22. Februar 2019 / 08:48 Uhr

Eishockey-Star Patrick Reimer ein Jahr nach Olympia-Silber: "Es war die pure Erlösung"

Eishockey-Star Patrick Reimer ein Jahr nach Olympia-Silber: "Es war die pure Erlösung"

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Patrick Reimer war einer der Garanten für das sensationelle Olympiasilber der Eishockey-Nationalmannschaft im vergangenen Jahr.
Patrick Reimer war einer der Garanten für das sensationelle Olympiasilber der Eishockey-Nationalmannschaft im vergangenen Jahr. © Verwendung weltweit
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Vor einem Jahr gelang der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft die Sensation. Nationalspieler Patrick Reimer spricht im SPORTBUZZER-Interview über die überraschende Silbermedaille in Pyeongchang 2018.

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Pyeongchang am 21. Februar 2018: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft spielt ihr Viertelfinalspiel des Olympischen Turniers gegen Schweden. Gegen 23 Uhr südkoreanischer Zeit beginnt die Verlängerung, es steht 3:3 in einem hochklassigen Spiel – und nach nur 1:30 Minuten Spielzeit schlägt die große Stunde von Stürmer Patrick Reimer (36). Der Spieler der Nürnberg Ice Tigers entscheidet die Partie mit seinem Treffer zum 4:3.

Deutschland spielt um eine Medaille bei den Olympischen Winterspielen – am Ende wird es Silber. In Deutschland herrscht ein Eishockeyfieber, das vor allem den Nachwuchs anlockt. Die Vereine verzeichnen einen Zuwachs bei den Neuanmeldungen von 14,3 Prozent.

Im Interview spricht Reimer über sein Tor gegen Schweden, das unglaubliche Erfolgserlebnis und den Eishockey-Hype.

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SPORTBUZZER: Patrick Reimer, Rückblick auf den Februar 2018: Welcher war Ihr Moment der Olympischen Spiele?

Reimer: Ich habe so viele neue und unglaubliche Eindrücke mitgenommen. Einmal habe ich von der Tribüne erlebt, wie wir in der Verlängerung gegen die Schweiz weiterkommen, gegen Schweden war ich selbst dran beteiligt, dann schlagen wir die Kanadier. Das ist für uns Deutsche immer etwas Besonderes, weil in der Liga viele Kanadier spielen. Aber ein Moment sticht heraus: Als wir die Medaillen nach dem Finale am Schlusstag der Olympischen Spiele bekommen haben. Da konnten wir es erstmals greifen, dass wir wirklich Silber gewonnen haben. 

Sie sprechen Ihren Treffer im Viertelfinale gegen Schweden an. Danach war klar: Deutschland spielt um eine Olympiamedaille!

Es ist immer noch schwierig, diesen Moment zu greifen. Das geht nur in dem Moment, in dem man das alles erlebt. Es war für mich besonders! Ich bin das Turnier über durch so viele Emotionen gegangen. Gegen die Schweiz war ich wegen Wirbelsäulenproblemen draußen, und erst am Morgen des Viertelfinals war klar, dass ich spielen kann. Dass ich am Abend das entscheidende Tor mache, war Wahnsinn und eine unglaubliche Erlösung.

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"Es war eine ausgelassene Party"

Können Sie das Tor eigentlich selbst beschreiben?

Natürlich, ich habe es so häufig gesehen, es wurde mir so häufig vorgespielt. Ich war mit Yasin (Ehliz, Anm. d. Red.), meinem langjährigen Reihenkollegen bei den Ice Tigers, auf dem Eis und er spielt mir die Scheibe zu. Ich hatte noch einen Verteidiger zwischen mir und dem Tor und habe ihn irgendwie aussteigen lassen. Mir kam die Bewegung gar nicht so spektakulär vor (lacht). Dann habe ich nur noch gedacht, dass ich die Scheibe im Tor unterbringen muss. Im Nachschuss war sie dann wirklich drin und Yasin hatte mich schon im Schwitzkasten.

Allerdings blieb der ganz große Jubel erst aus …

Ich hatte mich schon gewundert! Dann habe ich realisiert, dass sich die Schiedsrichter das Tor noch einmal angucken. Als die Schiedsrichter dann das Tor gaben, war es die pure Erlösung. Aber: Es wäre noch emotionaler gewesen, wenn es direkt so gewesen wäre. Das hat die Stimmung kurz unterbrochen.

Wie war die Stimmung danach in der Kabine – immerhin war ja noch keine Medaille sicher.

Es war eine ausgelassene Party. Wann erlebt man so was schon? Es war ein unglaublich besonderer Moment für uns. Da muss man nicht einen auf „Wir bleiben am Boden“ machen. Uns hat im gesamten Turnier ausgemacht, dass wir im richtigen Moment auch abliefern. In dem Moment wollten wir einfach einen draufmachen!

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Enttäuscht über verpasstes Gold? "Ja"

Was war der Knackpunkt des Turniers?

Es war das Gruppenspiel gegen Schweden. Wir haben da schon gesehen, dass wir nah dran sind an den Topnationen und sie in Pyeongchang auch schlagen können. Da haben wir uns geschworen, dass wir weit kommen. Ab dem Zeitpunkt ging es für uns nur noch aufwärts. Gegen die Schweiz war für uns eh klar, dass wir die wegfahren, da gab es keine andere Möglichkeit und der Sieg hat uns noch mehr Selbstvertrauen gegeben.

Im Finale hatten Sie sogar Russland bis Sekunden vor Schluss am Rande der Niederlage. Sind Sie trotz aller Freude über Silber enttäuscht, dass es kein Gold wurde?

Ja. Das wird auch immer so sein. Das mindert aber das Glück über Silber nicht. Aber natürlich mache ich mir Gedanken, was wäre, wenn wir die 50 Sekunden durchgehalten hätten? Wir hatten die Russen ganz dicht an der Niederlage, weil die auch nicht so konnten, wie sie wollten. Wir hatten in der letzten Minute dann aber auch einfach nicht mehr das Glück, das wir im Turnierverlauf hatten. Gegen die Schweiz und Schweden gewinnen wir in der Overtime, gegen Kanada mogeln wir uns gerade so noch durch. Wenn die Scheibe dann beim Ausgleich der Russen anders fällt, trifft er nicht. Aber das können wir heute nicht ändern.

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Klickt euch durch: Das schreibt die internationale Presse zum deutschen Sensationssieg über Kanada im Eishockey. ©

Das Turnier hat einen Eishockey-Hype in Deutschland ausgelöst. Was haben Sie davon mitbekommen?

Viele Menschen haben sich auf einmal mit Eishockey beschäftigt. Das war für uns schön zu sehen, dass wir eine große Aufmerksamkeit bekommen haben. Jeder hat über uns gesprochen. So richtig realisiert haben wir es während des Turniers aber nicht. Wir waren weit weg.

Ist der Hype nachhaltig?

Wir sind inzwischen wieder aus der Presse verschwunden und in der Nische, in der wir auch vorher waren. Aber wir konnten den Anfangsschwung nutzen, um Kinder zum Eishockey zu bringen und die Menschen offener für unseren Sport zu machen. Wir sind insgesamt ein bisschen aus unserem Loch gekrochen. Ich hoffe, dass wir das wirklich nachhaltig nutzen können.

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