31. August 2017 / 08:59 Uhr

Paul Seguin bei Dynamo: Das Ostkind ist zurück im Osten

Paul Seguin bei Dynamo: Das Ostkind ist zurück im Osten

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Paul Seguin (r.) bei seinem ersten Training im Großen Garten in Dresden.
Paul Seguin (r.) bei seinem ersten Training im Großen Garten in Dresden. © Anja Schneider
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Dynamo Dresden leiht kurz vor Transferschluss Paul Seguin für ein Jahr vom VfL Wolfsburg aus .

Dresden. Am Vormittag trainierten seine neuen Mitspieler noch ohne ihn, doch am Nachmittag durfte Paul Seguin nach Papierkram und Medizincheck bei 29 Grad im Schatten das erste Mal ordentlich mit seinem neuen Verein Dynamo Dresden schwitzen. Als viele Fans mit einem neuen Stürmer oder einem neuen Außenverteidiger rechneten, überraschte Sport-Geschäftsführer Ralf Minge am Mittwoch mit der Präsentation eines neuen Mittelfeldspielers. Den 22 Jahre alten Sohn von Magdeburgs Fußball-Idol Wolfgang „Paule“ Seguin liehen die Schwarz-Gelben für ein Jahr vom Bundesligisten VfL Wolfsburg aus.

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BILDER: Paul Seguins erstes Training in Dresden

Paul Seguin (Mitte) mit Patrick Möschl (l.) und Jannik Müller beim Auslaufen (Anja Schneider) Zur Galerie
Paul Seguin (Mitte) mit Patrick Möschl (l.) und Jannik Müller beim Auslaufen (Anja Schneider) ©

Gänzlich festgelegt auf das Mittelfeld ist der Jüngste von fünf Brüdern aber nicht: „Natürlich ist meine Hauptposition das Mittelfeld – ob das die Sechs oder die Acht ist, ist völlig egal. Ich kann beides spielen. Ich kann aber auch die Rechtsverteidigerposition spielen“, versichert Paul. Selbstverständlich versuche er da zu helfen, wo es der Trainer verlangt. Wichtig sei für ihn aber vor allem, dass er überhaupt spielen kann. Bei VfL-Cheftrainer Andries Jonker hatte er zuletzt keine Chance mehr, bei beiden bislang absolvierten Bundesliga-Partien der Wölfe gehörte Seguin nicht zum Kader. Einmal spielte er stattdessen im Regionalliga-Team, verlor am 19. August mit der 2. Mannschaft in der Regionalliga Nord mit 0:1 gegen den VfB Lübeck.

Seguin schon 2016 ein Thema

Als nun die Anfrage aus Dresden kam, musste Seguin nicht lange überlegen. „Ich denke, dass es hier für mich sehr gut passt. Es wird hier Fußball gespielt, das kommt mir entgegen“, glaubt der Neuling, für den es auch andere Interessenten gab – selbst aus der Bundesliga. Die 2. Liga sieht er nicht als Abstieg, weil er sich hier die größten Chancen auf Spielpraxis erhofft: „Man muss dahin gehen, wo man glaubt, sich am besten weiterentwickeln zu können.“

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Eine Rolle beim Wechsel spielte sicher auch, dass Dynamo den U21-Nationalspieler (1 Länderspiel) schon im Sommer 2016 haben wollte. „Da war ich hier, wollte mich ausleihen lassen, aber da hat der VfL nein gesagt“, blickt er zurück. Noch einmal frische Eindrücke vom DDV-Stadion konnte das Talent dann im Juli 2017 sammeln, als die Wolfsburger ein Testspiel bei Dynamo mit 4:3 gewannen und Seguin 63 Minuten auf dem Rasen stand.

Sein Vater Wolfgang, 1974 Europacup-Sieger mit dem 1. FC Magdeburg, hat Paul auch nicht abgeraten, nach Dresden zu wechseln, obwohl der FCM ein alter Dynamo-Rivale ist. „Ich soll mich hier durchbeißen“, habe er ihm gesagt, so Paul. Ganz froh sind beide auch, dass der bei Lok Stendal und ab 2007 in Wolfsburg ausgebildete Sohn wieder für einen Verein aus den neuen Ländern spielt. „Ich komme aus Magdeburg, bin ein Ostkind und möchte, dass der Osten wieder hochkommt und wir mal wieder Vereine in der Bundesliga sehen. Ich hoffe, dass es Dresden wird – ich hoffe, dass es Magdeburg wird. Die gehören mindestens in die 2. Liga“, meint Paul.

BILDER: Die bisherigen Zugänge

Lucas Röser - SG Sonnenhof Großaspach (@ dpa) Zur Galerie
Lucas Röser - SG Sonnenhof Großaspach (@ dpa) ©

Mutter verfolgt Spiele im TV

Sein Vater besucht die meisten seiner Spiele, früher kam auch seine Mutter immer mit. In jüngster Zeit bleibt sie aber oft zu Hause. „Sie hat immer mit dem Puls zu kämpfen, wenn sie sieht, wie ich von den Rängen angeschrien werde. Da guckt sie als Mutter lieber von zu Hause“, lacht der Filius.

Bundesliga-Spiele ihres Jüngsten haben die Eltern schon einige gesehen. Erstmals im Oberhaus am Ball war ihr Sohn am 23. April 2016, als er beim Heimspiel gegen Augsburg in der 85. Minute eingewechselt wurde. 25 weitere Erstliga-Einsätze konnte er seither bestreiten – als defensiver oder zentraler Mittelfeldspieler, Rechts- oder sogar mal als Innenverteidiger. Gegen Hertha BSC schoss Paul auch schon ein Tor.

Von Seguins Qualitäten ist Ralf Minge überzeugt: „Wir sind froh, dass es nun geklappt hat und Paul unsere Mannschaft in dieser Saison verstärken wird. Unser Dank geht an den VfL Wolfsburg.“