13. Oktober 2020 / 14:55 Uhr

Papa von Wolfsburg-Talent Siersleben: "Ich traue Tim die Bundesliga dauerhaft zu!"

Papa von Wolfsburg-Talent Siersleben: "Ich traue Tim die Bundesliga dauerhaft zu!"

Marcel Westermann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wie einst der Vater: VfL-Talent Tim Siersleben ist seit dieser Saison fester Bestandteil des Profi-Kaders, sein Papa Frank Siersleben spielte einst in der damals höchstklassigen DDR-Oberliga.
Wie einst der Vater: VfL-Talent Tim Siersleben ist seit dieser Saison fester Bestandteil des Profi-Kaders, sein Papa Frank Siersleben spielte einst in der damals höchstklassigen DDR-Oberliga. © Christian Hanke/Imago Images
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Tim Siersleben gehört seit dieser Saison fest zum Bundesliga-Kader des VfL Wolfsburg. Papa Frank Siersleben, in der DDR selbst Oberliga-Profi und Magdeburger Urgestein, spricht im SPORTBUZZER über die rasante Entwicklung seines Sohnes und was er ihm in Zukunft noch zutraut.

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Er war selbst Profi, gilt als Urgestein des 1. FC Magdeburg: Die Rede ist von Frank Siersleben, Papa von VfL-Talent Tim Siersleben, der seit dieser Saison fester Bestandteil des Wolfsburger Fußball-Bundesligisten ist. Dass es für den Innenverteidiger in kürzester Zeit so schnell nach oben geht, hat sein Vater nicht erwartet - aber für die Zukunft traut er seinem inzwischen 20-Jährigen Sprössling noch einiges zu.

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299 Punktspiele, 42 nationale sowie sechs internationale Pokalpartien - und das alle für den FCM. Dazu kommen 23 Länderspiele für den DDR-Nachwuchs. Frank Siersleben kann auf eine spannende und bewegte Karriere zurückblicken. Nach leichten Startschwierigkeiten etablierte sich der einstige Abwehrspieler in Magdeburg erst im Alter von 22 Jahren dauerhaft in der DDR-Oberliga, der damals höchsten ostdeutschen Spielklasse. Er entwickelte sich zu einer festen Größe, führte die Mannschaft 1994 im Landespokal Sachsen-Anhalt gegen den Halleschen FC (3:4) als Kapitän aufs Feld, ehe er nach der Niederlage seine Karriere beendete. Mit dem VfL hatte er aber zunächst nichts zu tun, nur: "Nach der Wende habe ich noch mit Thorsten Kohn in Magdeburg zusammengespielt."

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Die Berührungspunkte sind erst durch Tim gekommen - und es gibt einige Parallelen zwischen Vater und Sohn. Beide schlossen sich ihrem Verein in der Jugend an, beide sind - beziehungsweisen waren - in der Abwehr zu Hause und bei beiden brauchte es ein wenig Zeit, bis sie in ihren Klubs Fuß gefasst haben. "Er hatte ein paar Anpassungsschwierigkeiten, als er in der B-Jugend zum VfL gekommen war", berichtet Frank Siersleben über Tim, der unter anderem auch Anfragen aus Mainz und Hoffenheim hatte, sich aber "ganz allein" für den VfL entschied. Und die Schwierigkeiten zu Beginn? "Das hat sich im zweiten A-Jugend-Jahr gegeben. Dann kam der Übergang in den Herrenbereich zur U23 – und dass er das so gut gemeistert hat, habe ich nicht erwartet."

Und in der Zweiten überzeugte Tim Siersleben mit starken Leistungen, reiste 2019 mit den Profis nach Österreich ins Sommer-Trainingslager. Dann ging's zunächst zurück in die Regionalliga-Mannschaft, doch nun zählt er fest zum Bundesliga-Kader. "Wie er sich entwickelt hat, hat mich aber auch etwas überrascht, weil ich ihm das so schnell nicht unbedingt zugetraut habe", gibt sein Papa zu, der aber zudem großen Wert darauf legt, dass sein Junior das Fernstudium in Sportmanagement und Sportmarketing erfolgreich absolviert.

Doch der Fokus liegt auf dem VfL, wo er nach wie vor auf sein Bundesliga-Debüt wartet. Da macht sich sein Papa allerdings keine Sorgen. "Ich denke da an mich. Als ich als 18-Jähriger bei Magdeburg in den Herrenbereich kam, habe ich den zweiten und dritten Spieltag gemacht und saß dann zwölf Wochen auf der Bank", so der 59-Jährige, der betont: "Ich traue Tim auf jeden Fall dauerhaft die Bundesliga zu, wenn er sich so weiterentwickelt."

Allerdings: Die Konkurrenz ist groß. Mit Maxence Lacroix (kam für 5 Millionen Euro aus Sochaux) hat der VfL einen ebenfalls 20-jährigen Innenverteidiger geholt. Nach den Abgängen von Marcel Tisserand (Fenerbahce) und Robin Knoche (Union Berlin) hatte sich Frank Siersleben schon "gewünscht, dass Tim in den ersten Spielen eine Chance bekommt".

Was sind denn Tim Sierslebens Stärken? "Er ist unheimlich ehrgeizig, hat eine sehr gute Fitness und hat sich extrem im Kopfballspiel verbessert. Und für mich hat er einen guten Spielaufbau, eine gute Übersicht", sagt sein Papa, der selbst als Trainer arbeitete und nach wie vor Fußball-Camps für Kinder anbietet. Aber: "Was noch besser werden sollte, sind die ersten fünf Meter. Ansonsten habe ich aber noch keinen gesehen, der ihm weggerannt ist. Und ich würde mir wünschen, dass er sich den langen Diagonalball noch etwas mehr zutraut."

Weghorst trainiert wieder mit

Und es gibt noch gute Nachrichten beim VfL: Angreifer Wout Weghorst stand am Dienstagvormittag wieder zusammen mit seinen Teamkollegen auf dem Platz und absolvierte die komplette Einheit. Ob das möglich ist, schien nach dem Training am Montag fraglich. Der Stürmer war dort mit Jerome Roussillon zusammengeprallt, hatte sich das rechte Knie gehalten und musste behandelt werden. Der Niederländer biss zwar noch auf die Zähne, musste die Einheit wenig später aber doch abbrechen.