13. April 2020 / 19:02 Uhr

Ostern in Berlin statt Italien für Familie Canalis Wandel

Ostern in Berlin statt Italien für Familie Canalis Wandel

Matthias Schütt
Märkische Allgemeine Zeitung
Lenny Canalis Wandel verbrachte die Osterfeiertage im Kreise der engsten Familie zu Hause in Berlin. Auf Ravioli musste er aber nicht verzichten.
Lenny Canalis Wandel verbrachte die Osterfeiertage im Kreise der engsten Familie zu Hause in Berlin. Auf Ravioli musste er aber nicht verzichten. © Privat
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Der Kapitän des Landesligisten Fortuna Glienicke wuchs auf der Insel Sardinien auf und hat viele Angehörige in Italien. Aufgrund des Coronavirus verbrachte der 29-Jährige die Osterfeiertage im engsten Familienkreis daheim.

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Es war anders als sonst. Nicht wie das Gewohnte und Liebgewonnene in den Vorjahren. Denn statt wie so oft zuvor mit seiner ganzen Familie die Osterfeiertage in Italien auf der Insel Sardinien zu verbringen, blieb Lenny Canalis Wandel daheim in Berlin. „Ich kann mich gar nicht dran erinnern, wann ich zuletzt nicht zu Ostern in Italien war“, sagt der 29-jährige Fußballer, der für Fortuna Glienicke in der Landesliga Nord spielt. Dort führt der gebürtige Berliner die Glienicker als Kapitän auf das Feld. Die vergangenen Tage verbrachte er zusammen mit seinen beiden Söhnen und seiner Frau in den heimischen vier Wänden – da wurden dann auch zusammen die Ostereier gesucht. „Anders geht es ja auch gar nicht in diesen Tagen“, sagt der Deutsch-Italiener.

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Dessen Familie verteilt sich nicht nur in Berlin – zahlreiche Familienmitglieder leben in Italien. „Wir stehen vor allem mit meinen Cousins und Cousinen in Kontakt. In diesen Tagen mehr als sonst. Es gilt fast so etwas wie eine Meldepflicht“, erklärt der Fußballer, der zwar in Berlin geboren wurde, die ersten sechs Jahre aber im italienischen Padru lebte und dort aufwuchs. Doch dann ging es für ihn zurück nach Deutschland. „Ich bin im Erwachsenenalter immer zweimal im Jahr dorthin geflogen. Ostern war immer ein Termin davon und als Feiertage sehr wichtig für die Familie. Das hatte für uns alle gemeinsam einen sehr hohen Stellenwert. Es war ein Zusammenkommen, um die Familie zu feiern“, berichtet Canalis Wandel. „Wir waren dann immer um die 30 bis 40 Personen vor Ort. Das war immer sehr schön und man kann es sich so lebensfroh vorstellen, wie man die Italiener kennt. Doch dieser Zustand ist gerade nun einmal komplett anders.“

In den letzten Jahren verbrachte Lenny Canalis Wandel (mit Sohn Leonardo) Ostern in Italien.
In den letzten Jahren verbrachte Lenny Canalis Wandel (mit Sohn Leonardo) Ostern in Italien. © Privat

Denn die Stimmung in Italien hat sich mittlerweile rapide geändert. Strikte Bestimmungen zur Eindämmung des Coronavirus halten das Land am Mittelmeer in Atem, dazu kommen ständig aktualisierte Zahlen von Neu-Infektionen und Toten. „Deshalb war das Thema von Anfang an näher an mir dran, da ich auch Familie in Mailand und Norditalien habe. Mich bedrückt das alles sehr“, sagt der 29-Jährige, der in den vergangenen Wochen wenig bis gar keinen Kontakt zu seinen Eltern hatte, „die aufgrund ihres Alters zu der Risikogruppe gehören.“

Ostersonntag gab es Ravioli

So wird derzeit viel über Facetime, Skype und WhatsApp kommuniziert. „Wir haben zudem über die Feiertage ein virtuelles Ostereiersuchen veranstaltet“, sagt der Fortuna-Kapitän. Zumindest auf das Ravioli-Essen seiner Mutter am Ostersonntag musste der 29-Jährige nicht verzichten. Diese brachte Canalis Wandel, wie auch seinen Brüdern, das Gericht vorbei – allerdings wurde das Essen ohne die Eltern eingenommen. „Ich kann keinem etwas vorschreiben. Wir halten uns strikt an die Bestimmungen und Regeln. Denn Zustände wie sie teilweise in Italien herrschen, wollen wir in Deutschland nicht haben“, sagt Canalis Wandel. „Ich weiß aufgrund meiner Familie von den schlimmen Zuständen in Italien. Es ist eine extreme Situation für alle. Diese Wochen sind hart.“

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Daher hofft er auch bald auf Besserung. Dabei geht es dem Fußballer mehr um die Menschen, als um den Sport. „Ich bin Sportler, dass bedeutet aber nicht nur Fußball. Die aktuelle Unterbrechung hat aber etwas die Augen geöffnet. Die Gesundheit der Menschen ist wichtiger. Da muss der Sport in dieser Zeit einfach hinten anstellen“, meint Canalis Wandel, der sich deshalb auch nicht an Spekulationen über einen möglichen Saisonabbruch und etwaige Wertungsszenarien beteiligen will. Immerhin steht der Aufsteiger aus Glienicke in der Landesliga aktuell auf Tabellenplatz zwei in der Nordstaffel, hat nach 17 absolvierten Partien nur drei Zähler Rückstand auf Tabellenführer SV Zehdenick.

Canalis Wandel: "Aktuell gibt es wichtigere Dinge"

Nach Ablauf der Hinrunde war der Liganeuling sogar Spitzenreiter. Da hatte auch Canalis Wandel seinen Anteil dran, der in 15 Saisonpartien bisher für die „Fortunen“ auf dem Platz stand und einen Treffer erzielte. „Ich beteilige mich an Diskussionen, wenn es eine Entscheidung vom Verband gibt, wie es weiter geht“, so Canalis Wandel. „Noch denke ich aber nicht an den Fußball oder an die Saison. Aktuell gibt es wichtigere Dinge.“