27. März 2020 / 09:16 Uhr

Paralympics-Dressurreiter Zeibig: „Auch ein älteres Pferd entwickelt sich weiter“

Paralympics-Dressurreiter Zeibig: „Auch ein älteres Pferd entwickelt sich weiter“

Jochen Leimert, DNN
Dresdner Neueste Nachrichten
Zu Hause bei Steffen Zeibig, Dressurreiter Olympiasieger, Arnsdorf
Steffen Zeibig wird in diesem Jahr mit seiner Stute „Feel Good“ nicht mehr nach Japan fliegen. © Anja Schneider
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Der Dresdner Dressurreiter Steffen Zeibig hofft, dass er nach der Corona-Krise noch bei den Paralympics 2021 in Tokio starten kann.

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Dresden. Alles war auf seine vierte Teilnahme bei Paralympischen Spielen ausgerichtet, das Spektakel in Tokio als krönender Abschluss seiner sehr erfolgreichen Karriere vorgesehen, doch zumindest für dieses Jahr muss Steffen Zeibig diesen Traum begraben. Der Dresdner Dressurreiter nimmt die Corona-bedingte Verschiebung der Paralympics dennoch vergleichsweise gelassen hin: „Jetzt ist alles natürlich wie eine Blase geplatzt und man muss erst einmal einen neuen Plan machen, aber ich bin eigentlich ganz ruhig. Die Absage für 2020 kam aufgrund höherer Gewalt, da kann man nichts machen. Viel schlimmer wäre es gewesen, wenn man beispielsweise wegen eines kranken Pferdes nicht hätte starten können.“

Hätte sich das IOC anders entschieden, die Durchführung durchgedrückt, wäre das aus Zeibigs Sicht das falsche Signal gewesen: „Die Verschiebung war unumgänglich, die Spiele abzuhalten hätte auch nicht zur Situation gepasst“, meint der 42-Jährige. Er versucht derweil, die Enttäuschung nicht zu sehr an sich heranzulassen, positiv zu bleiben: „Für mich und mein Pferd ist es schade, denn wir sind auf einem sehr guten Weg gewesen. Auf der anderen Seite kann die Stute aber auch im nächsten Jahr genauso fit sein. Der Reitsport bleibt nie stehen, auch ein älteres Pferd entwickelt sich weiter.“ Sein Spitzenpferd, die 16 Jahre alte Trakehner-Stute „Feel Good“, habe er nicht noch einmal in einen vierjährigen Wettkampfzyklus schicken wollen, „aber ein Jahr kann sie schon noch laufen. Ich hätte sie im Regelsport sowieso noch weiter geritten“, so Zeibig.

90 Prozent des normalen Alltags laufen weiter

Dass er so entspannt mit der neuen Situation umgehen kann, hat auch noch andere Gründe. Der in Arnsdorf wohnende Familienvater hat schon Paralympics in Hong Kong, London und Rio miterlebt: „Nach Rio habe ich mir immer gesagt: Was jetzt noch kommt, ist nur eine schöne Zugabe. Ich habe schon viel von der Welt gesehen.“ Die Finanzierung seiner großen Leidenschaft bereitet ihm vorerst auch keine schlaflosen Nächte: „Der Sport ist über die Bundeswehr und die Sponsoren für dieses Jahr noch abgesichert. Jetzt zahlt es sich noch mehr aus, dass ich auf viele kleine Sponsoren zurückgreifen kann.“ Wie das im nächsten Jahr aussieht, wisse freilich niemand. Garantien gebe es nicht, die Wirtschaft werde unweigerlich lange an den Folgen der Corona-Krise leiden. In einer Videokonferenz mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) hätten die Funktionäre die Athleten schon darauf hingewiesen, dass der Sport jetzt nicht gerade Priorität in Deutschland habe. „Das ist auch richtig so“, zeigt Zeibig Verständnis. Sorgen machten ihm eher die Turnierveranstalter: „Ich hoffe, dass sie die Krise alle überleben.“

Der amtierende deutsche Meister im Grade III selbst versucht nun, die durch fehlende Wettkämpfe und Lehrgänge freiwerdende Zeit bestmöglich zu nutzen: „Ich muss mich sowieso noch mehr um die Kinder kümmern, denn die sind jetzt mehr zu Hause, während meine Frau arbeiten muss. Aber 90 Prozent meines normalen Alltags laufen weiter wie bisher: Ich muss die Pferde füttern und versorgen. Bewegt werden müssen sie so oder so – ob man es noch Training nennt oder nicht. Ich fange aber schon an, sie ein bisschen abzutrainieren. Wenn jetzt keine Turniere kommen, macht es keinen Sinn sie stark zu belasten. Außerdem waren ,Feel Good’ und ich auch dieses Jahr schon viel unterwegs, zum Beispiel in Holland.“

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