02. Juni 2020 / 13:37 Uhr

"So kann ich nicht helfen": Publikumsliebling Pawel Pietak macht in Springe Schluss

"So kann ich nicht helfen": Publikumsliebling Pawel Pietak macht in Springe Schluss

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Pawel Pietak geht künftig nicht mehr für die HSG Deister-Süntel auf Torejagd, soll dem Verein jedoch in anderer Funktion erhalten bleiben.
Pawel Pietak geht künftig nicht mehr für die HSG Deister-Süntel auf Torejagd, soll dem Verein jedoch in anderer Funktion erhalten bleiben. © Debbie Jayne Kinsey
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2013 kam er aus Polen nach Springe, um für ein, zwei Jahre bei den Handballfreunden zu spielen. Daraus wurde "das Abenteuer meines Lebens", und Pawel Pietak ist bis heute geblieben. Nun beendet er seine Karriere, eine Verletzung zwingt den Publikumsliebling der HSG Deister-Süntel, wie sein Verein inzwischen heißt, dazu.

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Sieben Jahre lang ist Pawel Pietak der absolute Publikumsliebling in Springe gewesen. Eine langwierige Verletzung zwingt den Rechtsaußen der HSG Deister-Süntel jetzt zum abrupten Karriereende. „Ich habe mich sonst körperlich noch fit gefühlt“, sagt der 38-Jährige. Doch seit Anfang des Jahres hatte sich durch Probleme mit dem Fersenknochen immer wieder die Achillessehne entzündet. „So kann ich den Jungs auf der Platte nicht helfen“, sagt der Pole und betont: „Ich will nicht nur deshalb spielen, weil ich Pawel Pietak bin.“

"Das Abenteuer meines Lebens"

Vor der Saison 2013/2014 wechselte der Linkshänder vom polnischen Erstligisten AZS AWFis Danzig zu den Handballfreunden Springe. Damit begann „das Abenteuer meines Lebens“, wie Pietak heute sagt: „Ich wusste ja nicht, was mich erwartet.“ Er sprach seinerzeit kein Wort Deutsch und dachte, „ich fahre nach ein oder zwei Jahren wieder zurück“.

Bei seiner Vorstellung las er die ersten Worte in der neuen Sprache noch mittels einer Übersetzungshilfe vom Handy ab. Die Sympathien der Fans gewann Pietak später auch mit seiner leidenschaftlichen Art Handball zu spielen, denn sein Motto war immer: entweder 100 Prozent – oder gar nicht.

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Der Pole wurde sportlich und menschlich ein Volltreffer, und die erste Saison am Deister wurde der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die 2015 mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga ihre Krönung fand. Zwischen Pietak und den Fans entwickelte sich in all den Jahren eine besondere Beziehung. Wenn er mit einem Heber oder Dreher mal wieder den gegnerischen Torhüter genarrt hatte, gab es Sprechchöre von den Rängen.

Stets ein Lächeln auf den Lippen

„Das ist eine geile Sache, wenn die Zuschauer hinter dir stehen“, schwärmt Pietak über die Stimmung an der Harmsmühlenstraße. Auch neben dem Spielfeld war der Pole ein echter Sympathieträger und hatte immer ein Lächeln auf den Lippen.

Nach dem Rückzug der Handballfreunde aus der 3. Liga vor zwei Jahren schien die Zeit des früheren Handballprofis am Deister eigentlich vorbei. „Ich hatte schon fast woanders unterschrieben“, verrät er. Springes früherer Manager Dennis Melching, in dessen Firma Pietak inzwischen arbeitet, überzeugte ihn mit den Worten „du bist ja mittlerweile fast ein ­Ur-Springer“.

Die Arbeit mit den jungen Spielern der HSG hat Pawel Pietak viel Spaß gemacht.
Die Arbeit mit den jungen Spielern der HSG hat Pawel Pietak viel Spaß gemacht. © Rico Person
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Und der Fanlieb­ling blieb, zumal das beschauliche Städtchen am Deister für ihn längst ein zweites Zuhause geworden war. Warum also für ein paar Euro woanders spielen, wenn man sich wohlfühlt. „Der Verein bedeutet mir mehr als Geld“, betont der Pole.

"Amateurhandball ist etwas ganz anderes"

Der „Abstieg“ in die 7. Liga bedeutete sportlich allerdings eine totale Umstellung, „eine Wende um 180 Grad, denn Amateurhandball ist etwas ganz anderes“, sagt Pietak. Zugleich schwärmt er aber vom Teamgeist seiner neuen Mitspieler, von denen der ein oder andere beinahe sein Sohn sein könnte. Die Mannschaft sei enorm ehrgeizig und habe eine tolle Entwicklung genommen. „Das macht Spaß und hält mich auch geistig jung“, sagt Pietak. Umso schwerer fällt ihm der nicht geplante Abschied.

Für den Routinier steht jedoch fest: „Ich werde dabeibleiben, denn das ist eine geile Truppe.“ Gefühle, die auch die Verantwortlichen des Klubs nach sieben tollen Jahren teilen. „Er ist ein echter Freund geworden“, sagt HSG-Sprecher Jens Buchmeier.

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Deshalb soll der wahrscheinlich beste Handballer, der je in der Regionsoberliga gespielt hat, dem Verein auf jeden Fall nicht komplett verloren gehen. „Wir sind uns einig, dass Pawel im Umfeld der Mannschaft dabeibleibt. Wie genau diese Rolle aussehen wird, werden wir in den nächsten Wochen besprechen“, sagt Henning Jung, Sportlicher Leiter der HSG.

Zunächst will Pietak aber etwas Abstand gewinnen und „erst mal das Leben genießen“. Während der Profizeit drehte sich alles um Handball. „Ich hatte sogar meine Hochzeit vormittags, weil abends noch ein Ligaspiel war“, verrät Pietak. Er freut sich auf die neue Unabhängigkeit, die auch Zeit für andere Hobbys lässt. Eines davon ist Angeln, und das ist auch im Rahmen der Corona-Abstandsregeln möglich. Wenn es die Pandemie erlaubt, soll die feierliche Verabschiedung nachgeholt werden. „Das hat sich Pawel mehr als verdient“, sagt HSG-Chef Matthias Herbst.