12. Januar 2019 / 06:00 Uhr

Ottmar Hitzfeld wird 70! Michael Henke exklusiv: "Er würde noch heute bei jedem Verein der Welt funktionieren"

Ottmar Hitzfeld wird 70! Michael Henke exklusiv: "Er würde noch heute bei jedem Verein der Welt funktionieren"

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Traum-Duo: Gemeinsam feierten Trainer Ottmar Hitzfeld und Assistent Michael Henke große Erfolge mit dem FC Bayern München. Im SPORTBUZZER gratuliert Henke seinem ehemaligen Chef zum Geburtstag.
Traum-Duo: Gemeinsam feierten Trainer Ottmar Hitzfeld und Assistent Michael Henke große Erfolge mit dem FC Bayern München. Im SPORTBUZZER gratuliert Henke seinem ehemaligen Chef zum Geburtstag. © imago
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Die Trainer-Ikone Ottmar Hitzfeld wird 70 Jahre alt. Zum Geburtstag hat sich der SPORTBUZZER mit einem Mann unterhalten, der Hitzfeld wie nur wenige andere kennt: Sein langjähriger Assistent Michael Henke spricht über Arbeit mit dem Ex-BVB- und Bayern-Trainer. Er glaubt, dass Hitzfeld noch heute "bei jedem Verein der Welt funktionieren" würde.

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Am Samstag feiert einer der erfolgreichsten deutschen Fußballtrainer aller Zeiten seinen 70. Geburtstag: Ottmar Hitzfeld. Der gebürtige Lörracher gewann zwei Mal die Champions League (1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit dem FC Bayern München) und führte seine Mannschaften zu sieben Deutschen Meisterschaften (zwei mit dem BVB, fünf mit den Bayern). Hitzfeld ist der einzige Trainer weltweit, der es geschafft hat, mit zwei Mannschaften aus dem gleichen Land die Königsklasse zu gewinnen.

Im SPORTBUZZER-Interview verrät sein langjähriger Assistent Michael Henke nun, was den Trainer und Menschen Ottmar Hitzfeld so sehr auszeichnet.

Herr Henke, es gibt vermutlich kaum jemanden, der Ottmar Hitzfeld besser kennt als Sie. Was wünschen Sie Ihrem langjährigen Boss außer natürlich Gesundheit zu seinem Ehrentag?

Ich wünsche ihm, dass es auch in den nächsten 15, 20 Jahren so bleibt, dass er all seine Schritte selbst bestimmt. Denn ich weiß, dass ihm genau das seine Zufriedenheit bringt.

Wie regelmäßig stehen Sie noch miteinander in Kontakt?

Wir sehen uns zwar nicht so oft, schreiben uns oder telefonieren aber permanent. Ihn interessiert, was ich mache, und umgekehrt. Natürlich reden wir auch über Fußball, über aktuelle Dinge wie die Bayern-PK oder den Aufschwung beim BVB. Aber auch über private Sachen, zum Beispiel über seine Enkelkinder und seine Rolle als Opa, in der Ottmar voll aufgeht.

Titel, Tore, Emotionen: Die Trainerkarriere des Ottmar Hitzfeld

Die Karriere von Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld ist mit Titeln gespickt. In dieser Bildergalerie blicken wir auf die Karriere der BVB- und FC-Bayern-Legende zurück. Zur Galerie
Die Karriere von Trainer-Legende Ottmar Hitzfeld ist mit Titeln gespickt. In dieser Bildergalerie blicken wir auf die Karriere der BVB- und FC-Bayern-Legende zurück. ©
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Michael Henke: "Ottmar wusste immer, wer und was wichtig ist"

Sie haben über zwölf Jahre zusammengearbeitet – was ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

Puh, wir haben so viele Sachen zusammen erlebt. Es fing damit an, als ich ihn zum ersten Mal kennengelernt habe. Ich war Co-Trainer beim BVB unter Horst Köppel, und Manager Michael Meier bat mich, Ottmar am Flughafen abzuholen, der sich das letzte Saisonspiel anschauen wollte. Wir haben dann sofort gemerkt, dass wir ziemlich gleich ticken, ähnliche Ansichten haben, was den Fußball angeht. Und dann gab es natürlich im Laufe der Zeit sehr, sehr viele emotionale Momente.

