zu setzen und Darius nicht mehr einzuplanen. Er hat auch in den Phasen, in denen er nicht so viel gespielt hat, gut und hart trainiert. Er hat viel gelernt, er ist ein sehr guter Typ – auf und auch neben dem Spielfeld. Er hat die Saison für die BG Göttingen zum Besseren verändert. Das war die beste Entscheidung, die wir getroffen haben. Ich kannte ihn schon, allerdings war er nie auf dem europäischen Markt. Dann hat er seinen Agenten gewechselt. Das war der von Tre Coggins und Jesse Sanders. Der hat mich dann gleich gefragt, ob ich Interesse habe. Natürlich hatte ich Interesse, aber wir konnten ihn nicht bezahlen. Wir wussten auch, dass wir einen neuen Center brauchen, weil Darius und Dennis zusammen nicht gut genug waren. Der Agent hat ihn ebenfalls in Ulm angeboten und dort gesagt, dass ich auch Interesse habe. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass Dylan auch einen deutschen Pass bekommen wird. Ulm hat ihm einen Dreijahresvertrag gegeben und ihn ausgeliehen, damit er sich bei uns entwickeln kann. Und jetzt hat Ulm einen deutschen Big Man mit Erfahrung. Das ist unheimlich schlau. Für uns war es das größte Geschenk, das wir bekommen konnten. Ohne Dylan hätten wir nicht mehr als drei, vier Spiele gewinnen können.“

Dylan Osetkowski im Trikot der BG Göttingen

Dylan Osetkowski jubelt nach einem Dunking. Am Ende verbuchte er gegen München ein Double-Double. Zur Galerie
Dylan Osetkowski jubelt nach einem Dunking. Am Ende verbuchte er gegen München ein Double-Double. ©

Terry Allen: „Er musste lernen, wie man „winning basketball“ spielt. Am Anfang war er einer der Spieler mit den besten Statistiken, aber einer der Spieler, der trotzdem einer der schlechteren war. Aber er hat das wirklich umgedreht und in all den Spielen, in denen er nicht so viele Punkte gemacht hat, hat er uns richtig geholfen zu gewinnen. Er ist ein guter Typ. Ab Januar hat er an beiden Seiten des Spielfeldes geholfen, damit wir gewinnen. Wir würden ihn gern behalten, aber das wird nicht passieren. Wir hatten nie ein Probleme mit ihm, er fordert nichts, er macht seine Sachen. Er ist einer der einfachsten Spieler, die ich je gehabt habe. Er ist so ein lieber Junge, genauso wie Bennet.“

Terry Allen 
Terry Allen  © Eibner-Pressefoto / Uwe Koch

Bennet Hundt: „Er ist nach Göttingen als ein Spieler gekommen, den niemand wollte. Wir haben die Chance genutzt. Er war in bester Verfassung, als er ankam. Im Gegensatz zu Kyan. Und dann hatte er einen Trainer, der gesagt hat, dass der Beste spielt und das war dann eben ein 21-jähriger Deutscher. Er hat seine Chance genutzt und ist unheimlich auf und neben dem Spielfeld gewachsen. Einige Spiele hat er zwischendurch nicht so gut gespielt, da hat er versucht wie Kyan zu spielen, aber das ist schief gegangen. Ich denke, das kam von draußen. Er muss sein Spiel spielen. Das kann man ihm auch so sagen, weil er clever ist. Und dann hatte ich plötzlich zwei richtig gute Point Guards. Am Ende der Hauptrunde, als Alex verletzt war, war ich fast ein bisschen glücklich, dass ich beide zusammen spielen lassen konnte. Da waren beide zufrieden. Und in München hatte ich dann so viel Vertrauen in Bennet, weil seine seine Qualität viel besser geworden ist. Er hat einen großen Anteil an dieser erfolgreichen Saison. Er war sehr professionell. Er ist auch ein Spieler, der noch einmal anruft und nicht nur Textnachrichten schickt. Das sagt auch viel über seine Persönlichkeit.“

Bundestrainer Rödl hat Bennet Hundt von der BG Göttingen nominiert.
Bennet Hundt © Swen Pförtner

Kevin Bryant: „Er war nicht in Form, als er hier angekommen ist. Ich hatte mehr mit ihm gerechnet. Wenn man drei, vier Monate verletzt ist, dann kann man das nicht mehr umbiegen. Deshalb hat er keine Chance bekommen und ich habe ihn auch nicht zu Turnier mitgenommen, weil ich wusste, dass er nicht spielen würde.“

Kevin Bryant als Vorbild für die Grundschüler in Friedland.
Kevin Bryant © R

Die drei Nachrücker: „Jito Kok und Leon Williams waren die perfekte Wahl – etatmäßg, weil wir Geld sparen mussten und weil beide mich und unser System kannten und weil sie die Backup-Rolle angenommen haben. Sie sind gute Typen, die Chemie hat auch mit ihnen sofort gestimmt. Jito hat gezeigt, dass er gute Ansätze hat, ein BBL-Big-Man zu werden. Leon hat das auch gut gemacht, er hat Bennet geholfen. Wir haben das erste Spiel gewonnen, weil die richtigen Spieler bei uns unterschrieben haben. Für Erol Ersek war es nicht einfach, er hat noch nie vorher BBL gespielt, aber man hat gesehen, dass er Spielverständnis hat, um auf diesem Niveau zu spielen. Für ihn war die Zeit zu kurz, um mit uns zu interagieren. Er kannte uns nicht, da hatten Jito und Leon Vorteile. In einem Spiel hat Erol seine Chancen bekommen, das hat leider nicht so geklappt. Aber er ist noch jung, wird seine Schritte machen.“