29. November 2019 / 09:22 Uhr

Paderborn-Blogger Stephan Simann: "Niemand kommt auf die Idee, zu pfeifen"

Paderborn-Blogger Stephan Simann: "Niemand kommt auf die Idee, zu pfeifen"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Stephan Simann ist seit 10 Jahren Fan des SC Paderborn. Die Fanszene hält er mit seinem Blog #schwarzundblau und dem Podcast „PaderCast stets auf dem Laufenden. 
Stephan Simann ist seit 10 Jahren Fan des SC Paderborn. Die Fanszene hält er mit seinem Blog "#schwarzundblau" und dem Podcast „PaderCast" stets auf dem Laufenden.  © Getty Images/Privat
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Seit zehn Jahren schlägt Stephan Simanns Herz für den SC Paderborn. Vor dem Duell gegen RB Leipzig verrät der Blogger und Podcaster, warum die Stimmung bei seinem Verein trotz Tabellenplatz 18 nicht kippt und warum er keine großen Proteste der SCP-Fans erwartet.

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Paderborn. Der gebürtige Brandenburger Stephan Simann bezeichnet sich selbst als Quereinsteiger-Fan. Seit seinem ersten Stadionbesuch 2009 wuchs Jahr für Jahr die Liebe zum SC Paderborn. Es folgten die erste Dauerkarte, Auswärtsfahren, sein Blog "#schwarzundblau" und der Podcast „PaderCast". Vor dem Duell mit RB Leipzig verrät er, warum die Fans trotz einer schweren Phase zu Team und Trainer halten, wer im Abstiegskampf ein wichtiger Faktor werden könnte und was die Absage der Kooperation zwischen RBL und SCP für den Verein bedeutet hat.

Herr Simann, wie ist die Stimmung nach dem 3:3 am vergangenen Wochenende gegen Dortmund?

Es sind gemischte Gefühle. Einerseits freust du dich über eine unglaubliche erste Halbzeit und bist positiv fassungslos. Andererseits, wenn du das 3:3 in der 93. bekommst, fühlt sich das auch ein bisschen wie eine Niederlage an. Ich habe ein paar Stunden, vielleicht auch ein paar Tage gebraucht, um da Positives herauszuziehen. Im Vorfeld hätte man das Ergebnis ja so unterschrieben.

Es scheint ein Stück weit die Geschichte der Saison zu sein. Paderborn spielt gut, aber zu oft springt wenig oder gar nichts dabei heraus. Wie lange machen die Fans das mit?

Ich würde sagen, bis zum Ende der Saison. Es ist ein richtiger Schulterschluss zwischen Fans, Spielern und Trainer zu erleben. Das kannte ich vorher in dieser Intensität so nicht. Die Mannschaft wird nach teilweise deftigen Niederlagen aufgebaut. Der Trainer kommt immer in die Kurve und bedankt sich. In Dortmund stand er auf dem Zaun und hat mit den Zuschauern abgeklatscht. Und die Fans nehmen das auch gern an. Da ist ein wahnsinniger Zusammenhalt. Niemand kommt auf die Idee, zu pfeifen. Selbst wenn wir sang- und klanglos absteigen.

Zehrt die Situation nicht trotzdem?

Ich ziehe nach einer knappen Niederlage natürlich nicht feiernd durch die Stadt. Aber man versucht in Paderborn aus den Fehlern der vergangenen Jahre zu lernen. Jeder weiß, wie schnell es in die andere Richtung gehen und wie viel schlimmer es tatsächlich sein kann. Es ist nicht lang her, dass man beinahe in die Regionalliga abgestiegen wäre.

Es klingt fast so, als würde Ihnen auch das harte Restprogramm der Hinrunde mit unter anderem Leipzig, Frankfurt und Gladbach als Gegner gar keine Sorgen bereiten.

Die bitteren Niederlagen haben wir hinter uns. Der Abstiegskampf ist grottenschlecht. Da ist es ärgerlich, dass Paderborn gerade keine bessere Rolle spielt. Wir haben gegen Mainz, Augsburg und Berlin verloren, wo man sich eigentlich mehr ausgerechnet hätte. Was jetzt vor uns liegt, nehmen wir mit und schauen, was passiert. Wir sind auch gegen größere Teams nicht chancenlos.

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Was ist diese Saison für Paderborn noch möglich?

Ich bin von Natur aus Fußball-Pessimist. Natürlich rechne ich mit dem Abstieg. Ich habe aber ein bisschen Hoffnung, dass wir bis zum Ende der Hinrunde den Abstand zu Platz 16 bei vier bis maximal fünf Punkten halten. Das wäre ok und man hätte noch eine Außenseiterchance. Außerdem waren wir in der zweiten Saisonhälfte in den vergangenen Jahren immer stärker und haben deutlich weniger Tore kassiert.

Welcher Spieler hat das Potenzial, im Abstiegskampf zum entscheidenden Faktor, also zum Spieler der Saison zu werden?

Aktuell halte ich die größten Stücke auf Sebastian Schonlau, einen unserer Innenverteidiger, der auch ein Eigengewächs ist. Er hat eine Karriere hingelegt, mit der ich nicht immer gerechnet habe. Leider war er anfänglich verletzt, aber jetzt ist er in der Innenverteidigung sehr wertvoll und hat auch bei der Spieleröffnung Fähigkeiten, die man braucht. Er kann den Unterschied machen.

Vor der Saison wurde viel über eine Kooperation mit RB gesprochen. Was hätte das für die Paderborner Identität bedeutet?

Das wäre schwer vorhersehbar gewesen, weil niemand genau wusste, wie die Zusammenarbeit ausgesehen hätte. Ich würde es eher ins Positive umkehren. Ich glaube, man hat die Identifikation mit dem Verein dadurch gestärkt, dass man die Kooperation nicht eingegangen ist. Da ist der Zusammenhalt gewachsen, auch wenn das Thema die Fans am Anfang eher gespalten hat.

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Welchen Einfluss hatten die Anhänger auf die Entscheidung?

Meine persönliche Meinung ist, dass die Fans es maßgeblich beeinflusst haben, dass die Kooperation nicht umgesetzt wurde. Die offizielle Stellungnahme hat das zwar entschieden verneint, aber bei den Aktionen, die groß gefahren wurden, und dem recht konstruktiven Austausch haben die Fans eine entscheidende Rolle gespielt.

Wird es von Fanseite am Samstag Protestaktionen geben?

Ich tue mich da schwer mit einer Einschätzung. Ich vermute, es wird nichts Großes passieren. Ich glaube nicht, dass wir noch mal ganz groß auffahren und ganz entschiedene Kritik von der Tribüne kommen wird, weil sie schon umfassend geäußert wurde. Da ist man eher bedacht, einen Haken an die Sache zu machen und will sich auf das Sportliche konzentrieren. Aber man weiß bei Fanszenen ja nie.

Wie lautet Ihr Tipp?

Der Pessimist in mir hat 3:0 für Leipzig getippt. Der Optimist hofft auf einen knappen 1:0-Sieg.

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