Wie die beiden Champions-League-Siege mit Bayern 2001 und Dortmund 1997?

Na klar, aber auch Niederlagen wie das verlorene Finale 1999 gegen Manchester United – das war ein brutales Negativerlebnis. Und gerade nach solchen Rückschlägen zeigt sich, wie gut eine Beziehung Co-Trainer und Trainer wirklich funktioniert, wie in einer Ehe. Er hat das damals überragend moderiert und genau die richtige Linie gefunden im Umgang mit der Mannschaft und vor allem mit den Führungsspielern. An so einer Sache kann ein Team zerbrechen, aber Ottmar wusste immer, wer und was wichtig ist. Er hat seine Leader wieder abgeholt und eingeschworen. Menschenführung war eine seiner größten Qualitäten.

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Wie hat sich das ausgewirkt?

So etwas kann man nicht lernen. Das hast du oder hast du nicht. Und wenn man heute mit Spielern spricht – selbst mit solchen, die unter ihm kaum gespielt haben – hört man nie ein negatives Wort. Weil er immer menschlich geblieben ist, immer geradeaus war. Er war kein klassischer Spielerfreund, hat niemals Zweifel an seiner Autorität aufkommen lassen. Aber jeder wusste stets, woran man bei ihm ist.

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Könnte Hitzfeld heute auch noch auf Topniveau arbeiten, oder hat sich das Geschäft zu sehr verändert?

Wenn er die Power und die Lust hätte, würde Ottmar auch heute bei jedem Verein der Welt funktionieren – davon bin ich felsenfest überzeugt. Weil er diese Eigenschaft hat, die für mich noch immer die wichtigste für einen Trainer auf höchstem Niveau ist: die erwähnte Menschenführung. Wer das nicht hat, kann sich ganz oben nicht bewegen.

Hatten Sie ein Verhältnis auf Augenhöhe, oder war die Rollenverteilung immer klar: Er ist der Chef und Sie sein Assistent?

Nein, wir haben unsere Autoritäten immer gegenseitig akzeptiert. Für mich war es klar, dass er immer die letzte Entscheidung trifft, aber wir hatten keine Geheimnisse voreinander, es gab praktisch keinerlei Tabus. Wir hatten sehr tiefgehende Gespräche, gerade im Trainingslager hat man abends bei einem Glas Wein zusammengesessen und über alles gesprochen. Er war eher der Analytiker, ich vielleicht etwas emotionaler.

Hat er Ihnen auch von seinem Burnout erzählt?

Nein, er hat sich das überhaupt nicht anmerken lassen. Er hat mich nach dem Champions-League-Sieg mit dem BVB informiert, dass er aufhört, weil er ausgebrannt ist. Im gleichen Gespräch hat er gesagt, dass er eine Anfrage von Real Madrid hatte, woraufhin ich natürlich Feuer und Flamme war. Aber er meinte, dass er diese Aufgabe aktuell nicht packt und eine Auszeit braucht. Ich konnte damit gut leben, weil ich wusste, dass er sich das ganz genau überlegt hat. Wie bei jeder Entscheidung in seinem Leben.

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"Hitzfeld wäre sicher ein super Bundestrainer gewesen"

Auch den Bundestrainerjob hat er abgelehnt – im Nachhinein ein Fehler?

Er wäre sicher ein super Bundestrainer gewesen, allerdings kannte ich die Gründe, und es passte ihm damals einfach nicht. Aber natürlich hätte das noch gut in seine Vita reingepasst.

Hitzfeld wirkt immer sehr reserviert und sachlich. Haben Sie ihn auch anders erlebt?

Ottmar ist in Wahrheit ein sehr emotionaler Mensch. Aber das zeigt er fast nur in seinem privaten Umfeld. Ausnahmen wie beim Abschied von Bayern oder nach den großen Erfolgen gab es natürlich auch. Da war es aber oft ein Gefühl der Gelöstheit und auch der Dankbarkeit. Er hat in diesen Momenten nie vergessen, dass er nicht alleine auf der Welt war, sondern wir alle zusammen etwas erreicht haben. Auch das zeichnet ihn aus.

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