19. April 2020 / 13:40 Uhr

Pause bis September: Göttinger Vereine kritisieren frühzeitige NFV-Entscheidung

Pause bis September: Göttinger Vereine kritisieren frühzeitige NFV-Entscheidung

Jan-Philipp Brömsen
Göttinger Tageblatt
Corona und der Fußball: Am 27. Juni entscheidet sich auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes der Umgang mit der am 12. März abgebrochenen Saison 2019/2020.
Corona und der Fußball: Am 27. Juni entscheidet sich auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes der Umgang mit der am 12. März abgebrochenen Saison 2019/2020. © imago images/Imagebroker
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Die Fußball-Saison im Amateurbereich soll bis zum 31. August eingefroren werden. Danach soll nach Angaben des NFV die aktuelle Saison fortgesetzt werden - wenn die Vereine denn zustimmen. Wir haben uns bei bei Funktionären und Vereinen in der Region Göttingen und Eichsfeld umgehört. Die Entscheidung, den Fußball so lange zu unterbrechen, sorgt bei vielen für Unverständnis.

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Der Fußball liegt auf Eis: Voraussichtlich bis zum 31. August finden im Amateurbereich in Niedersachsen keine Spiele statt. Nach der Videokonferenz des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) am Freitagnachmittag wurde zudem eine Fortführung der laufenden Spielzeit ab September zur Diskussion gestellt. Bis zum kommenden Dienstag, 21. April, haben die rund 2600 Vereine die Möglichkeit, sich bei ihrem Kreis entsprechend zu melden und ihre Meinung zu äußern.

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Eine finale Entscheidung, wie und ob die Saison 2019/20 fortgesetzt wird, soll vom Verband in der kommenden Woche getroffen werden. Wir haben uns in der Region bei Klubs und Spielern einmal umgehört.

Fabian Adam (Teammanager SG Bergdörfer): ​„Wir stehen als SG Bergdörfer klar hinter der Meinung, dass die aktuelle Saison abgebrochen werden soll. Im September sollte man dann mit der neuen Spielzeit beginnen, zunächst ohne Pokalspiele, damit man ausreichend Punktspiele absolvieren kann. Was ist eine Großveranstaltung? Zählen da Bezirksligaspiele vor 100 bis 200 Zuschauern mit dazu? Dieses sollte auch für den Amateursport definiert werden. Vielleicht wäre dann auch ein frühzeitiger Beginn denkbar. 

Falls die abgelaufenen Saison gewertet werden sollte, sind wir als Verein für entsprechende Auf- und Absteiger, damit kein Überhang geschaffen wird.“


Christian Horst (Kapitän FC Eintracht Northeim): „Ich hätte mit der Entscheidung noch ein wenig gewartet. So ist es für alle Beteiligten, insbesondere für Spieler sehr unbefriedigend. Sicherlich würde eine Fortführung der Saison einigen Vereinen, besonders die um den Aufstieg spielen, zusagen. Dennoch finde ich den 31. August als feststehendes Datum zu voreilig gewählt – man hätte sich analog zur Bundesregierung alle zwei Wochen noch verständigen können.

Insbesondere für die Spieler, die sich im Sommer sportlich verändern wollen, sehe ich eine Weiterführung der laufenden Saison im September sehr schwierig. Da könnte es schwerfallen, sich noch zu 100 Prozent für den Verein zu motivieren. Die Wechselfrist müsste auf jeden Fall aber in den Winter verschoben werden, sonst würden viele Teams mit komplett neuen Teams auflaufen. Ich tippe, dass es seitens der Vereine kein eindeutiges Votum geben wird. Sicherlich werden die Aufstiegsaspiranten eher dafür stimmen. Insgesamt finde ich, dass die NFV-Entscheidung nicht zu Ende gedacht wurde. Man hätte warten sollen und notfalls die Saison abbrechen müssen. Da hätte ich mir eine komplette Annullierung gewünscht.“

