11. Mai 2020 / 17:06 Uhr

Peiner kehren auf die Sportplätze zurück

Peiner kehren auf die Sportplätze zurück

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Prellen geht schon wieder und auch der Torwurf ist auf dem Hartplatz in Vöhrum für die PSG-Handballerinnen möglich. Doch auf Zweikämpfe muss das Team von Lutz Benckendorf (links) noch verzichten.
Prellen geht schon wieder und auch der Torwurf ist auf dem Hartplatz in Vöhrum für die PSG-Handballerinnen möglich. Doch auf Zweikämpfe muss das Team von Lutz Benckendorf (links) noch verzichten. © Ralf Büchler
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Wochenlang spürten Amateursportler in ganz Deutschland eine gewisse Leere in ihrem Leben. Das Miteinander mit den Sportkameraden fehlte, obendrein die körperliche Betätigung. Doch nun machten die Vereine einen Schritt hin zur Normalität.

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„Es tut einfach gut, den Ball zu fühlen, den Rasen zu riechen, den Dreck zu schmecken und vor allem die Jungs zu sehen.“ In den aktuellen Zeiten der Corona-Krise ist es ein Stück Fußballer-Romantik, das Dominik Buchholz vom TSV Meerdorf da formuliert, nachdem das Team am vergangenen Donnerstag wieder in das Teamtraining eingestiegen ist – natürlich mit dem nötigen Abstand von zwei Metern. Viele Vereine im Landkreis Peine gehen in dieser Woche wieder einen Schritt hin zur Normalität, wenngleich es noch einige Beschränkungen gibt.

So sind beim Fußball keine Zweikämpfe erlaubt, der Mindestabstand muss eingehalten werden und damit fällt ein ganz wichtiges Element des Fußballtrainings weg: „Das Abschlussspiel“, sagt Meerdorfs stellvertretender Vorsitzender Dominik Buchholz. Stattdessen beschränkten sich die etwa zehn Kicker auf Passspiel und einfache Spielzüge. „Den Ball nach draußen legen, nach innen flanken und abschließen“, erklärt Buchholz, sei möglich. Dabei dürfen nur der Keeper und der Stürmer in der Mitte nicht aneinander geraten. „Der Torwart muss dann eben auf der Linie bleiben und den Ball bestmöglich dort abwehren“, beschreibt Buchholz seine Erfahrungen aus dem Training.

Mit dem letzten Abschluss auf das Tor ist das Training dann allerdings auch beendet. Bei einem alkoholischen Kaltgetränk zusammensitzen und klönen, ist derzeit in großen Gruppen nicht erlaubt. Beim TSV werde „normalerweise Bier unter der Dusche getrunken“, doch die muss nach den derzeitigen Bestimmungen im Meerdorfer Vereinsheim kalt bleiben. „Alle haben dann zu Hause unter der Dusche getrunken. Was da in unserer Whats-App-Gruppe abging...“, erzählt Buchholz lachend von einigen Fotos unter der Dusche.

Doch nicht nur die Fußballer des TSV Meerdorf sind wieder aktiv. Auch die weiteren Abteilungen vom Kinderturnen bis zur Wirbelsäulengymnastik treffen sich in kleineren Gruppen an der frischen Luft. „Der A-Platz ist für die Fußballer reserviert. Zweimal in der Woche kommt auch der SV Wacker Wense mit seinem Team. Auf dem B-Platz sind dann die anderen Gruppen“, berichtet Buchholz. Die Verantwortlichen hätten demnach einfach den Hallenbelegungsplan genommen und wenden ihn nun auf das Kleinspielfeld der Meerdorfer Fußballer an.

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Zuletzt waren deshalb schon die Damen vom Bodyforming auf der Anlage, wenngleich sie aktuell keine Trainerin haben. Viel mehr galt es, einfach mal wieder gemeinsam Sport zu treiben – auch wenn die Vorturnerin aus dem mitgebrachten Laptop ertönte. „Die schauen sich aktuell nur Videos an und machen das nach“, erklärt Buchholz, der auf die Suche nach einer Trainerin hinweist.

Fußballer-Romantik kam auch beim SV Lengede auf, auch ohne den Naturrasen zu riechen und den Dreck zu schmecken. „Bei uns war es eher das Granulat auf dem Kunstrasenplatz“, witzelt Coach Dennis Kleinschmidt. Die Begrüßung ohne Handschlag habe sich nicht nur für ihn und Trainerkollege Kai Olzem komisch angefühlt, sondern auch für die 18 Spieler, die zur Einheit kamen.

In zwei Gruppen („Dass wir zwei Trainer sind, ist ein riesiger Vorteil“) ging es auch beim Landesligisten zunächst um Ball- und Platzgewöhnung, um das Passspiel und zum Abschluss beim Torschusstraining vor allem um den Spaß. Der Mannschaft sei es sehr leicht gefallen, die Abstandsregeln einzuhalten, „weil alle sehr darum bemüht waren“.

Lengedes Trainer Dennis Kleinschmidt mahnt zwar, dass er nicht wisse, wie lange die Jungs bei diesem eher abgespeckten Pensum mit Spaß bei der Sache bleiben. „Aber nach dem ersten Training habe ich in 18 freudestrahlende Gesichter geschaut“, erklärt der Coach, der nun zweimal pro Woche mit dem Team auf den Platz möchte. „Nur wenn es regnet, lassen wir es sein. Keiner soll nass und vollgeschwitzt nach Hause fahren müssen, um dort zu duschen.“

Beim Fußball ist es schon schwierig ohne Zweikämpfe auszukommen. Beim Handball hält es PSG-Trainer Lutz Benckendorf für „völlig illusorisch“. Trotzdem traf er sich mit seinem Damen- und den Jugendteams und machte ein paar leichte Übungen. „Es war eine Erlösung für uns alle“, schwärmt der Coach. In den vergangenen sechs, sieben Wochen hatten alle Handballteams der Peiner SG Hausaufgaben von ihrem engagierten Coach bekommen. Nachdem diese zunächst noch sehr gut angenommen wurden, „nahm die Rückmeldungsquote nach vier Wochen merklich ab“. Doch das hält Benckendorf für normal, wenn das Miteinander fehle.

Das ist nun wieder zurückgekehrt in die Abteilung, die dafür den Hartplatz an der Berufsbildenden Schule in Vöhrum in Beschlag genommen hat. Der Grund: Dort stehen Handballtore und der Ball kann leichter geprellt werden, als auf dem Rasen. „Da wäre das eine ganz andere Sportart“, meint Benckendorf, der in dieser ersten Einheit vor allem auf Ballübungen gesetzt hat. „Die konnten die meisten Spielerinnen aus dem Damen-Team zu Hause kaum machen. Viele wohnen in Mietswohnungen, da geht das mit dem Lärm einfach nicht“, berichtet Benckendorf, der sich sehr über das viele positive Feedback gefreut hat. Dem Trainer war die Erlösung förmlich ins Gesicht geschrieben.

Von Lukas Everling