04. April 2022 / 18:44 Uhr

Ghana-Coach bei der WM und Talente-Trainer beim BVB? Wie Otto Addo seine Zukunft plant

Ghana-Coach bei der WM und Talente-Trainer beim BVB? Wie Otto Addo seine Zukunft plant

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Otto Addo ist aktuell noch beim BVB als Talente-Trainer angestellt. Der Job als Chef-Coach von Ghana winkt ihm jetzt.
Otto Addo ist aktuell noch beim BVB als Talente-Trainer angestellt. Der Job als Chef-Coach von Ghana winkt ihm jetzt. © IMAGO/Kirchner-Media (Montage)
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Otto Addo steht nach SPORTBUZZER-Informationen in den kommenden Wochen vor einer wichtigen Entscheidung. Der Vertrag des Ex-Profis bei Borussia Dortmund als Talente-Trainer läuft am 30. Juni aus, in Ghana warten die Verantwortlichen der Nationalmannschaft auf eine Antwort. Es gibt ein Wunschmodell.

"Wenn du zurückkommst, werden wir dich kidnappen. Wir werden dir nicht erlauben, nach Dortmund zurückzukehren." Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo war ex­trem gut gelaunt und scherzte in einem Telefongespräch mit Otto Addo. Der frühere Bundesliga-Profi ist in dem westafrikanischen Land ein Held: Gerade führte der 46-Jährige als Interimstrainer die Nationalmannschaft zur WM nach Katar, ausgerechnet gegen Erzfeind Nigeria.

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"Mir war es wichtig, eine Einheit zu schaffen – auf und neben dem Platz. Es war schön zu sehen, wie die Jungs in sehr kurzer Zeit meinem Anspruch an Kompaktheit, Disziplin und Mentalität gerecht wurden", sagt der Coach im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem der SPORTBUZZER gehört. Nach dem 0:0 im Hinspiel erkämpften seine "Black Stars" ein 1:1 und sicherten sich somit das Ticket für die Winter-WM. Addo stellte die Taktik während des Spiels mehrmals um, wechselte zur Pause dreimal – und brachte die "Super Eagles" völlig aus dem Konzept. "Ich war überrascht, dass die Truppe die Herausforderung meistern konnte, die drei von mir vorgegebenen Systeme in kürzester Zeit so umzusetzen", gibt Addo offen zu. "Die Mannschaft hat Unglaubliches geleistet. Die Jungs sind mit einer positiven Einstellung und Teamspirit hervorragend mit teilweise harten Entscheidungen vom Trainerteam umgegangen", so Addo, der auf den Schultern seiner Spieler durch die Kabine getragen wurde. Sie alle wünschen sich nun eine Zukunft mit dem Ex-Bundesliga-Profi im Nationalteam.

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Allerdings ist die aktuelle Situation nicht so einfach. Zwar ist Addo vertraglich nur noch bis zum 30. Juni als Talentecoach an Borussia Dortmund gebunden und wäre danach frei für die Aufgabe als Ghanas Cheftrainer, doch auch beim BVB, wo er seit 2019 arbeitet, schätzt man ihn sehr und würde gern verlängern. Trainer Marco Rose adelte Addo erst vor wenigen Tagen: "Er macht hier einen hervorragenden Job, arbeitet mit den Talenten, macht Videoanalysen, schaut viele Nachwuchsspiele. Er macht das super."

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Ghana und BVB: Addo plant Doppeljob

Addo steckt also ein Stück weit in der Zwickmühle, denn er hat dem BVB viel zu verdanken. "Ich konnte von hervorragenden Trainern wie Lucien Favre, Edin Terzic und Marco Rose schon sehr viel lernen", sagt er. Mit ihm als Assistent von Terzic holten die Schwarz-Gelben den DFB-Pokal, aktuell arbeitet er vor allem analytisch mit Toptalenten wie Jude Bellingham und Youssoufa Moukoko, führt viele Gespräche und kann seine eigenen Ideen mit einbringen. "Dadurch, dass ich mich noch intensiver und individueller mit den Spielern auseinandersetze, hat mir das auch für meinen Umgang mit den Nationalspielern geholfen", sagt Addo, der in Zukunft am liebsten beide Positionen bekleiden möchte, denn auch von seiner Tätigkeit in der Heimat schwärmt er: "Es hat mich sehr beeindruckt, wie ich mit offenen Armen aufgenommen wurde. Unvergessen bleibt der Empfang nach der Ankunft in Ghana."

Bei der WM treffen die "Black Stars" in ihrer Gruppe auf Portugal, Südkorea und Uruguay. "Wenn wir bei 100 Prozent sind, können wir jeden schlagen", sagt Addo selbstbewusst. Er benutzt bewusst das Wort "wir" und geht offenbar fest davon aus, dass er beim ersten Spiel gegen Portugal am 24. November in jedem Fall auf der Bank sitzen wird – auch wenn sein Fokus in den nächsten Wochen nun erst mal wieder voll auf der Aufgabe beim Revierklub liegt.

Danach könnte das Modell für die Zukunft sein: Addo bleibt dem BVB als Talentetrainer erhalten und coacht Ghana bei der WM. Allerdings müssten sich darauf auch alle Beteiligten einlassen.

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