"Ich hätte die Jugend komplett abgebrochen"

Yannick Broscheit (Trainer U17 I. SC 05 und Spieler SVG): ​„Für meine B-Jugend ist Entscheidung extrem schade. Die Jungs hatten richtig Bock auf die Rückserie und waren heiß. Den Termin so weit nach hinten zu setzen finde ich einfach verfrüht. Da hätte man einfach noch warten sollen. Allerdings kann ich den Verband schon verstehen. Vor allem, dass die Saison weitergespielt werden soll, um keine Klagen zu erhalten. Den Jugendbereich hätte ich komplett abgebrochen und eine Wertung vollzogen. Zum Beispiel hätten meine B-Jugendspieler nach der geplanten Regelung nur noch ein A-Jugendjahr zu absolvieren.

Im September die alte Serie weiterzuspielen, macht für mich wenig Sinn, da man gar nicht mehr in der Saison drin ist. Im Jugendbereich haben dann teilweise zehn Monate keine Spiele stattgefunden. Was das Voting der Vereine angeht, denke ich, dass sich das Ergebnis die Waage halten könnte. Obwohl ich nicht glaube, dass das Voting der Klubs für die Entscheidung eine große Rolle spielen wird.“

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Bruno Kassenbrock (Trainer SG Herberhausen/Roringen): ​„ Mich hat die Entscheidung des NFV ein wenig überrascht. Damit nimmt sich der Verband eine Menge Chancen, indem man bereits jetzt den 31. August festgelegt hat. Es ist ein Stück weit Endgültigkeit. Ich hätte mir da ein wenig mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Man hätte den Spielbetrieb bis auf Weiteres ruhen lassen können, um dann in einigen Wochen eine neue Bewertung vorzunehmen. Das kann man sicherlich besser lösen. Wir nehmen es allerdings, wie es kommt, und akzeptieren die Entscheidung. Falls die Saison im September weiterlaufen soll, bin ich nur gespannt, wie es dann im Frühjahr weitergeht. Findet dann gar nichts statt? In der 2. Kreisklasse steht der Spaß am Fußball im Vordergrund. Das sollten Leute von Verband wissen. Wir hoffen, dass wir uns schnell wieder treffen können, vielleicht auch zunächst in kleineren Gruppen.

Auch wenn wir die Entscheidung letztlich tragen würden, glaube ich, dass viele Vereine eher für einen Saisonabbruch plädieren werden.

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Stefan Balitzki (Jugendleiter des SV Rotenberg): ​„Ich finde die Entscheidung, die Pause bis zum 31. August zu verlängern, grundsätzlich richtig. Zumal man heute noch nicht abschätzen kann, wie sich die Infektionszahlen entwickeln werden, besonders nach der Öffnung der Geschäfte. Vielleicht muss der Start auch noch einmal verschoben werden, falls sich die Lage bis August nicht verändert hat.

Daher ist der Amateurfußball zunächst zweitrangig. Insgesamt finde ich das Einfrieren der Saison bis Ende August sinnvoll. Die Fortführung der Saison könnte da deutlich mehr Probleme mit sich bringen. Allerdings könnte ich mir die Lösung im Herrenbereich noch ganz gut vorstellen. Da könnte man im September und Oktober sowie dann im April und Mai die laufenden Saison beenden. Die Saison 2020/21 würde somit ausfallen müssen.

Schwieriger sehe ich das schon im Jugendbereich. Was passiert mit den Jahrgängen? Dürfen die auch September noch weiterspielen? Zudem sind Vereinswechsel ein wichtiges Thema, das fast alle Vereine betrifft. Daher müsste man zwingend die Sechs-Monate-Regel aushebeln und auch keine Spielerwechsel im Sommer zulassen. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der 2600 Vereine eher für einen Abbruch stimmen dürfte, zumal die Pandemie höhere Gewalt darstellt. Mögliche Klagen müsste der Verband einfach in Kauf nehmen.“