10. Dezember 2020 / 13:06 Uhr

Aufstiegsheld, Wettbetrüger, Weltstar: Diese fünf Momente prägten die Karriere von Italien-Legende Rossi

Aufstiegsheld, Wettbetrüger, Weltstar: Diese fünf Momente prägten die Karriere von Italien-Legende Rossi

Jens Strube
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sein größtes Spiel: Bei der WM 1982 in Spanien traf Paolo Rossi mit Italien auf die hochfavorisierten Brasilianer (Junior im Bild). Italien gewann überraschend mit 3:2 durch drei Tore von Rossi und zog ins Halbfinale ein. Am Ende holten die Azzurri den WM-Pokal.
Sein größtes Spiel: Bei der WM 1982 in Spanien traf Paolo Rossi mit Italien auf die hochfavorisierten Brasilianer (Junior im Bild). Italien gewann überraschend mit 3:2 durch drei Tore von Rossi und zog ins Halbfinale ein. Am Ende holten die Azzurri den WM-Pokal. © 1982 Getty Images
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Paolo Rossi hat die Fußball-Nation Italien zum Jubeln gebracht. Jetzt ist die Stürmer-Legende gestorben. Auch deutsche Fans erinnern sich noch an Rossis Tore bei der WM 1982. Der SPORTBUZZER hat fünf Momente seiner großen Karriere zusammengetragen.

Die Fußball-Welt trauert: Die italienische Stürmer-Legende Paolo Rossi im Alter von 64 Jahren verstorben. Der Weltmeister von 1982 soll an einer unheilbaren Krankheit gelitten haben. "Es wird niemals jemanden wie dich geben, einzigartig, besonders, nach dir ist das absolute Nichts", schrieb seine Frau bei Facebook. Rossi galt als Legende in seinem Heimatland. Besonders den deutschen und brasilianischen Fußballfans dürfte er in Erinnerung geblieben sein. Rossi war ein Torjäger, der die Geschichte des Fußballs prägte. Der SPORTBUZZER zeigt seine größten fünf Momente.

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Vom Juve-Talent zum Aufstiegshelden

In der Nachwuchsabteilung von Traditionsklub Juventus Turin ausgebildet, ging es für den jungen Paolo Rossi im Jahr 1975 auf Leihbasis in die zweite italienische Liga zum AC Como. In sechs Einsätzen gelang ihm kein Treffer. Anders sah es die Saison darauf aus, als er an den Zweitliga-Konkurrenten Vicenza Virtus abgegeben wurde. Mit 21 Treffern avancierte der damals 20-jährige Rossi zum Torschützenkönig der Serie-B-Saison 1976/77. Parallel trug er mit seinen Toren maßgeblich zur Zweitliga-Meisterschaft und damit zum Aufstieg in die Serie A bei. Im gleichen Jahr wurde er erstmals in die Nationalmannschaft Italiens berufen.

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Vom Aufstiegshelden zum Serie-A-Torschützenkönig

Lange Anlaufzeit brauchte Rossi nicht in seiner Premierensaison in Italiens höchster Spielklasse. Er machte gar genau da weiter, wo er in der zweiten Liga aufgehört hatte: Tore am Fließband zu erzielen. Am Ende erzielte Rossi überragende 24 Treffer und verhalf Aufsteiger Vicenza umgehend zur Vizemeisterschaft - hinter Ex-Klub Juventus Turin. 1978 gab Rossi zudem mit 21 Jahren sein WM-Debüt bei der Weltmeisterschaft in Argentinien, erzielte im Turnierverlauf drei Treffer. Italien wurde am Ende Vierter.

Vom kommenden Weltstar zum Wettbetrüger

Nach dem überraschenden Abstieg von Vicenza nach der grandiosen Vorsaison wechselte der Stürmer zur Saison 1979/80 zum AC Perugia. Um den neuen Star samt Ablöse finanzieren zu können, setzte Perugia auf Trikotsponsoring. Ein Novum, noch nie zuvor hatte es das im italienischen Fußball gegeben. Dann folgte das vermutlich dunkelste Kapitel in der Karriere von Paolo Rossi. In jener Saison wurde er beschuldigt, die Partie gegen Avellino (2:2, Rossi traf zweimal) manipuliert zu haben und damit Teil des italienischen Fußball-Wettskandals von 1980 zu sein. Er wurde für drei Jahre gesperrt, wobei die Strafe am Ende auf zwei Jahre reduziert wurde. Bitter dennoch: Rossi, der die Anschuldigungen bis zum Ende bestritt, verpasste dadurch die EM 1980 im eigenen Land. Trotz der Sperre nahm ihn 1981 Juventus Turin wieder unter Vertrag.

Vom Wettbetrüger zum WM-Helden

Im April 1982 war Rossi wieder spielberechtigt. Trotz der langen Pause wurde er vom damaligen Nationaltrainer Enzo Bearzot für die WM 1982 in Spanien nominiert. Die Kritik war laut in Italien, sollte sich aber bald in Verehrung umkehren. Nach einer schwachen Vorrunde wurde Rossi im zweiten Spiel der zweiten Finalrunde zum frenetisch gefeierten Star. Gegen den haushohen Favoriten Brasilien drehte der Knipser auf, erzielte beim überraschenden 3:2-Sieg alle Treffer für die Italiener. Im Land der Selecao herrschte Schockzustand, der Nationaltrainer wurde nach der Ankunft von heimischen Fans mit faulem Obst beworfen. Offensivstar Zico sagte nach dem Spiel den legendären Satz: "Der Tag, an dem der schöne Fußball starb."

Italien zog durch den Sieg ins Halbfinale ein, wo das Team Polen durch zwei Rossi-Treffer mit 2:0 besiegte. Im Finale wartete Deutschland. Besagter Rossi traf zum 1:0, Italien holte sich am Ende durch ein 3:1 den Titel. Mit sechs Turniertoren wurde Rossi Torschützenkönig und gleichzeitig als bester Spieler der WM-Endrunde ausgezeichnet. Ein Weltstar war geboren, der im selben Jahr noch mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet wurde.


Vom WM-Helden zur Fußball-Legende

Nach der WM hatte Rossi seine größten Vereinserfolge mit Juventus Turin. Mit Michel Platini und Zbigniew Boniek an seiner Seite bildete er einen legendären Angriff in der Serie A. in der Saison 1982/83 reichte es allerdings nur zum italienischen Pokalgewinn. Die Meisterschaft holte sich die AS Rom, im Finale des Europapokals der Landesmeister verlor Rossi mit Juventus Turin gegen den Hamburger SV mit 0:1. Den Traum vom Titel in der Königsklasse konnte er sich dann aber zwei Jahre darauf gegen den FC Liverpool sichern. Am Ende markierte das Endspiel in Brüssel eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Fußballgeschichte. Bei der Katastrophe von Heysel kamen 39 Menschen bei einer Massenpanik, ausgelöst von Liverpool-Hooligans, ums Leben.

Rossi wechselte in der Anschlussaison zum AC Mailand, konnte dort jedoch nicht an seine Erfolge anknüpfen. Nach seiner letzten Station bei Hellas Verona beendete er 1987 seine Karriere. In 48 Länderspielen erzielte er 20 Tore, in 215 Erstligaspielen konnte Rossi 82-mal einnetzen.