10. Juli 2020 / 14:40 Uhr

Kandidatin schon für Tokio 2021? Paulina Paszek will für Deutschland (durch)starten

Kandidatin schon für Tokio 2021? Paulina Paszek will für Deutschland (durch)starten

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Sprintstart: Paulina Paszek fühlt
 sich in Ahlem sehr wohl. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele in Paris. Trainer Francik sagt: „Sie kann alles gewinnen.“
Sprintstart: Paulina Paszek fühlt sich in Ahlem sehr wohl. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele in Paris. Trainer Francik sagt: „Sie kann alles gewinnen.“ © Florian Petrow
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Noch gar nicht so lange her, da dachte Paulina Paszek darüber nach, mit dem Kanusport aufzuhören. Jetzt trainiert die Europameisterin von 2018 beim Hannoverschen KC unter Jan Francik - und will für Deutschland bei den Olympischen Spielen 2024 an den Start gehen. Oder sogar schon 2021 in Tokio?

Das Kanu ist einfach wie geschaffen für Paulina Paszek. Die 22-jährige Polin hat schmale Hüften, ihr schlankes Rennboot sieht aus, als wäre es eine Verlängerung ihres muskulösen Körpers. „Es ist perfekt“, sagt Landestrainer Jan Francik.

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Paszek steht vor einer Premiere

Dennoch war die Europa- und Vizeweltmeisterin von 2018 im Begriff, aus dem Kanu zu steigen. Es passte plötzlich nicht mehr so recht, Paszek kam mit ihrem polnischen Trainer nicht klar, fühlte sich nicht wohl. Da hat Francik sie kurzerhand für den Hannoverschen KC ins Boot und nach Deutschland geholt. Am Samstag soll sich Paszek erstmals bei einem Leistungstest des Nationalteams in Duisburg beweisen. Läuft es ideal, könnte sie in den Kreis der Olympiakandidaten aufrücken.

Francik brauchte sich die im schlesischen Bialsko-Biala Geborene bei seinem Besuch in Polen nicht lange anzuschauen. „Es gibt Talente, die so mitpaddeln. Und es gibt ganz große Talente, die alles erreichen können, dazu zählt Paulina“, lobt der Coach. Sie war schnell von der Idee überzeugt, ihr Glück in Hannover zu versuchen. „Es ist fast wie zu Hause hier, ich mag das viele Grün“, sagt sie strahlend und in beachtlich gutem Deutsch. Immerhin lebt sie erst ein halbes Jahr hier. Paszek wohnt einstweilen noch im Landesleistungszentrum in Ahlem.

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Mit Sabrina Hering-Pradler (sie fährt mit Jakob Thordsen ebenfalls in Duisburg), Silbermedaillengewinnerin der Spiele in Rio, hat sich Paszek auf Anhieb bestens verstanden. „Wir haben nahtlos eine Topathletin dazugewonnen. Paulina ist hier wieder glücklich“, so Francik. Das liege nicht zuletzt an einem individuelleren Training: „Wir haben ihre Technik umgestellt und verfeinert, arbeiten aber ständig weiter daran.“

Sollte Paszek am Samstag eine sehr gute Leistung zeigen und unter die besten Fünf fahren, wovon Francik ausgeht, wird sie auch für den Deutschen Kanu-Verband interessant. Eine Einbürgerung könnte zügig klappen, zumal Paszeks Urgroßvater Deutscher war.

Paulina Paszek fühlt sich in Hannover sichtlich wohl - zu Wasser, aber auch im normalen Leben.
Paulina Paszek fühlt sich in Hannover sichtlich wohl - zu Wasser, aber auch im "normalen" Leben. © Florian Petrow

Allerdings gilt es, auch polnische Befindlichkeiten zu berücksichtigen. Wer lässt schon gern eine Topathletin einfach zu neuen Ufern aufbrechen. Daher willigte Francik ein, sich um einen weiteren Kanuten der polnischen Flotte zu kümmern.


Rafal Rosolski trainiert nun ebenfalls am Kanal in Ahlem, nimmt regelmäßig die weite Reise in Kauf. Francik verbessert seine Technik. „Du musst jeden individuell fördern, das ist entscheidend“, unterstreicht Francik, der ebenfalls aus Polen stammt und in seiner alten Heimat einen ausgezeichneten Ruf genießt. „Es ist eben ein Geben und ein Nehmen“, sagt er.

Zuversichtlich: Landestrainer Jan Francik und Europameisterin
 Paulina Paszek.
Zuversichtlich: Landestrainer Jan Francik und Europameisterin Paulina Paszek. © Florian Petrow

Inzwischen ist obendrein hin und wieder Anatoli zu Gast im Landesstützpunkt, Paszeks Freund. Er ist ein renommierter Physiotherapeut und hat sogar schon Francik behandelt. „Er macht das fantastisch, dieser Beruf muss in Polen studiert werden“, sagt der Coach. Kurzum: Hobbyreiterin Paulina Paszek fühlt sich in Hannover rundum wohl und denkt langfristig. Sie will Gesundheitssport studieren und demnächst eine eigene Wohnung beziehen.

Auch die sportliche Planung ist auf Dauer angelegt. „Wir lassen das auf uns zukommen. Unser Ziel sind die Spiele 2024 in Paris“, sagt Francik, „aber warum sollten wir nicht auf dem Weg dahin Tokio 2021 mitnehmen, wenn es geht?“ Das sieht Paszek ebenso, beim Wort Tokio strahlt sie immer noch ein bisschen mehr. Nicht ausgeschlossen, dass Paszek und Hering-Pradler sogar zusammen im Vierer oder Zweier fahren. „Das wäre sehr schön“, sagt Paulina Paszek.