22. Oktober 2020 / 10:50 Uhr

Pannewitz: Ich war nicht reif für den Job als Profi

Pannewitz: Ich war nicht reif für den Job als Profi

Kai Rehberg
Ostsee-Zeitung
Kevin Pannewitz zu Gast in der Talkrunde „Nachtcafé, die am Dienstag in der ARD lief.
Kevin Pannewitz zu Gast in der Talkrunde „Nachtcafé", die am Dienstag in der ARD lief. © NachtcafÉ/SWR
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Ex-Hanseat zieht in Talkshow über Aufstiege und Abstürze eine Zwischenbilanz seines bisherigen Lebens 

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​Seine sportlichen Höhepunkte waren überschaubar, dafür machte er umso mehr durch Eskapaden, Disziplinlosigkeiten und Fehltritte von sich reden. Und deshalb überraschte es auch nicht, dass sich Kevin Pannewitz am Dienstagabend in der ARD-Talkrunde Nachtcafé zum Thema „Aufstiege und Abstürze“ wiederfand. An der Seite von anderen Gästen, wie der Pop-Sängerin Julia Neigel, die sich jahrelang in ihrer Band gefangen sah, oder Ex-Topmodel-Kandidatin Theresia Fischer, die sich ihre Beine verlängern ließ und durch die Heirat eines deutlich älteren Mannes mit ihrer Familie brach, passte der frühere Hansa-Profi mit seinem turbulenten Leben voll ins Schema.

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Gelassen und durchaus reflektiert schaute der inzwischen 29-Jährige, mit Bart und deutlichen Rundungen, vor 840 000 Zuschauern (Marktanteil 6,9 Prozent) auf seine Karriere zurück – oder das, was sie mal werden sollte. Statt Schule hatte bei ihm schon früh der Fußball Vorrang. „Ich habe mich dafür entschieden, nicht so viel zu lernen, als lieber mehr zu trainieren“, blickt der deutsche A-Jugend-Meister 2010 zurück. Von seinem bevorstehenden Profi-Debüt als 18-Jähriger, so erzählte er es bei Talkmaster und Ex-Sportstudio-Moderator Michael Steinbrecher, habe er vom damaligen Hansa-Trainer Andreas Zachhuber am Handy in der Straßenbahn erfahren. Am 2. November 2009 war es so weit. Das Nordderby gegen St. Pauli ging 0:2 verloren, aber der junge Pannewitz traf die Latte – und stand plötzlich im Fokus. „Es war dann sehr viel Rummel um mich“, erinnerte sich das damals in höchsten Tönen gepriesene Mittelfeld-Talent. „Ich war aber gar nicht reif dafür, null Komma null.“

Rasanter Aufstieg, tiefer Fall: Die Karriere von Kevin Pannewitz in Bildern.

<b>Rasanter Aufstieg, tiefer Fall: Klickt euch durch die Karriere von Kevin Pannewitz.</b> Zur Galerie
Rasanter Aufstieg, tiefer Fall: Klickt euch durch die Karriere von Kevin Pannewitz. ©

Und er trug kräftig dazu bei, dass sich daran nicht viel änderte. Ständige Gewichtsprobleme, Unpünktlichkeit, mit Alkohol-Fahne beim Training. „Mein Job hat nicht dazu gepasst“, sagt Pannewitz heute einsichtig. „Ich war an Leuten orientiert, die waren die falschen.“ Dass er 2011 beim Trainingsauftakt wegen 400 Gramm Übergewicht „anderthalb Stunden um den Platz laufen“ musste, findet er bis heute ungerecht. Doch es war nicht sein einziger Ausrutscher, Suspendierungen folgten.

Mit dem Wechsel von Hansa zum VfL Wolfsburg sollte Ende 2011 alles besser werden. Stattdessen ging es für den Berliner aber weiter bergab. Denn statt im Bundesliga-Team kickte er in der VfL-Reserve in der 4. Liga. Die nächsten Stationen klingen nicht viel interessanter: Goslar, Altglienicke, Oranienburg. Der frühere Kandidat für die Junioren-Nationalmannschaft war endgültig im Amateurfußball gelandet.

Die Krebserkrankung seiner Mutter und ihr schneller Tod warfen Pannewitz, der damals gerade zum Probetraining bei einem US-Klub war, völlig aus der Bahn. „Ich hatte keine Lust mehr, war zu Hause, habe nichts mehr gemacht außer gegessen und zugenommen“, gesteht er. Nur einmal noch packte ihn der Ehrgeiz: als ihm 2017 ein Vertrag bei Drittligist Jena winkte. Statt der geplanten 25 Kilo speckte er sogar 36 Kilo ab. „Bis ich dann wieder mit Übergewicht zum Training kam. Das waren schon fünf, sechs Kilo zu viel“, erinnert sich Pannewitz. Folge: fristlose Kündigung.

Zurück in Berlin arbeitete er als Möbelpacker. Dass er dabei von Kunden erkannt wurde, habe ihn nicht gestört. „Mir war nur unangenehm, dass ich so dick war.“ Halt gibt ihm heute seine Familie. Durch die Geburt seines Kindes vor fünf Jahren „habe ich den Sinn des Lebens erkannt, sagen wir mal so“, meint Pannewitz. „Ich brauche keinen Lamborghini. Für mich ist wichtig, dass es meiner Frau und dem Kind gut geht.“

Kicken tut er nur noch zum Spaß in der Kreisliga. „Aber“, sagt Kevin Pannewitz, „ich habe noch ein, zwei Projekte. Vielleicht komme ich ja noch mal zurück.“